Hinrieh Springer gestorben

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Auf dem Flottbeker Friedhof ist gestern der frühere Altonaer Zeitungsverleger Hinrich Springer zur letzten Ruhe bestattet worden. Wie es seinem Wesen entsprach, standen nur die Familia und ein Kreis von Freunden abschiednehmend am Sarge.

Hinrich Springer ist' im Leben und Wirken ein bescheidener und allem Äußerlichen abgeneigter Mensch gewesen. Seine Mitarbeiter fügen in dankbarer Erinnerung hinzu: und ein Mensch von vorbildlichem Fleiß und Gerechtigkeitswillen, von liberaler Gesinnung und natürlichem sozialem Mitfühlen und Verständnis. Das Handwerk, Setzerlehre und Gehilfenwanderjahre, gaben die Basis für den Kaufmann; eines unter vielen guten Beispielen deutschen Verlegerwerdegangs. 1909 konnte Springer, noch nicht 30 jähr ig, die alte Altonaer Buchdruckerei Hammerich & Lesser übernehmen. Das traditionsreiche Haus, 1780 gegründet fand in ihm den rechten Verwalter. Das bewährte Überkommene den Erfordernissen seiner Gegenwart anzugleichen, blieb Leitgedanke der Springerschen Arbeit: im Buchverlag, wo er mit dem frühen Hans Leip und Kurt Küchler, das Heimatliche betonend, das Werk würdig fortzusetzen verstand, wie später als Zeitungsverleger der "Altonaer Nachrichten", die bis zu ihrem erzwungenen Ende eine persönliche Nate innerhalb der Hamburger Presse Zu bewahren wußten.

Der Krieg zerstörte auch Hinrich Springers Arbeit. Als ihm das Verlagsgabäude an der Königstraße und das Heim an der Eibchaussee in Trümmer gelegt wurden, zog er sich in die Einsamkeit seines Hauses in Bendestorf zurück. Dort ist er am Mittwoch, 68 Jahre alt, nach längerem Leiden gestorben. Die letzten Jahre erhellte ihm die Freude über das verheißungsvolle Wiedererstehen seines Lebenswerkes unter seinem Sohn Axel. Besonders das "Hamburger Abendblatt" bedeutete für ihn die glückhafte Fortsetzung der verlegerischen Familientradition. Nun ruht er neben zwei bei einem Bombenangriff getöteten kleinen Enkelkindern auf dem Friedhof am Stillen Weg.

Sie haben einen guten Mann begraben.

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