Wie erwartet: Dickhut, Bantz, Overwien

Pflichtturnen mit Schwächen

Trotz des schönen Frühlingswetters war die Heidelberger Stadthalle gut besetzt, als am Sonnabend das erste Olympia-Ausscheidungsturnen begann. Leider mußten Kiefer und die Gebrüder Wied wieder aussetzen, da ihre Verletzungen einen Start noch nicht zuließen. Auch Schwarzmann fehlte abermals, so daB mit seiner Mitwirkung kaum noch zu rechnen ist. Von 24 gemeldeten Turnern traten 17 an. Die besondere Betonung dieses Wettkampfes lag für den Fachmann bei den Pflichtübungen, war es doch das erste Mal, daß die Turner in dieser Disziplin gewertet wurden.

Bestechend in der Pflicht turnte Bantz, der für seinen Pferdsprung die einzige volle Punktzahl erhielt. Er war auch am sichersten an Barren und Reck mit 9,85, während Euteneuer die beste Bodenübung mit 9,80 erturnte. Dickhut und Schnepf zeigten leichte Fehler in der Pflicht. So blieb Bantz mit dem hervorragenden Ergebnis von 58,15 Funkten vor Dickhut mit 56,90, Overwien 56,90, Kropf 56,65, Euteneuer 56,50, Pfann 55,85, Stangl 55,60, Gauch 55,55, H. Schmidt 54,95 und Frenger 54,50..

Während am Sonntagvormittag die Letztplacierten bei den Pflichtübungen turnten, wobei Klein insgesamt auf 110,05 Punkte kam vor Schnepf, Renner, Nieling, Dilg, Karg und Dossier, zeigten die zehn Besten am Nachmittag Ihre Kür.

Dabei gab es ganz ausgezeichnete Leistungen und wieder einmal den schon so oft erlebten Zweikampf Bantz ? Dickhut. Beide, sehr ehrgeizig, überboten sich selbst

und trieben sich immer mehr an um die Spitze. Dickhut hatte diesmal die stärkeren Nerven, da der hervorragend in Führung liegende Bantz seine Pferd-Seit-Kür nicht beendete und Punktverlust bekam. Dickhut hatte keine Schwächen mehr, turnte am Reck eine Zehn heraus und beendete das erste Ausscheidungsturnen mit 115,30 Punkten a" Bester vor Bantz mit 114,75. Overwien unterstrich erneut seine gute Form als Dritter mit 113,85. Pfann, der an den Ringen für seine Kür die volle Wertung erzielte, kam als Vierter weit besser heraus als kürzlich in Helsinki. 113,30 Punkte sind eine große Leistung für den kriegsverletzten Bayern aus Neu- ötting. Stangl folgte mit 112,45 'vor Gauch mit 112,35 Punkten. Euteneuer wiederum verbessert als Siebenter mit 112,10 Punkten vor Kropf, der infolge Versagens bei seiner außerordentlich schwierigen Pferdkür nur auf 111,75 Punkte kam. Frenger turnte 110,30 Punkte und der zweite norddeutsche Vertreter Helmuth Schmidt aus Kiel bewies mit seinem zehnten Rang und 110,20 Punkten, daß zähe Arbeit zu Erfolgen führt.

Das erste Ausscheidungsturnen hat noch nicht voll befriedigt. Es zeigte klar die Lücken in den Pflichtübungen. Die Verletzungen bei Kiefer und den Gebrüdern Wied sind in diesem Stadium der Vorbereitung für Helsinki höchst unerwünscht, fallen sie doch in ihrer Vorbereitung immer weiter zurück. Zwar dürften die neueren Kräfte sich noch weiter verbessern können.

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