Taufrede 1952

Von THADDÄUS TROLL

Erst wollen wir -mal ein Fläschchen aus dem Keller holen, bevor wir jahresendlich zu plaudern beginnen: Peng! Jetzt hat es geknallt. Prosit! Trinken wir einen großen Schluck darauf, daß es stets nur der Korken ist, wenn's 1952 mal knallt ...

Da hätten wir also wieder einmal einen Jener Silvestertage vor uns. die wie Kilometersteine unsere Erdenfahrt markieren. Wir halten an. tun einen tiefen Schnaufer und einen ebenso tiefen Schluck, schauen rücksichtsvoll auf das vergangene und vorsichtig auf das kommende Jahr. Wenn wir Rücksicht nehmen, wird uns schwindlig. Wir sind noch einmal darum herumgekommen. Um die Abgründe. Die Wegstrecke, die vor uns liegt, ist unübersichtlich.

Trinken wir uns also mit einem weiteren Schluck Mut an. Wir sitzen ja nicht selbst am Steuer. Wir werden gefahren. Deshalb sind wir auch ziemlich hilflos, wenn es mulmig Wird. Wir könninHHiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiMiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiniiiiHiiiiiii iiiiSiniiiiiiiiiiiii

lllllHlliimmimNmHiiiimiiimiiH,ii??H.i.,.?.,.i......i" nen nur hoffen, daß die Strecke 1952 nicht so schlecht wird wie die von 1914 bis 1918 und von 1933 bis 1947.

Unser Jahrhundert ist voller Schlaglöcher. Hoffen wir vorschauend, daß unser Wagen noch einmal üb^r die Strecke kommt und wir nicht aus dem Rennen genommen werden. Es ist ja schon manches besser geworden. Manches freilich ist noch zum Weinen, wenn man nicht den Wein hätte. Er tröstet uns über die Erkenntnis, daß die Wegstrecke 1952 wahrscheinlich ganz ungefährlich und sehr vergnüglich wäre, wenn die Menschheit von ein paar vernünftigen Irren statt von unnachgiebigen Staatsmännern und dogmenhörigen Politikern regiert würde. Deshalb trinkt sich der Mensch ab und zu einen Schwips an, weil die Welt für ihn dann so aussieht, wie sie sein konnte.

Die Welt ist so unvernühftig geworden, daß sie der Vernünftige nur mit Hilfe auf Flaschen gezogner Unvernunft erträgt. Der Wein it$'dÄa Serum gegen die Torheit der Mächtigen. Er ist die süße Arznei gegen die bittere Erkenntnis, daß die Welt eine recht solide und nette Erfindung ist, daß die meisten Menschen verzweifelt man. Im Schwips aber verbiegen sich die Maßstäbe. Sie werden so krumm wie die Tatsachen. Deshalb stimmen sie wieder. Pro alt 1

Hinter dem Kilometerstein 1952 kommt die große Kurve. Wir wissen nicht, wie es weltergeht. Vielleicht aufwärts, den Preisen und Steuern nadj, welche eine ziemliche Steigung mit solchem Elan genommen haben, daß -die Löhne fast auf der Strecke geblieben sind. Dann haben wir entzückende auf einen tief unter uns liegenden Lebensstandard. Vielleicht sind wir auch ÜBer den;Berg, und es geht abwärts. Vielleicht "ltzt hinter der Kurve die Frfedenstaube mit dem Ölzweig und setzt sich alsKüblerflgur auf den Omnibus, in dem wir alle sitzen.

Trinken wir auf die Friedenstaube. Trinken wir auf Kieopatral Die fehlt unseren Staatsmännern. Sie brachte es fertig, die Wünsche kriegslüsterner Staatsmänner auf naheliegende erotische Ziele zu lenken. Möge 1952 eine ganze Armee von Kleopatren aufgerüstet wer. den. Es lebe derKleopatriotismüs! Lieber etwas mehr Unmoral auf der Welt und weniger Kriegsgeschrei!

Den Rest des FlSschchens darauf, daß wir am Ende 1952 keiher tröstlichen Getränke bedürfen,' um dem Jahre 1953 mit fröhlicher Hoffnung ins Kinderauge blicken zu können ...

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