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Weiterbildung in Hamburg

Umschüler für den richtigen Durchblick

Viele Augenoptikergesellen kommen aus Gesundheitsberufen. Ihnen winken der Meisterbrief und die Selbstständigkeit

"Bei uns gehören auch Gleitsicht-Kontaktlinsen zum täglichen Geschäft", sagt Kerstin Berthold, 49. Die Augenoptiker-Meisterin betreibt in Hamburg-Boberg seit vier Jahren ihr Fachgeschäft Optik Werk und kennt sich mit speziellen Kundenwünschen aus.

Häufig ist der Augenoptiker der erste Ansprechpartner bei Sehproblemen. "Der Beruf gehört zum Gesundheitshandwerk", sagt Berthold. Er vereinigt vielfältige Aufgaben - so ist der Augenoptiker Techniker, Handwerker, Mode- und Typberater, aber auch Kaufmann und Dienstleister. Im Kundengespräch muss er viele Fragen klären - und fachkundig beraten. "Wir bauen unsere Brillen noch selber und haben dafür eine offene Werkstatt eingerichtet", sagt Berthold. Hier wird gebohrt und geschraubt, denn die gelieferten Gläser müssen je nach Fassung unterschiedlich eingefügt werden. Kerstin Berthold hat vor ihrer Selbstständigkeit eine zweijährige Umschulung zur Augenoptiker(AO)-Gesellin an der Technischen Fachschule (TF) Heinze absolviert und nach 14 Jahren im Beruf ihren Meister gemacht.

Diesen Weg wählen rund ein Drittel der Teilnehmer. Ein weiteres Drittel verbindet seinen vorherigen Beruf mit der Augenoptik. Wie die Krankenschwester, die ihren Job aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, sich über die Deutsche Rentenversicherung zum AO-Gesellen umschulen lässt, um dann in die Branche zurückzukehren und an einer Augenfachklinik zu arbeiten. Auch Uwe Broders konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Lehrer arbeiten und machte die Umschulung bei TF Heinze. Broders arbeitet als Produkt- und Verkaufstrainer beim Zulieferer Hoya Lens Deutschland. Das letzte Drittel geht nach der Fortbildung als Geselle in einen Optikerbetrieb.

"Wir qualifizieren seit über 30 Jahren mit durchgehend großen Vermittlungserfolgen zum AO-Gesellen", sagt Schulleiter Jan Heinze. "Im Schnitt finden mehr als 85 Prozent jedes Jahrgangs innerhalb kürzester Zeit eine Anstellung." Da sich die Branche ebenso wie die Anforderungen in der Augenoptik jedoch weiterentwickelt habe, wurde an der Technischen Fachschule gemeinsam mit der Hamburger Optikerinnung ein neuer Lehrgang entwickelt: zum Augenoptikfachverkäufer. "Mit diesem zwölfmonatigen Lehrgang können wir eine in Norddeutschland wirklich einzigartige Fortbildung anbieten", sagt Schulleiter Heinze.

Während dieser neue Lehrgang stark verkaufsorientiert ist, lernen die Teilnehmer der Umschulung zum AO-Gesellen Theorien des Lichtes ebenso kennen wie optische Wirkungen von Brillengläsern oder Glasrandbearbeitung. Ein Praxisteil beinhaltet das Bearbeiten von Kunststoffen, das Löten, Bohren und Kitten. Die angehenden AO-Gesellen werden in der Werkstatt der Fachschule überdies an CNC-gesteuerten Schleifautomaten geschult.

Die Teilnehmer, die in kleinen Gruppen bis zu zehn Personen lernen, sind im Schnitt zwischen 25 und 35 Jahre alt. "Aber auch über 40-Jährige entscheiden sich für unsere Umschulung", sagt Ines Lüthe von der TF Heinze. "Deren Chancen für einen Job sind ebenfalls gut, denn sie punkten zusätzlich mit Lebens- und Berufserfahrung." Der Weiterbildungsanbieter arbeitet seit Jahren mit Kostenträgern wie den Rentenversicherungen, Berufsgenossenschaften und der Agentur für Arbeit zusammen. Die Berater der Kostenträger führen Gespräche mit ihren Kunden, schauen auf die individuellen Fähigkeiten, und daraus ergibt sich häufig der neue berufliche Weg. Dieser kann wie bei Kerstin Berthold in einem eigenen Geschäft mit drei Angestellten münden.

Ebenso sind Führungspositionen möglich. So ist eine Teilnehmerin aus Bertholds Lehrgang heute Mitinhaberin eines Optikerfachgeschäfts, eine weitere arbeitet als Geschäftsführerin bei einem großen Brillenanbieter. Andere arbeiten heute bei Augenärzten und haben sich auf Kontaktlinsen spezialisiert.

 

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