Finnische und deutsche Turner begeistern in Hamburg

"...leuchtet's lange noch zurück"

Der Hamburger Turnverband hat dem Auftreten der Finnlandriege und der Deutschlandriege mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegengesehen. Da bis kurz vor Beginn der Veranstaltung infolge Unerreichbarkeit der Finnen die endgültige Darstellungsfolge nicht klar festgelegt war, mußte improvisiert werden. Aber gerade diese Improvisation hat dem Schauturnen Deutschland-Finnland eine neue ? und wie sich herausgestellt hat ? belebende Note verliehen gegenüber früheren ähnlichen Veranstaltungen.

Die Finnen traten mit Ihrer gesamten Expedition an, die sich nach den Starts in Essen, Ludwlgsburg, Münster und Northeim in Hamburg wieder zusammenfand, ehe sie heute Ihre Heimreise beginnt. So stellten die Gäste an den Geräten Barren, Ringe, Pferd, Reck und am Boden ihre Jeweils besten Könner heraus, demgegenüber die Deutschen mit Bantz, Frenger, Overwien, Sohnepf, Gauch, Schmidt, Quirbach und den Hamburgern Kribic, Schröter und Albusberger einen schweren Stand hatten.

Unter Führung von Seeste, dem finnischen Olympiateilnehmer von 1936 stellten sich die zur Zelt besten finnischen Turner vor. Zu beneiden sind die Gäste um ihre stattliche Zahl prächtiger Nachwuchsturner, die mit erstaunlieh hochstehenden Leistungen aufwarteten, die sie scheinbar mühelos und mit dem Draufgllngermut der Jugend präsentierten. Auch hierbei wie im Landerkampf gegen die Schweiz war edn klarer Abstand Im Turnen am Seitpferd und an den Ringen zugunsten der Finnen unverkennbar.

Deutscherseits wurden Turner herausgestellt, die bisher nicht so stark im Brennpunkt des öffentlichen Interesses gestanden haben. Sie sollen das Erbe von Schwiarzmann und Stangl übernehmen, wenn sie lim nächsten

Jahr über Ostern -zum ersten Länderkampf gegen Finnland in Helsinki eingesetzt werden. Bantz hinterließ den reifsten Eindruck. Stark verbessert war der Essener Overwien, während sich Frenger langsam wieder von seiner Verletzung, die ihn um Monate zurückgeworfen hatte, erholt. Der Junge Schnepf Ist ein sehr begabter Nachwuchsmann, der sich mit seiner Bodenübung neben Dickhut stellte, aber von Kuokkonen, Finnland, fast noch übertreffen wurde. Gauch und Overwien brachten in dem etwas besinnlichen Kraftturnen an den Ringen durch ihre mutvollen Schwünge Stimmung in die Ernst'^Merck- Halle, wobei ein Doppelsalto von Gauch den Höhepunkt bildete.

Sehr eindrucksvoll wirkten die nur in Hamburg gezeigten Gemeinschaiftsübungen der Finnen, für die Sie In Florenz die beste Note erzielten. Der Präsident des finnischen Turnerbundes Vaino Laihtinen dankte den Deutschen durch Überreichung eines Wimpels und Frau Senator Karpinski fand anerkennende Worte für diese erste internationale Turn- 1 Venanstaltung seit Kriegsende in Hamburg. Der Spielmannsziug unter Leitung von Sonnberg und die humorgewürzte Ansage von Reymann überbrückten geschickt die Pausen für den Geräteumbau. 4500 Zuschauer waren mit dem Abend zufrieden. H. R.

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