Tramperin

Getötete Tramperin: Bruder will sich gegen Missbrauch wehren

Amberg: Ein Kreuz steht auf dem frischen Grab von Sophia Lösche auf dem Katharinenfriedhof. Die beim Trampen getötete Studentin ist im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden.

Amberg: Ein Kreuz steht auf dem frischen Grab von Sophia Lösche auf dem Katharinenfriedhof. Die beim Trampen getötete Studentin ist im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden.

Foto: Nicolas Armer / dpa

Tramperin Sophia Lösche wurde im Juni getötet. Im Chemnitz nutzten Rechte ihr Foto für ihre Zwecke. Ihr Bruder will Anzeige erstatten.

Berlin.  Die Studentin Sophia Lösche – sie wollte durch Europa trampen, die Welt sehen. Stattdessen endete ihr Leben. Ein marokkanischer Lastwagenfahrer soll sie ermordet haben . Anstatt den gewaltsamen Tod der Angehörigen in Ruhe verarbeiten zu können, bekam die Familie weitere Schreckensbotschaften.

Nach dem Todesfall Daniel H. Ende August in Chemnitz missbrauchten Teilnehmer der AfD- und Pegida-Demo Anfang September das Foto der Getöteten, offenbar, um sie als Opfer von Gewalt durch Geflüchtete darzustellen. Für die Angehörigen ein unerträglicher Gedanke.

Bereits im Netz für rassistische Hetze missbraucht

Am Wochenende ist die getötete Tramperin in Amberg beigesetzt worden. Die Familie kommt damit aber noch nicht zur Ruhe. „Wir standen wochenlang im Austausch mit dem Auswärtigen Amt, den spanischen Behörden, der Polizei und so weiter, und dann wird es ja noch den Prozess geben,“, sagt Andreas Lösche (51), Sophia Lösches Bruder. An sich schon genug – gleichzeitig müssen sich die Hinterbliebenen noch mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen.

Nach Bekanntwerden des Falles hat Lösche Morddrohungen erhalten. Seine Schwester hatte sich für Geflüchtete eingesetzt. Als sie verschwand, wurde ihr Name wurde für rassistische Hetze im Netz missbraucht – ihr Bruder wehrte sich dagegen und bekam radikale Nachrichten.

Foto wird bei AfD-Demo in Chemnitz hochgehalten

Die Instrumentalisierung setzte sich dann ganz real am 1. September fort, als in Chemnitz AfD- und Pegida-Anhänger demonstrierten – und dabei auch ein Foto von Sophia Lösche als vermeintlichem Opfer von Gewalt durch Geflüchtete hochgehalten wurde.

Ein Journalist hatte Andreas Lösche anschließend auf den Vorfall aufmerksam gemacht. „Das ist eine absurde, perverse Verdrehung dessen, wofür Sophia stand“, sagt der Bruder dieser Redaktion im Gespräch. „Sie stand für Hilfe für Geflüchtete, für Menschlichkeit.“ AfD und Pegida betrieben „menschenfeindliche Agitation in ihrem Namen.“

Für den Kommunalpolitiker nicht hinnehmbar

Der Grünen-Kommunalpolitiker will das nicht hinnehmen. Er hat einen Anwalt eingeschaltet, es wird nun geprüft, welche rechtlichen Schritte gegen den oder die Verantwortlichen möglich sind – „die Frage des Urheberrechts, aber auch die der Ehrabschneidung sind hier relevant“.

Als er das erste Mal von den Ereignissen in Chemnitz hörte, war er fassungslos: „Man kann sich nicht in solche Menschen hineinversetzen – was sie bewegt, was sie dazu bringt, das selbst alles zu glauben“, sagt Lösche.

„Hinten und vorne brüllt der Pöbel zum Hitlergruß“

„Da missbrauchen sie andere, tote Menschen für ihre Absichten, nennen das Ganze auch noch Trauermarsch – und hinten und vorne brüllt der Pöbel zum Hitlergruß.“ An Unglaubwürdigkeit sei das alles nicht zu überbieten.

Die Anzeige soll nach rechtlicher Prüfung schnellstmöglich gestellt werden. (ses)