Heidelberger Studenten brechen ihr Unternehmen überraschend ab

Helgoland war zu kalt

Deutsehe Presse- Agentur

Cuxhaven, 23. Dezember

Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns diese Meldung: Die beiden Heidelberger Studenten, die sich seit Mittwoch auf der Insel Helgoland aufhielten, um dort gegen die Bombardierung der Insel durch die britische Luftwaffe zu protestieren, sind in der Nacht zum Sonnabend mit einem Cuxhavener Fischkutter, der mit zwei Journalisten aus Hamburg an Bord die Insel angelaufen hatte, auf das Festland zurückgekehrt und in Cuxhaven an Land gegangen. Dieser flberraschenden Rückkehr waren folgende Ereignisse voraufgegangen: Der Public Safety Officer für den Regierungsbezirk Lüneburg und Stade, Mr. Green, ist am Freitagabend in Cuxhaven eingetroffen, um zu veranlassen, daß die deutsche Polizei am Sonnabendmorgen um 5.30 Uhr die beiden Heidelberger Studenten von Helgoland zurückholt. Die Cuxhavener Polizei will jedoch die Studenten nur auf höheren deutschen Befehl abholen, da sie die britische Besatzungsmacht nicht für berechtigt hält, ihr Befehle zu erteilen. Die niedersächsische Polizei ? so wird eingewandt ? unterstehe nur dem Innenminister des Landesund nur er könne über ihren Einsatz entscheiden, falls die örtlichen Polizeileiter keine Anweisung geben wollen. Auch der deutsche Zollgrenzdienst in Cuxhaven hatte es schon abgelehnt, auf britische Anordnung mit dem Zollkutter "Hanna" nach Helgoland 7 U fahren und die Heidelberger Studenten zur Aufgabe ihres Protestaufenthal-

tes zu bewegen. Die "Hanna" werde nur auslaufen, war die Antwort der Mannschaft, wenn die Studenten selbst darum bäten, abgeholt zu werden.

Ein Sprecher der Britischen Landeskommission in Hannover vertrat die Auffassung, daß die beiden Studenten am Sonnabend "nötigenfalls mit Gewalt zurückgeholt werden müßten. An eine Bestrafung der beiden Studenten sei nicht gedacht. Er könne sich vorstellen, daß ?die boys froh sein würden, am Heiligen Abend wieder zu Hause zu sein " Sie würden wahrscheinlich keinerlei Widerstand leisten. Der britische Vertreter bezeichnete die Invasion als "ein ganz geschickt gemachtes Unternehmen . Er bezweifelte allerdings die ehrlichen Absichten der beiden Studenten. Sie wüßten sehr genau, daß wahrenc I der Weihnachtstage keine Übungsangriffe auf die Insel geflogen wurden. Sonst hätten sie es sich wahrscheinlich zweimal überlegt, ein so gefährliches Unternehmen zu beginnen. tt q jj o1 Inzwischen haben die beiden Heidelberger Studenten, die eigentlich .-bis auf weiteres" auf der Insel bleiben wollten,

um gegen die Bombardierungen zu protestieren, die dringende Bitte ausgesprochen, sie spätestens am Montag wieder abzuholen. Sie würden sonst sterben, denn die Kälte sei furchtbar, auch der Proviant reiche nur noch bis Montag.

Diese Bitte, zurückgeholt zu werden, haben sie einem dpa-Vertreter übergeben, der am Freitagmittag mit einem Cuxhavener Fischkutter, bei. Windstärke 8 und schwerem Seegang nach Helgoland gefahren war, um mit den beiden Pionieren einer "friedlichen Invasion" der Insel Helgoland zu sprechen. Er fand sie im ersten Stockwerk des Flakbefehlsturms der Insel, in Decken und Flaggen eingehüllt, liegen. Auf der Spitze des Flakturms hatten sie die Europafahne gehißt (siehe das nebenstehende Bild). Die anderen Fahnen, Helgoländer und schwarzrotgoldene, die sie an allen markanten Punkten der Insel hatten setzen wollen, brauchten sie dringend als zusätzlichen Wärmeschutz.

Eine Brieftaube hatte Freitag früh schon eine Nachricht von der Insel gebracht, nämlich einen Aufruf der beiden Studenten, in dem sie ihre Landsleute um Unterstützung bitten. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: "Helgoländer, wir sind auf eurer Insel. Kommt herüber! In den Weihnachtstagen holen deutsche Firmen im Auftrag der Engländer Schrott von der Insel. Deshalb wird Helgoland Von Sonnabend bis Dienstag nicht bombardiert. Kommt auf die Insel zur Weihnachtsfeier und erzwingt durch friedliche Besiedelung ein Halt der völkerrechtswidrigen Vernichtung Helgolands!"