Nach 17 Stunden wurde der Steuermann des Fischdampfers "Thor" gerettet

Ein Boot trieb im Orkan

gkl. Hamburg, 10. März Der Winter, einer der sturmreichsten der letzten Jahrzehnte, hat in der Nordsee wieder eine Reihe von Schiffsunglücken auf sein Konto geladen. Es ist zu befürchten, daß das in Böen bis Orkanstärke anwachsende Unwetter allein in der Nordsee 60 Todesopfer gefordert hat. Das für uns schmerzlichste Unglück ist der Untergang des Fischdampfers "Thor" (von der Bremerhavener Reederei Kohlenberg & Putz), der am Sonnabendmittag in der Gegend der Orkney-Inseln (nordwestlich Englands) von einer schweren See zum Kentern gebracht worden ist. Die Wasserkante trauert mit den Angehörigen um 19 tote Seeleute.

Auch das 1253 BRT große schwedische Schiff "Rossow" wird seit der gleichen Zeit vermißt. Die von der englischen Küste ausgelaufenen Rettungsboote haben noch keine Spur von der 24köpflgen Besatzung gefunden. Ferner wird die 18köpfige Besatzung des 829 BRT großen schwedischen Schiffes "Edna" vrmlßt. Norwegische Schiffe suchen die Besatzung, die in die Rettungsboote gegangen ist.

Es muß ein grauenhaftes Wetter gewesen sein, als sich der 1943 in Aberdeen gebaute und nach dem Kriege aus belgischem Besitz erworbene Fischdampfer "Thor" durch die ausgehöhlte See durcharbeiten mußte. Wahrscheinlich ist ein ungewöhnlich starker Brecher so unglücklich über das Schiff hergefallen, daß er es wie mit der Faust eines Giganten auf die Seite legte. Bevor es dem Schiff möglich war, sich wieder aufzurichten, hat offenbar eine zweite See di *- Tragödie vollendet und den Darhpfer ganz unter Wasser gedrückt. SOS-Rufe konnten bei der Schnelligkeit, mit der die Tragödie abrollte, nicht mehr gegeben werden. Mit fliegender Hast und, so, wie sie gingen und standen, dürfte der Deckswache noch der Versuch geglückt sein, ein Rettungsboot zu Wasser zu lassen. In

diesem Boot fand man aber nur einen einzigen Überlebenden, den Steuermann Willi Sunkimat.

Was er berichtete, klingt schaurig für unsere Ohren: "Es waren zunächst elf Mitglieder der ?Thor"-Besatzung, die sich nach dem Schiffsunglück im Boot befanden. Sie waren nur mit dem Notwendigsten bekleidet. Andere trieben im eisigen Wasser und klammerten sich. an die Leine, die an jedem Rettungsboot außenboi \ ." sind. Bevor es aber möglich war, die treibenden Menschen zu bergen, waren sie schon untergegangen. Meist waren sie wahrscheinlich vor Kälte schon bewußtlos geworden."

Der erstarrte Steuermann trieb einsam in seinem Boot. Und doch nicht allein. Mit ihm war noch ein toter Heizer. Das Boot trieb und tanzte in dem aufgewühlten Meer. Soweit das Auge reichte, nichts als Wogen und Gischt. Der Steuermann konnte sich nur halten, wenn er sich flach in der Kielrichtung auf den Boden legte. Seine Lage erschien hoffnungslos. Er spürte seine Kräfte schwinden. Wohltuende Ohnmacht überfiel ihn, der nicht mehr die Kräfte hatte, einen Mast aufzurichten, ein Segel zu setzen oder Notsignale zu geben. Ein glücklicher Zufall, wie vom Schicksal gelenkt, schickte den Bremerhavener Fischdampfer "Fladengrund" in die Nähe der Unfallstelle. Ein fast 600 BRT großer moderner Fischdampfer der Norddeutschen Hochsee-Fischerei A. G. Der Kapitän dieses Schiffes traute seinen Augen nicht, als er das Boot hilflos in der See treiben sah. Er änderte den Kurs und hielt auf das Boot zu. Durch das Glas erkannte er, daß in dem Boot noch Menschen trieben. Fischer sind besonders geschickte Seeleute. Der Kapitän manövrierte seinen Fischdampfer in die Nähe des Bootes. In Lee, im Windschatten, gelang es, mit seinen Seeleuten den Toten und den Lebenden an Bord zu nehmen. Bei dem einen waren alle Wiederbelebungsversuche erfolglos. Ein völlig erstarrter Heizer des "Thor". Der andere, der Steuermann Willi Sunkimat, gab noch schwache Lehenszeichen. Seeleute, die ein Patent haben, machen auf den Schulen auch Krankenkurse durch. Sie wußten, was in diesem Falle zu machen war. Es gelang, dem Steuermann wieder Leben einzuhauchen.

Während die Decksmannschaft, der Steuermann und der Koch sich um ihren Kollegen bemühten und mit dem Tod rangen, der schon seine knöcherne Hand nach ihm ausgestreckt hatte, spielte der Draht des rettenden Fischdampfers die Nachrichten durch den Äther vom Untergang des Fischdampfers "Thor".

Englische Seenotflugzeuge, die vor der schottischen Küste schon auf einen schwedischen Frachter eingesetzt worden waren, haben ihre Suche auch auf die Schiffbrüchigen vom Fischdampfer "Thor" ausgedehnt.

"Else Sieg" außer Gefabr

Eigener Bericht

Cuxhaven, 10. März

Das 580 BRT große deutsche Motorschiff "Else Sieg" der Reederei Behnke, Flensburg, das, wie gemeldet, in der nördlichen Nordsee westlich des Skagerraks mit Maschinenschaden und Lekkagen in Seenot geraten war, ist außer Gefahr. Das Motorschiff 'hatte sich in dem mehrtägigen schweren Sturm über der Nordsee trotz schwerer Havarie gehalten und ist nach Stavanger zur Beseitigung seiner Schäden eingelaufen.

Eisiger Sturm über Helgoland

Deutsche Presse- A gen tu r

Cuxhaven, 10. März

Die Arbeiten auf Helgoland sind durch den eisigen Südoststurm stark beeinträchtigt worden. Auch im Hafen der Insel herrschte heftiger Seegang.

Für die Landminenräumung auf der Helgoländer Düne soll ein Räumkommando eingesetzt werden. Die Helgoländer Düne wird erst mit Leuchtfeuern versehen werden, wenn sie vollständig minenfrei ist. Im Flakbefehlsturm, der um ein Stockwerk . erhöht werden- soll, sind 20 Fenster eingebaut worden.