Franz Kreidemann Bühnenlieblinge von einst

Hamburger Senioren

Wer im Berger- Jahrzehnt als Darsteller neu in das Ensemble des Schauspielhauses eintrat, hatte neben den Grö- ßen und Publikumslieblingen jener Zeit einen schweren Stand. Überraschend schnell setzte sich Franz Kreidemann durch, den Berger für den Michel Hellriegel in der. Erstaufführung des Hauptmannschen Märchendramas "Und Pippa tanzt!'' im Mai 1906 von Hannover geholt hatte. Wie Kreidemahn erzählt, befiel ihn auf der Generalprobe angesichts der ragenden Kunstgipfel um ihn herum ein Lampenfieberschwindel, aber als der Baron nach dem Hauptakt zu ihm sagte: ?Es ist gut! Es ist sogar außergewöhnlich gut!" ? da hatte er seinen "Ritterschlag vom ?König aller Theaterleiter". Er spielte in der Folgezeit Naturburschen, Komiker, jugendliche Helden, Bonvivants und "Brunnenvergifter", war heute Mephisto, morgen fescher Leutnant im "Husarenfleber" und stand in fast allen großen Berger-Premieren in vorderster Linie.

Nach zehn Jahren Kirchenallee ging Kreidemann an das Deutsche Volkstheater in Wien, kehrte aber bald an die Elbe zurück und spielte an Röbbelings Thalia-Theater die großen Ibsen- und Strindbergrollen, den Hjalmar Ekdal, Baumeister Solness, Rubek, Luther. Über die Kammerspiele Erich Ziegels und das Altonaer Stadttheater, wo er

auch regieführend tätig war, kam er wieder ans Schauspielhaus. Ein drittes und letztes Engagement an der Stätte seiner ersten Hamburger Erfolge trat er nach dem letzten Kriege an. Jetzt sieht man ihn nicht mehr auf den Brettern, und nur zeitweilen noch hört man seine Stimme aus dem Lautsprecher. In der Stille seiner vier Wände in Eimsbüttel beschäftigt er sich mit schriftstellerischen Arbeiten, eine Reihe Romane und Erzählungen ist in früheren Jahren ver- öffentlicht worden.

Am 27. Mai feiert Franz Kreidemann, einer der letzten Großen aus der großen Zeit der Kirchenallee, seinen 80. Geburtstag. Mö

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