Haftbefehl gegen die auf die Insel zurückgekehrten Heidelberger Studenten

Fünf Mann auf Helgoland

Eigener Bericht

m. Cuxhaven, 28. Dezember

Das Abenteuer der beiden Heidelberger Studenten, die ihren Protestaufenthalt auf Helgoland zwei Tage vor Weihnachten wegen Kälte überraschend abgebrochen hatten, hat sich gestern plötzlich in einer neuen Aktion fortgesetzt. Die beiden Studenten, von Hatzfeld und Leudesdorff, sind Mittwoch früh wieder nach Helgoland ausgefahren. Sie haben, wie es heißt, diesmal ausreichend Verpflegung und Ausrüstung mitgenommen, vor allem warme Decken und eine Axt, um sich Holz auf der Insel zu schlagen. Trotz Überwachung des Cuxhavener Fischereihafens durch die Wasserschutzpolizei haben die beiden an Bord eines zum Fang auslaufenden Fischkutters, wahrscheinlich um 4 Uhr früh, Cuxhaven verlassen. Der Besitzer des Kutters "Paula", mit dem sie das erste Mal drüben gewesen waren, hatte sich geweigert, die Fahrt zu wiederholen. Der Name des neuen Kutters wird nicht genannt. Britische Stellen betonen, sie erwägten die Bestrafung der Fischer, die Hilfsdienste geleistet hätten.

In der Weihnachtsnacht hatte sich, wie verlautet, schon der 23jährige Bremer Taxifahrer Harro Dreier nach Helgoland übersetzen lassen. (Zuerst war der Name Donnershag genannt worden.) Bei Dreier soll es sich um einen früheren Angestellten der "Bremerhavener Zeitung" handeln. Er kam mit einer Taxe, die einen Stander in den Farben der Europa-Union trug, nach Cuxhaven gefahren. Er teilte den Zeitungen in Cuxhaven und Bremen mit, daß er "die unrühmlich abgebrochene Aktion" der beiden Studenten fortführen wolle. Nach, dem Kutter, der Dreier zur Insel gebracht hat, wird noch gefahndet.

Ferner verlautet mit Bestimmtheit, daß sich auch zwei Helgoländer zur Zeit auf ihrer Heimatinsel aufhalten, und zwar der zweite Vorsitzende des Helgoländer Klubs "Halluner Moats", Hinrich Lühr, sowie ein Ungenannter. Mehrere andere Helgoländer sollen die Absicht ausgesprochen haben, ihnen auf die Insel zu folgen. Ein Vorstandsmitglied der "Halluner Moats" wollte diese Sache weder bestätigen noch dementieren. Man könne aber eine solche Handlungsweise durchaus verstehen, meinte er. Die Helgoländer wollten nicht nur gegen die britischen Bomben protestieren, sie fürchteten bei der bevorstehenden Schrottaktion auch für ihr Eigentum.

Britische Stellen haben, wie man hört, gegen die beiden Heidelberger Studenten einen Haftbefehl erlassen. Sie verhandelten gestern nachmittag mit der deutschen Polizei in Stade über eine Aktion, die heute früh von Cuxhaven aus starten sollte. ..Sollte es sich bewahrheiten, daß Zivilpersonen auf Helgoland sind, werden wir sie sofort verhaften und von der Insel holen." Sollte es zur Verhaftung kommen, so wollen die Helgoländer an den kpnservativen Abgeordneten Professor Savory appellieren, der sich schon zweimal im Unterhaus für Helgoland eingesetzt hat.

Inzwischen häufen sich auf dem Postamt in Cuxhaven die Glückwünsche für die Heidelberger Studenten. Es kommen Postkarten an aus Heidelberg, aus Braunschweig und Mannheim, die "an den Turmbunker auf Helgoland" adressiert sind.