Interview mit Alfred Schwarzmann

Zum zweiten Male in Hamburg

Als Schwarzmann mit 23 Jahren zum erstenmal in Hamburg war, erturnte er sich den ersten Platz für die Olympiariege 1936. Damals kam die Elite in der Hanseatenhalle zusammen. Schwarzmann war der Beste. Sein Stern ging 1931 bei den deutschen Gerätemeisterschaften ln Essen auf. Als 19jähriger gelang es Ihm, unter die ersten Zehn zu kommen. Von diesem Tag an ist er zu_ einem Begriff lm Turnen geworden und darüber hinaus der erfolgreichste deutsche Sportmann zusammen mit Schmeling, von Cramm und den Baiers.

Alfred Schwarzmann ist ein waschechter Bayer. Er stammt aus Fürth und ist aus dem Tv. Fürth von 1860 hervorgegangen. Sein Vater zeigte ihm rechtzeitig das Turnen. Aber Schwarzmann war nie einseitig. Er hat, wie fast alle Kunstturner, anfangs Fußball und Handball gespielt, ehe er sich auf die Geräte spezialisierte. Hier dominierte er, stand ln über 140 internationalen Wettkämpfen und begründete den Ruf der deutschen Geräteturner. Dieser Ruf ist so stark, daß selbst der heute 40.1ährlge noch Einladungen über Einladungen erhält. Im März fährt er nach Finnland und mit Ihm sein alter Freund und Weggerfosse Inno S t a n g 1 aus München. Die Finnen wollen Schwarzmann sehen, und sie werden ihm dort genau so zujubeln wie die Hamburger zuletzt ln der Ernst-Merck-Halle.

Schwarzmann lebt Jetzt in Goslar, ist Turn lehrer am Gymnasium und hat eine Hamburgerin zur Frau. Es ist ihm nicht leicht gefallen, zum Sportpressefest zu kommen, und es geschah gewissermaßen als Sprung aus einem Skilehrgang, den er lm Harz durchführte. Er kam direkt aus den Bergen nnd fuhr nach der Veranstaltung gleich wieder zurück zu seinen Schillern. Seine Frau hätte gern Ihre alte Heimat wieder gesehen, aber sie muß die beiden kleinen Schwarzmänner betreuen. Turner und Sportlerfrauen haben wenig von ihren Männern, wenn sie berühmt ?Ind. Man sollte das nie vergessen im Rausche der Begeisterung für schöne Leistungen und einen Teil des Applaus an die Frauen unserer Meister weiterleiten.

Schwarzmann sieht seine aktive Laufbahn all nahezu beendet an. "Vielleicht geht es noch ein oder zwei Jahre, aber ich habe die Spitze abgetreten", meint er, "nur unter den ersten zehn mächte Ich mich bei den nächsten deutschen Geräte-Meisterschaften noch halten. Im übrigen müssen wir Alteren nur geben, dann die Jugend braucht uns. Noch kann ich Ja mit Adalbert D i c k h u t mithalten, aber er Ist lockerer im Oberkörper, moderner ausgebildet als Gymnastiker und . . . Jünger. Vielleicht kann er einmal mein Erbe antreten." Nun, die Sportpresse hat dem Hamburger Publikum beide Turner vorgestellt, den Meister von gestern und den Meister von morgen. Der Beifall bewies, daß sie gefallen haben.

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