Zehn "Blinde" in der Luke

Studenten wollten nach Helgoland / Bomben auf den Flakturm

ElgenerBerlcht

Seh. Cuxhaven, 15. Januar

Auf dem Dampfer "Hilligenlei", der zum Schrottsammeln übers Wochenende nach Helgoland gefahren war, wurden kurz vor der Ankunft auf der Insel in einer Luke zehn blinde Passagiere entdeckt. "Wir haben sie sofort in Arrest genommen", sagte uns Kapitän Heyken. "Es sind neun Studenten und eine Studentin aus dem Hochschuldorf Rüstringen bei Wilhelmshaven. Wir werden die blinden Passagiere zurückschaffen, keiner von ihnen hat die Insel betreten."

Das Cuxhavener Helgoland-Komitee billigt die eigenmächtige Aktion nicht. Das Unternehmen der Wilhelmshavener Studenten stehe mit der Absicht der Deutschen Aktion in Widerspruch, die vor weiteren Schritten das Ergebnis der Verhandlungen abwarten wolle. Audi die Landesregierung von Schleswig-Holstein bedauert die neue Aktion, wie der Pressechef in Kiel mitteilte.

Mehrere Cuxhavener Fischkutter haben den Auftrag zum Abtransport des auf der Insel gesammelten Schrotts bekommen. Es handelt sich insgesamt um 50 000 bis 60 000 Tonnen. Trotz der Bombardierungen hat die heimliche Demontage von Buntmetalleh auf der Insel solchen Umfang angenommen,- daß fast alle Kupferleitungen, selbst in den schwer zugänglichen unterirdischen Gängen, verschwunden sind.

Nach Beobachtungen des Kapitäns eines Fischkutters haben die Bombenabwürfe in der Nacht zum Sonnabend in der Hauptsache dem Flakturm gegolten, der auch mit Bordwaffen beschossen worden sei. Der Feuerschein wurde in Cuxhaven und Wangerooge beobachtet.

Eine Versammlung der "Halluner Moats" in Hamburg hat beschlossen, bei günstiger Witterung auf die Insel zurückzukehren. Die Versammlung ehrte das auf der Fahrt nach Helgoland verstorbene Mitglied der Redaktion des "Hamburger Abendblattes", Gustav A. Doering. Der von den Engländern entlassene Chef des Minensuchverbandes Blanc, sowie die beiden Heidelberger Studenten, die die Helgoland-Aktion ausgelöst haben, wurden zu "Ehrenbadegästen" ernannt.

Die in England grassierende Hührterpest-Epidemie hat ein solches Ausmaß angenommen, daß für den gesainten Geflügelbestand des Landes äußerste Gefahr besteht