Vor der Düsseldorfer Auktion des Ostpreußenpferdes

Das Trakehner Edelpferd

Eigener Bericht

Hamburg, 31. Dezember

Vom 7. bis 9. Januar 1954 findet in Düsseldorf die vierte Auktion des ostpreußischen Pferdes Trakehner Abstammung In der Bundesrepublik statt. Das Hamburger Abendblatt hat in den letzten Jahren Oftmals Über den Stand der Erhaltung dieses Edelpferdes berichtet, und die bevorstehende Auktion bietet den Anlaß, über die derzeitige Situation einiges zu sagen. Eine kleine Schar von Flüchtlingen kämpft seit Kriegsende um die Erhaltung ihres einzigen geretteten lebenden Kulturgutes aus der verlorenen ostpreußischen Heimat: um das Trakehner Pferd. Ungeheuer ist der Aderlaß gewesen, wenn man nur die Zahlen aus der Zeit von 1939 und heute gegenüberstellt. 1939 verzeichnete die Ostpreußische . Stutbuch- Gesellschaft, deren Nachfolger der Verband der Züchter des Warmblutpferdes Trakehner Abstamm -, e. V., Hamburg, ist,

15 000 Mitglieder. Kcu.e sind es 500, d.h. nur noch 3,3 Prozent des Vorkriegsstandes. 1939 wurden 25 000 im Stutbuch eingetragene Stuten gezählt, heute sind es noch 800 (3,2 Prozent), und gegenüber 1000 Deckhengsten stehen heute nur noch 50 (5 Prozent gegenüber 1939) zur Zucht zur Verfügung! Das sind schwerwiegende Verlust zahlen einer einst blühenden und erfolgreichen Pferdezucht. Ihr Ruf ging weit über die Grenzen hinaus als eine der besten der Welt.

Trotz dieser schweren Dezimierung konnte bereits vor gut einem Jahr die Feststellung getroffen werden, daß es gelungen Ist, das Trakehner Pferd zu erhalten. Schon die drei ersten Auktionen im Landgestüt Wickrath und zuletzt in Düsseldorf hatten gezeigt, daß nach Überwindung der aufgezwungenen Pause (etwa bis 1948) bis zur neuen planmäßigen Aufzucht dem Käufer des In- und Auslandes ein dem alten ostpreußischen Typ entsprechendes Edelpferd angeboten wurde. Die Reaktion bei den Käufern war durchschlagend. In Düsseldorf wurden im vergangenen Jahr mit einem Durchschnittspreis von 2600 DM und einem Höchstpreis für ein Pferd von 9500 DM die höchsten Kaufs.umm e n aller in Deutschland nach dem Kriege durchgeführten Auktionen erzielt. Dabei ist die Güte des Materials dem der Trakehner Auktionen in Berlin aus der Vorkriegszeit völlig gleichzustellen.

Im Düsseldorfer Stall Talihoh kommen am 9. Januar fast ausschließlich 38 drei- bis vierjährige Pferde (21 Wallache und 17 Stuten) als Reit-, Turnier- und Wagenpferde zur Versteigerung. Die Väter der Auktionspferde tragen alle die Blutlinien der großen Trakehner Deckhengste Tempelhüter, Jagdheld, Irrlehrer, Dampfroß und Pythagoras. Die Mütter haben die größte Leistungsprobe bestanden, nämlich den Treck über 1000 Kilometer aus der zurückgelassenen Heimat in ihr neues Asyl. Wenn sich auch die Zusammenfassung

der züchterisch wertvollsten Pferde wie einst im Hauptgestüt Trakehnen in der Bundesrepublik noch nicht in die Tat umsetzen ließ, so sind doch mit Hunnesrück (Kreis Einbeck, Niedersachsen) mit vier Hauptbeschälern und 50 Mutterstuten, mit S c h m o e 1 zwei Hauptbeschälern und 25 Mutterstuten und Rantzau (beide Kreis Plön, Holstein) mit einem Hauptbeschäler und 20 Mutterstuten wichtige Stützpunkte und Zentren vorhanden, die allerdings nicht Eigentum des Trakehner Verbandes sind.

Das Einmalige an dem schwererkämpften Fortbestand des Trakehner Pferdes ist die Tatsache, daß es hier zum erstenmal gelungen ist, eine völlig entwurzelte Hochzucht fern seiner angestammten Heimat auf fremden Gebieten fortzusetzen. Und das unter der bereits von allen Fachleuten beobachteten Feststellung: Der Trakehner ist der Trakehner geblieben. Auf der letzten Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft in Köln 1953 wurde eine Trakehner .Kollektion von einem Hengst und sechs Stuten ? alles Füchse ? als die schönste der gesamten Schau bezeichnet und prämiiert.

Diesen Ruf, den sich das Trakehner Pferd in Westdeutschland erneut erworben hat und der wieder weit über die Grenzen hinausgeht, werden die in Düsseldorf zusammengezogenen 38 Trakehner erneut bestätigen. Dann wird hoffentlich auch bei den letzten Instanzen, die die Rettungsarbeit dieses Kulturgutes einer alten deutschen Provinz noch oftmals recht erschweren, das nötige Verständnis geweckt werden. Mo.