Der HSV und der Rothenbaum ? St. Pauli ist zufrieden ? ETV und Concordia 1950 im eigenen Hause

Probleme um Hamburgs Stadionbau

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Jupp Wolff

Die Errichtung eines 70 HO Zuschauer fassenden Stadions Im Stadtpark und die Verlegung des St.-Paull-Platzes vom Millerntor zwischen die Hochbunker hat die Zustimmung der Senatsmitglieder gefunden, wie das Hamburger Abendblatt bereits in der Donnerstag Ausgalle berichtete. Ein altes Sprichwort sagt: Gut Ding will Weile haben. Für tausend Fälle hat diese kleine Weisheit schon ihre Gültigkeit gehabt. Auch jetzt noch, da die Senatsmitgiieder beschlossen, dem Projekt eines Fußball-Stadions aus Hamburgs Fußballkreisen endgültig näherzutreten, nämlich im nördlichen Teil des Stadtparks eine Anlage zu schaffen, die dem Ansehen Hamburgs als S p o r t s t a d t entspricht, 70000Zuschauer aufnehmen kann und sogar "länderspielbereit" ist.

Der HSV bzw. einer seiner Gründervereine tpielt seit 50 Jahren am Rothenbaum. Dieser Rothenbaum ist ein Begriff im leutschen und sogar internationalen Fußballiport. Aber der HSV soll vom Rothenbaum verschwinden. Später natürlich. Hamburgs Städteplaner sagen klipp und klar: das Projekt des HSV, am Rothenbaum eine Großanlage zu schaffen, ist sehr beachtenswert, doch im Stadtbild an dieser Stelle nicht tragbar. Er darf seinen jetzigen Platz auch nicht aufschütten, also ihn nicht für die Zuschauer vergrößern. 1952 läuft der Pachtvertrag mit dem Staat ab. Vielleicht duldet man den HSV dann noch bis zu dem Zeltpunkt, da das "Ausweichquartier" bereitsteht. Damit muß sich der HSV wohl oder übel abfinden, obwohl der nebenan liegende Universitätssportplatz, bisher (ohne Verschulden der Universität) wirklich ein Schandfleck für den Rothenbaum, demnächst sein bestes Kleid bekommen wird. Von den Tennis-Anlagen als zweiter sportlicher Nachbar ist überhaupt nicht die Rede gewesen.

Der HSV sagt dazu: "Wir sind ein Großverein mit über 2500 Mitgliedern, von denen mehr als die Hälfte aktiven Sport betreiben, wir haben eine Tradition am Rothenbaum, man kann uns nicht von heute auf morgen verpflanzen wie wurzelloses Gestüpp. Wenn es aber sein muß, wenn uns keine Einsicht am Rothenbaum beläßt, dann brauchen wir eine wirklicheHeimat, die allen Klubmitg-liedern in einem zusammenhängenden Raum Gelegenheit gibt, sich sportlich zu betätigen. Diesem Projekt m i t einem E r b baurecht verbunden, würden wir nähertreten."

Diejenigen, die sich mit dem Stadionbau beschäftigt haben, meinen: "Der Staat hat k e i n G e 1 d , er wird den Grund und Boden geben, die Familien umquartieren, aber wirkliche finanzielle Mittel darf in absehbarer Zeit niemand erwarten. Und doch ist das Projekt zu realisieren. Alle Erd- und Tiefbauarbeiten können durch ungelernte Kräfte ln Form von Notstandsarbeiten vergeben werden. Das ist Arbeitsbeschaffung auf fast zwei Jahre. Damit wird schon viel gewonnen. Es muß jetzt abgewartet werden, oh seh tatsächlich eine Interessengruppe für den Bau des Stadions bereitfindet oder am Scheuß alles auf den Schultern eines einzelnen lies;=n bleibt."

st. Paulis Fußballfeld am Millerntor ist ebenfalls "geländehinderlich". Auf dem Heiligengeistfeld soll Hamburgs Ausstellungsgelände erstehen. Darum sprach i'-r Senat: Vier weitere Jahre kann St. Pauli .--' Millerntor spielen, dann wird der neue f'atz zwischen den Großbunkern fertig 5- -? Bis dahin darf auch eine transport 1 1) 1 e überdachte Tribüne gebaut weri* -n und in den Wall-Anlagen kann St. r-'iü endgültig zwei weitere Plätze anlegen 1: ~ c ?n. die der Jugend dienen.

°t. Paulis Meinung hierzu: ?Wir sind glück- !' >, ganz einfach glücklich. Jahrelang haben \v> vergeblich um das gekämpft, was plötzlich In kürzester Frist möglich geworden ist.

Wenn wir später einmal zwischen die Bunker müssen, dann bleiben wir doch praktisch vor der jetzigen Haustür. Am meisten aber beglückt uns, daß in den Wallanlagen zwischen Glacischaussee und Holstenwall zwei Plätze für die Jugend gebaut werden können."

Wo andere arbeiten, können wir nicht ruhen. So sprechen Eimsbüttel und Concordia. Seit dem Kriegsende ist Eimsbüttel heimatlos, denn der alte Platz (die Tribüne fiel den Brandbomben zum Opfer) war lange beschlagnahmt und wurde buchstäblich "ackerreif" gespielt. Concordia besaß auf dem Platz in Marienthal nicht die vorgeschriebenen Oberligamaße, mußte also auch jahrelang am Rothenbaum, Millerntor und jetzt bei Victoria als Untermieter ein Dasein fristen.

Eimsbüttel betonte: In der nächsten Saison sind wir wieder zu Hause, dort, wo wir früher waren und damit echte Nachbarn Victorias. Der Platz ist umgepflügt und neu eingesät worden. Wir könnten schon im Frühjahr spielen, aber das würde dem Rasen nicht guttun. Also warten wir bis August. Umkleideräume, Duschräume, Wohnung für den Platzwart sind fertig, die Geschäftsstelle befindet sich bereits dort. Wenn die Spielzeit 1951/52 beginnt, hat Eimsbüttel eine Anlage für 30 000 bis 35 000 Zuschauer."

Concordias Worte: "Man soll nicht glauben, in Marienthal würde nichts getan. Endlich haben wir die 30 m Grund und Boden, die bisher fehlten, um den Platz zu verlängern. Im Sommer wird der neu eingesäte Rasen ein prächtiges Bild bieten. Was jetzt noch notwendig ist, sind rund 30 000 Mark. Ein Fußballfeld nach den vorgeschriebenen Maßen von 105X70 m, ein vorbildlicher Rasen, Platz für 10 000 bis 12 000 Zuschauer ? die Wandsbeker müßten dann eigentlich mit uns zufrieden sein, wenn wir im nächsten Jahr in Marienthal spielen."

Nur einer hat in dieser Hinsicht keine Sorgen: Altona 93, der einzige Oberligaverein in Hamburg, der eigenen Grund und Boden besitzt, den keine Kündigungen, Vorschriften usw. drücken, der mit Concordia lediglich den einen Wunsch gemeinsam hat, daß ihm die Oberliga erhalten bleibt.

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