NS-Polizeisenator Richter in den Vorstand gewählt

Konflikt in der Deutschen Partei

Sechs von neun Bürgerschaftsabgeordneten der Deutschen Partei haben sich gestern in einer aufsehenerregenden Erklärung von dem neuen Landesvorstand ihrer Partei distanziert, nachdem der Landesausschuß den ehemaligen Hamburger NS-Polizeisenator Alfred Richter zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt hat. Der ganze bisherige Landesvorstand der DP ist bis auf den Schatzmeister Kurt Herbert neubesetzt worden. An Stelle von Rechtsanwalt Erwin Jacobi, dem Vorsitzenden in der DP- Bürgerschaftsfraktion, wurde der Kaufmann Rudolf Conventz zum Landesvorsitzenden der Partei gewählt.

"Mit Richter ist eine Persönlichkeit in den Vorstand gewählt worden, mit der wir wegen ihrer politischen Funktion und Verantwortlichkeit in früherer Zeit eine Zusammenarbeit in ein und demselben Vorstand ablehnen müssen ? insbesondere nach allem, was wir bis in die letzten Tage als Auffassung und Zielsetzung der Deutschen Partei vertreten haben", heißt es in der Erklärung

der Bürgerschaftsabgeordneten, die von Erwin Jacobi, Dr. Wilhelm Ziegeler, Gerhard Schubert, Friedrich Witt, Werner Luckow und Friedrich Starck unterzeichnet ist. Der DP-Abgeordnete Fritz Becker scheint eine vermittelnde Haltung einnehmen zu wollen. Man erwartet jedoch weitere Absagen an den neuen Vorstand, vor allem von den DP- Fraktionen der Bezirksausschüsse.

Zweifellos ist der Riß auf das Wirken einer jungen Oppositionsgruppe zurückzuführen, die schon vor drei Wochen auf dem Landesparteitag der DP in Erscheinung trat und der es offenbar gelungen ist, Schlüsselstellungen im Landesausschuß der Partei zu besetzen. Auf dem Landesparteitag zeigten sich Meinungsverschiedenheiten über die Innenpolitik der Bundesregierung. Der oppositionelle Flügel stellte den Antrag, die DP-Bundestagsfraktion aufzufordern, die Minister Seebohm und Hellwege aus der Regierung zurückzuziehen. Dieser Antrag wurde dem Landesausschuß zur weiteren Behandlung überwiesen.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.