Weltmeister Schweiz empfängt erstmals die deutsche Riege in Luzern

Turner wieder international

Lange hat die deutsche Kumstturner-Vereinigumg auf den Tag gewartet, an dem wieder eine deutsche Turoriege im internationalen Wertkampf steht. Nun, am 20. Mai ist es soweit. Dank des Entgegenkommens der Schweizer Turnfreunde ist das erste internallonale Turnen für Deutschland zustandegekommen, wofür die Schweiz sogar noch eine Sondergenehmigung beim Internationalen Turnerbund beantragen mußte. Damit kommt es gleichzeitig zum ersten Landerkampf zwischen der Schweiz und den Deutschen im Turnen. Oftmals war eine Begegnung geplant, aber nie konnte man sich einig werden, sei es aus Gründen technischer Art oder aus Terminschwierigkeite'n. Nun, nachdem durch Kriegs- und Nachkriegsjahre der Termin um zwölf Jahre überschritten ist, hat es endlich geklappt, und damit auch der Rückkampf ordnungsgemäß unter Dach und Fach geborgen ist, hat Zellekens, der Leiter der deutschen Kunstturner, Frankfurt am 11. November hierfür vorgesehen und mit den Schweizern festgemacht.

So stehen sich ? man mag es als Kuriosum werten ? die beiden seit Jahrzehnten befreundeten Turnnationen zum ersten Male In einem Landerkampf gegenüber. Wohl trafen sich die besten Turner beider Länder bei mancherlei Gelegenheiten und Meisterschaften. Am härtesten war das Ringen auf den Olympischen Spielen, jedoch zu einem Länderkampf auf der Basis von Kürübungen kam es noch nicht. In Luzern werden nur fünf Übungen gezeigt werden: Reck, Barren, Seit-Pferd, Ringe und eine Bodenübung. Der Sprung über das lange Pferd fehlt. Die deutsche Riege dürfte zur Zeit kaum in der Lage sein, die Schweizer zu drücken. Das soll jedoch nicht entscheidend sein. Sie turnt mit Schwarzmann, Stangl, Theo und Erich Wied, Bantz, Kiefer, Dickhut und Gauch. Ersatzleute Nieling und Overwien. Damit sind die erfahrensten und sichersten Turner für diesen ersten und gleich schwersten Landerkampf aufgestellt. Sie werden genug zu tun haben, um ehrenvoll zu bestehen. Irgendwelche Experimente mit Jungen Leuten können in Luzern nicht gemacht werden. Und so blieb Zellekens auch allen westdeutschen Einflüsterungen gegen- über taub, die sehr gern Ihren jungen Düsseldorfer Nieling für Schwarzmann in der Riege gesehen hätten.

Die Schweizer melden Ihre Riege auf Grund der letzten Ergebnisse Ihrer Kunstturn-Melsterschaften. Der eidgenössische Kunsttürnerverband Heß durch Arthur G a n d e r folgende Vertretung aufstellen: Walter Lehmann, Stalder, Tschabold, Günthard, Eugster, Gebendinger, Kipfer, Thalmann, Ersatzmann: Fritz Lehmann. Das ist ein kampferprobtes Team", angeführt von dem letzten Weltmeister und neuen Schweizer Meister Walter Lehmann, der dem Exweltmeister Josef Stalder Inzwischen den Rang abgelaufen hat. An zweiter Stelle liegt "der Sepp" aber Immer noch, dessen schönes Turnen wohl bisher am meisten begeisterte. Diese beiden dürften unseren Turnern etwas voraus haben. Die übrigen sollten zu halten sein. Mit etwas Glück und einigermaßen guter Verfassung hat auch die deutsche Riege durchaus berechtigte Chancen. Sie hat nichts zu verlieren und kann alles gewinnen; denn ein Sieg über die Schweizer Nationalmannschaft würde eine Sensation bedeuten. Als Kampfrichter fungieren Walter Bach und Jakob Wagner für die Schweiz, Heinrich Eichinger und Peter Schick für Deutschland. H. R.

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