Allen Transportfragen gewachsen
Für Schifffahrtskauffrau Stefanie Fahlbusch brachte die Fortbildung zur Verkehrsfachwirtin den angestrebten Karriereschub in der Logistikbranche
Wie wirtschaftlich ist der Warentransport per Flugzeug? Welche Veränderungen bringt die Elbvertiefung? Und welches Für und Wider hat eine Maut-Erhöhung? Die 35 Teilnehmer der berufsbegleitenden Qualifizierung zum Verkehrsfachwirt diskutieren angeregt. Ebenso geht es in der Fortbildung um die Themen Marketing, Personalführung, Rechtsfragen, Qualitätsmanagement und Rechnungswesen. "Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Verkehrswirtschaft", sagt Stefanie Fahlbusch, die nach 18 Monaten ihre Prüfung im Herbst vergangenen Jahres mit der Note "Zwei" abschloss.
Die 27-Jährige ist Schifffahrtskauffrau. Bereits während ihrer Ausbildung bei der Reederei Maersk absolvierte Stefanie Fahlbusch zudem ein internes Fernstudium und arbeitete danach zwei Jahre in Göteborg für die Reederei. Zurück in der Hansestadt war Fahlbusch im Verkauf mit Schwerpunkt Südamerika tätig. Neben hervorragenden Englischkenntnissen brachte der Auslandsaufenthalt zudem privates Glück für Stefanie Fahlbusch, die in Göteborg ihren zukünftigen Mann kennenlernte.
Die junge Frau, die sich mit Seetransport und Containerverkehr gut auskennt, wollte beruflich ihren Horizont erweitern und entschied sich nach einigen Recherchen für die Fortbildung zum Verkehrsfachwirt. "Damit habe ich etwas Fachübergreifendes mit einer staatlich anerkannten Prüfung. Das macht sich auch in Bewerbungen gut", sagt Stefanie Fahlbusch. Dank Meister-BAföG kamen überdies auf sie keine Kosten für die Fortbildung zu.
18 Monate lang zusätzlich zum Job dienstags und sonnabends zu lernen sei jedoch schon eine Belastung. Denn mit der Teilnahme allein sei es nicht getan. "Man muss zusätzlich lernen, vor allem vor der ersten Prüfung nach einem Jahr und am Ende der Fortbildung. Dann sind mindestens zwei Stunden pro Tag notwendig - oder man nimmt den Sonntag zum Lernen. Das bedeutet auch Zurückhaltung bei Freizeit und Unternehmungen mit Freunden. Wenn ich am Sonnabend um 6.30 Uhr aufstehen musste, habe ich am Freitag nicht lange feiern können", sagt Stefanie Fahlbusch.
Sie rät denjenigen, die sich für eine berufsbegleitende Weiterbildung interessieren, die Aufgabe nicht zu unterschätzen. Disziplin gehöre dazu, wenn man mit Erfolg den Abschluss machen will. Und das Wochenende fängt frühestens am Sonnabendmittag nach der Fortbildung an. Ihr Einsatz und ihre Zielstrebigkeit kamen jedoch bei ihrem Arbeitgeber gut an. "Ohne die Unterstützung und das Verständnis meines Chefs wäre es nicht gegangen, denn ich musste dienstags pünktlich gehen und auch für die Hausaufgabe und vor der Prüfung Zeit zum Lernen haben."
Dass für die Hamburger Aufstiegsfortbildungen zunehmend reizvoll sind, belegen die Angaben der Kammern, die einen deutlichen Nachfrageanstieg verzeichnen. So ließen sich in den vergangenen drei Jahren pro Jahr rund 2000 Hamburger von der Handelskammer prüfen. Das sind zehn Prozent mehr als in den Jahren zuvor.
Die Zeit für die Fortbildung ist gut investiert, denn häufig folgen ein beruflicher Aufstieg sowie anspruchsvollere Tätigkeiten. "Arbeitnehmer beweisen mit einer Aufstiegsfortbildung Eigeninitiative, Ehrgeiz und Lernbereitschaft. Das schätzen die Personalverantwortlichen der Unternehmen", sagt Joachim Siegl, seit 25 Jahren Berater beim Weiterbildung Hamburg Service und Beratung (W.H.S.B.). Eine Aufstiegsfortbildung dauert bis zu drei Jahre und schließt in der Regel mit einer Kammer- oder staatlichen Prüfung ab.
Mit der Fortbildung haben Arbeitnehmer die Chance, auch ohne Studium eine Führungsposition zu erlangen. "Ein großer Vorteil der Fortbildungen ist ihr hoher Praxisbezug. Die Lernenden können ihr Wissen direkt im Betrieb anwenden", sagt Armin Grams, Leiter Berufsbildung bei der Handelskammer. "Im Gegensatz zu vielen Studenten können Absolventen mit Berufsreife und Fachwissen bei ihren Vorgesetzten punkten."
Auch Stefanie Fahlbusch kann das Gelernte im Außendienst gut anwenden, zumal die Schifffahrtsbranche eine Männerdomäne ist. "Da muss man besonders mit Wissen und Erfahrung überzeugen."














