Paul Wilhelm Raß kann das Erfinden nicht lassen

Die Hamburger brummen mit

Paul Wilhelm Raß, Supererflnder und Benzinmacher, wartet im Untersuchungsgefängnis den Ausgang des Revisionsverfahrens ab, in dem er gegen sein Urteil: Zwei Jahre, neun Monate Zuchthaus wegen Betruges, protestiert. Doch er kann das Erfinden nicht lassen. Und so, schickte er dem Hamburger Abendblatt als Silvesterüberraschung einen umfangreichen Brief mit der geschämigen Absenderadresse Holstenglacis 3/5. Angeregt durch die vielen Unglücksfälle "mittels Gastod", die er bei uns gelesen hat, dachte er scharf nach. Ergebnis: Zwei Schutzvorrichtungen gegen den "Gastod".

Nummer 1, getauft "Raß-Brummer", sieht auf der säuberlichen Zeichnung wie ein Haiflschmaul aus. Für ganze 1,50 DM soll der Brummer, am Ventil des Gasschlauches angeschlossen, warnende Töne von sich geben, sobald unangezündetes Gas ausströmt. Der Erfinder will gute Erfahrungen damit gemacht haben. Außerdem meint er treuherzig, wenn sein Brummer in jedem Haushalt zu finden sei, dann habe er wenigstens die Freude, daß er "nicht allein brummen" müsse. Mit seinem zweiten Vorschlag begibt sich der "Ingenieur" auf elektrotechnische Gefilde. Sein "Raß-Signal" soll so ähnlich aussehen wie das Oberteil einer Taschenlampe und als Aufsatzkappe auf dem Gasherd leuchten, sobald sich das Ventil öffnet. Kostenpunkt 4,50, DM. In Mehrfamilienhäusern gleich als System, bei dem der Gashahn als "Plusstram" genommen werden muß, so daß in allen Wohnungen das Signal angeht. Aus eigener schlechter Erfahrung setzt Paul Wilhelm hinzu: "Will sich also eine Frau aus blinder Eifersucht durch Gasinhalieren das Leben nehmen, so merkt es die Nachbarin an ihrer Signallampe."

Zum Schluß versichert Raß noch tröstend: "Da ich nur gewohnt bin, hundertprozentige Erfindungen zu machen, dürfen Sie ruhig meine Sache der Öffentlichkeit unterbreiten." Was hiermit geschehen sei. Drd.