Auswirkung des Demilitarisierungstopps ? Befehlsstand wird Turnhalle

Hansestadt spart 20 Millionen Mark

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Die vom britischen Oberkommissar angeordnete Einstellung der Demilitarisierung ist im Rathaus mit Befriedigung aufgenommen worden. Die Auswirkungen sind, wie ein Vertreter der Verwaltungsstelle für Reichs, und Staatsvermögen bei der Finanzverwaltung heute morgen erklärte, erheblich. Da die Entfestigungskosten aus dem ordentlichen Haushalt bestritten werden müssen, erhält die britische Zone eine Entlastung von 250 bis 300 Millionen Mark. Allein durch die unterbliebene Entfestigung der Hochbunker werden in Hamburg 20 Milllonen Mark gespart. Für diese Entfestigung waren rund 100 Hochbunker vorgesehen, außerdem 1000 kleinere Bunker. Die Entfestigung der großen Flaktürme auf dem Heiligengeistfeld, deren obere, vier Meter dicke Betondecke entfernt werden sollte, hätte 2,8 Millionen Mark gekostet. Diese Arbeit fällt jetzt fort-

Ferner kann darauf verzichtet werden, die 4,5 Meter starke Betondecke des ehemaligen Flak-Befehlsstandes an der Rothenbaumchaussee zu sprengen. In dieses Bauwerk soll jetzt eine Turnhalle eingebaut und durch seitliche Sprengungen Licht und Luft hineingebracht werden. Hierbei werden die deutschen Behörden in Zukunft freie Hand haben, da die Vorschriften der Besatzungsmacht bisher eine Entfernung von mindestens 25 Prozent der Außenflächen vorsahen. Bei der Entfestigung des Bunkers Bornplatz, der das Zoologische Museum aufnehmen wird, ist von den deutschen

Dienststellen über diese bisherige Forderung weit hinausgegangen worden.

Augenblicklich wird ein Hochbunker an der Mistralstraße an der Sternbrücke in Altona zu 44 Wohnungen umgebaut. Insgesamt werden zur Zeit sieben Hochbunker entfestigt, die durchwtg zu Wohnungen umgebaut werden sollen. Hierzu gehört auch der Bunker Hinrichsenstraße am Landwehrbahnhof, der bereits bewohnt wird. Der Hochbunker an der Mistralstraße wird noch zum Winter fertig, die übrigen im Laufe des Frühjahrs.

Mit besonderer Genugtuung darf man aus Ersparnisgründen die Tatsache verzeichnen, daß das Trockendock "Elbe 17" nunmehr endgültig erhalten bleibt. Der britische Oberkommissar hatte zwar Ende April die Einstellung weiterer Sprengungen verfügt, jedoch hatte sich die Besatzungsmacht andere Entfestigungsmöglichkeiten vorbehalten. Eine Zerstörung der Docksohle wäre sehr .kostspielig geworden, da man nur mit Tauchereinsatz hätte arbeiten können.

Die Situation auf dem Gelände des Trockendocks ist augenblicklich folgende: Die Pumpanlagen sind abmontiert. Das Maschinengebäude ist leer. Vier große Portalkräne sind völlig zerlegt und warten auf den Abtransport nach Frankreich. Da das Dock als Hafenbecken ungeeignet ist, jedoch in seiner Substanz gerettet werden konnte, entsteht nun die Frage nach der weiteren Verwendung. Zur Stunde ist hierüber noch keine Entscheidung getroffen worden.

Unter die nicht weiter zu demontierenden Anlagen fallen auch die Kasernen. Die Besatzungsmacht hatte hierfür bisher noch keine Entfestigungsforderungen gestellt, sondern sich lediglich vorbehalten, bei Vermietungen und baulichen Veränderungen gehört zu werden.

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