Zum 49. Male in der Vier-Sektoren-Stadt gegen Berlin und Leipzig

Hamburg mit schwacher Riege

Am Karfreitag erlebt der traditionelle Drei- Städte-Kampf im Kunstturnen zwischen Berlin ? Hamburg ? Leipzig seine 49. Wiederholung. Austragungsort ist Berlin, und zwar findet der Wettkampf im Ostsektor statt. Eine neugebaute, 7000 Personen fassende Halle mit allen modernen Einrichtungen ist bereits zwei Wochen ausverkauft. Die Hamburger Riege fährt am Donnerstag bis zur Zonengrenze und wird von dort mit einem Omnibus des Berliner Veranstalters abgeholt.

Zwischen 1920, als am 24. Oktober in Hamburg das Städteturnen zum ersten Male durchgeführt wurde (damals waren Berlin und Hamburg noch unter sich), und heute liegt eine Zeit stürmischer Entwicklungen im Kunstturnen. Aus diesem ersten Städtekampf sind nach und nach die Leistungen entstanden, die heute im Kunstturnen immer wieder Beachtung finden. Es ist das Verdienst der Hamburger und Berliner Turner, daß sie damals jenen vielumstrittenen Schritt vor die Öffentlichkeit wagten.

Lange lag der Schwerpunkt im deutschen Kunstturnen zwischen den drei Städten.. Leipzig kam beim dritten Wettkampf dazu. Hambuig hat dabei immer eine sehr gute Rolle gespielt und von 48 Wettkämpfen 19 siegreich bestanden. Bei 20 Begegnungen lag Hamburg an zweiter Stelle und nur achtmal an dritter. Leipzig hat 16 Siege zu verzeichnen und Berlin war zwölfmal erfolgreich. Hamburgs Stärke war stets die geschlossene Mannschaftsleistung, die schließlich entscheidend war. Während der letzten Wettkämpfe nach dem Kriege ist Hamburg jedesmal erfolgreich

geblieben, vor Berlin und Leipzig, das erst die letzten drei Wettkämpfe wieder mit. geturnt hat.

Dieses Mai fährt Hamburg nicht als Favorit nach Berlin; denn es muß auf drei setner besten Turner verzichten, die aus krankheitsbedingten Gründen und beruflich unabkömmlich sind. Es fehlen: Schröter (Bergedorf), Leininger (ETV) und Kriebic (H. T. v. 1816). So ist die Riege mit Stelter, Weiland, Asche (ETV), Albusberge'r, Götz, Krüger, Lempert (Bergedorf 60) und Schultze vom Tbd. Eilbeck nicht so stark und wird gegen die Gegner aus Berlin und Leipzig einen schweren Stand haben. Dennoch steht die Mannschaft nicht auf verlorenem Posten. Auch Berlin, das sich diesmal größte Hoffnungen macht, hat Schwächen. Unbekannt sind die Leistungen der Leipziger, die eine Reihe neuer Leute herausgebracht haben. Die Aussichten dürften wohl gleich stark verteilt sein, so daß der Glücklichere am Karfreitag gewinnen wird. Der Wettkampf geht über sechs Disziplinen am Reck, Barren, Seit-pferd, den Ringen, in der Bodenübung und im Sprung über das Pferd. Jede Riege besteht aus acht Turnern, von denen sechs in der Wertung bleiben. Die niedrigsten Ziffern an jedem Gerät werden gestrichen. Es turnen:

Berlin: Boll, Lorenz, Kirsch, Kiwastscginski, Mattick, Keimel, Fiedler, Bamberg. Leipzig: Herold, Schumacher, Sonntag, Reiter, Frenzel, Heil, Ruf, Schildknecht.

Hamburg: stelter, Weiland Asche, Albusberger, Götz, Krüger, Schultze, Lempert.

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