Englische Warnungen / Deutsche Behörden ohne Befugnis

Zwei warten auf Helgoland

Eigener Bericht

r. m. Cuxhaven, 22. Dezember Auf Helgoland weht seit Donnerstagmorgen wahrscheinlich die grünweiße Europa-Fahne. Die beiden Heidelberger Studenten, die sich in der Nacht vorher von dem Cuxhavener Fischkutter "288 Paula" hatten hinüberbringen lassen, haben ein ganzes Bündel Fahnen mitgenommen, grünweißrote Helgoländer sowie Europa-Fahnen mit dem großen weißen E, die sie an markanten Stellen der Insel anbringen wollen. Sie haben ihr Strohlager im ehemaligen Flakturm bezogen und erwarten zwischen Weihnachten und Neujahr neuen Proviant durch den Fischkutter "Paula" von Cuxhaven.

Die Wirkung der spontanen Aktion ist bei den Helgoländern begreiflicherweise "ehr stark. Wenn auch der Klub ?Halluner Moats" sich offiziell noch nicht ge- äußert hat, besteht doch die Möglichkeit, daß junge Helgoländer der Spur der beiden Studenten folgen und auch auf die Heimatinsel hinüberfahren. Die deutschen und britischen Behörden in Cuxhaven waren gestern mit telephoni-k^üK

sehen Anrufen aus dem In- und Ausland bestürmt. London, Paris, Frankfurt und Berlin meldeten sich.

Die Frage, wie die Behörden sich zu der Aktion, die als Protest gegen die andauernde Bombardierung der Insel gedacht ist, stellen werden, bewegt alle Gemüter. Interessant ist, von der Besatzung des Fischkutters zu hören, daß sie bei der Landung auf Helgoland sechs Offiziere der britischen Luftwaffe getroffen haben, die mit dem Kontrollboot "Eileen" nach drüben gekommen waren. Diese Offiziere haben den Studenten nur bedeutet, daß die Insel zwar verbotenes Gebiet sei. daß aber gegen den Aufenthalt auf Helgoland bis zur Dunkelheit nichts einzuwenden sei.

Anderer Meinung scheint man im britischen Hauptquartier in Bad Oeynhausen zu sein, wo festgestellt wird, daß die beiden Studenten sich "schwerer Bestrafung" aussetzen. Die britische Luftwaffe könne nichts tun, die Studenten bei Bombenabwürfen zu schützen. Über Weihnachten werde allerdings "Friede" auf Helgoland herrschen. Man nimmt an, daß die britische Hohe Kommission sich mit dem Fall beschäftigen

wuu.

Dagegen ist mit dem Einschreiten deutscher Behörden nicht zu rechnen. Der schleswig-holsteinische Innenminister Dr. Pagel betont, bei den ungeklärten staatsrechtlichen Verhältnissen Helgolands werde seine Regierung nichts unternehmen. Es sei denn, die deutschen Dienststellen bekämen einen britischen Auftrag. Er selbst habe "keine geeignete Marine", um nach Helgoland zu fahren. Die Boote der Wasserschutzpolizei seien nicht seetüchtig genug. Der Innenminister will die Entscheidung des britischen Landeskommissars in Kiel abwarten. Dieser seinerseits beruf t sich auf die Hohe Kommission in Wahnerheide. Diese faßt ihre Meinung dem Hamburger Abendblatt gegenüber folgendermaßen zusammen: 1. Da sich die beiden Deutschen in einem verbotenen Gebiet befinden, werden ebensolche Maßnahmen ergriffen werden, als- wenn sie sich in irgendeinem anderen verbotenen Gebiet aufhalten würden, t. Es besteht nicht die geringste Absicht, von dem festgesetzten Übungsprogramm abzuweichen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß Bombenübungen während der Weihnachtstage und der gegenwärtigen Wetterlage stattfinden. Der die Insel Helgoland verwaltungsmäßig betreuende Landrat in Pinneberg hat die Aktion der beiden Studenten als ein Unternehmen bezeichnet, das "an einen Dummenjungenstreich" erinnere. i_