Wie D. "Fidamus" bei Langeoog sank

gkj. H a m b u r g , 1. Februar Wieder hat die Nordsee ein Opfer gefordert. Gestern nachmittag ist bei der Leuchttonne "JE X'J, etwa vier Seemeilen nördlich von Langeoog, der 743 BRT große Dampfer ?Fidamu s" der Bremer Reederei Arnold Thyselius bei stürmischem Ostwind gesunken. Das von Kapitän Fritz Braue geführte Schiff hatte eine Besatzung von 15 Mann. Acht Personen, unter ihnen der Kapitän, sind gerettet worden. Sie befinden sich an Bord des englischen Bergungsschleppers "R u m a n i a", der die überlebenden noch heute in Cuxhaven an Land setzen wird. Der schwedische Dampfer "S v e n s k s u n d" konnte vier Tote der Besatzung bergen und hat die Leichen in Cuxhaven an Land gegeben. Drei Mann der Besatzung werden noch vermißt Ober die Ursachen des schweren Unglücks sind rar Stunde noch keine Eta- "elheiten bekannt. In Sohifffthrtskreisen nimmt man an, daB der Dampfer wahrscheinlich durch das Eis ein Leck bekommen hat and sehr schnell gesanken ist. Zum Glück befanden sich Schiffe in der Nähe, die die Vorginge beobachten konnten und die gleich drahtlose Notrufe entsandt haben. Von einer holländischen Kastenstation wurde der SOS-Funkruf aufgenommen, der besagte, daß die ?Rumania" Teile der

-lgenar Bericht

Besatzung aufgenommen und die Suche nach weiteren Mitgliedern der Besatsung fortgesetzt hat.

Der schwedische Dampfer "Svensksund", der die vier Toten an Bord hatte, ist inzwischen im Hamburger Hafen angekommen. Der Schlepper "Rumania" mit den Überlebenden hat heute gegen 8 Uhr "Elbe I" passiert. Da der Engländer ein Wrack im Schlepptau hat und der Eisgang die Reise verzögert, wird er erst im Laufe des heutigen Tages in Cuxhaven sein.

Der Bremer Reeder Thyselius ist nach Cuxhaven gefahren, um die Überlebenden zu empfangen und die Toten nach dem Eintreffen der .Schiffbrüchigen zu Identifizieren.

Von der Reederei erfahren wir, daß der Dampfer "Fridamus" im September 1949 in Dienst gestellt worden ist Er befand sieh auf der Reise von Wismar nach Antwerpen und hatte eine Ladung Kalisalz. Der Dampfer hatte die höchste Klasse des Germanischen Lloyd und war

Acht Mann gerettet

mit eisernen Lukendeckeln ausgerüstet, so daß die See die Luken nicht einschlagen konnte.

Deutsche Schiffe setzen die Suche nach den 4 vermißten Besatzungsmitglledern fort. Es besteht nur noch wenig Hoffnung auf Rettung, da der Unglücksfall bereits mehr als 24 Stunden zurückliegt, die die Vermißten im eisigen Wasser hätten zubringen müssen. Wegen des schweren Sturmes mußten zwei deutsche Bojenleger die Suche heute mittag einstellen.

Mit dem Reeder betrauert auch die Wasserkante die vier Mann der Besatzung, die den Tod in den Wellen gefunden haben. Leider besteht die Befürchtung, daß auch die Vermißten nicht mehr unter den Lebenden zu rechnen sind. Bis Redaktionsschluß waren weder die genaue Zahl der Vermißten noch die Namen der Toten zu ermitteln.

Die Schweden berichten

Das schwedische Motorschiff "Svensksund", das die vier Toten gestern geborgen hat, ist heute vormittag im Hamburger Hafen eingetroffen. Die Schiffsleitung gab unserem Redaktionsmitglied folgende Einzelheiten über die gestrigen Vorgänge:

Um 13.02 Uhr mittlerer Greenwich- Zeit erhielt unsere Station einen SOS- Ruf, aus dem hervorging, daß vor kurzer Zeit der deutsche Dampfer "Fidamus" gesunken sei. Alle Schiffe wurden ersucht, die Unfallstelle abzusuchen. Der Kapitän ließ die Freiwache an Deck kommen und den Ausguck doppelt besetzen. Eine halbe Stunde später sahen wir treibende Wracktrümmer und ein gekentertes Rettungsboot, das zu dem deutschen Dampfer gehörte. Dann sichteten wir vier Leichen. Es waren die Besatzungsmitglieder des gesunkenen deutschen Dampfers, deren Körper in den Schwimmwesten hingen und daher nicht sanken. Auf dem schnellsten Wege wurden die Körper an Bord gebracht und lange aber vergebliche Wiederbelebungsversuche gemacht. Die Namen der Toten waren, nicht festzustellen, aber nach den Händen und der Kleidung zu urteilen waren es Angehörige der Maschinenbesatzung des gesunkenen Schiffes, die wir in Cuxhaven an Land brachten.

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