Fit für die Arbeit im Hafen
Neue Fortbildung des TÜV-Süd schult Mitarbeiter für den Güterumschlag zu den Themen Lager, Logistik und Sicherheit
Mithilfe der beiden mobilen Kräne sollen die Hafenarbeiter an einem Tag rund 3800 Paletten aus dem Bauch eines Kühlschiffes hieven. Die Ladedecks des 170 Meter langen Schiffes sind bis zum letzten Zentimeter mit Obstkisten vollgepackt. Jede Palette wiegt etwa eine Tonne. In kürzester Zeit sollen die Früchte zum Verkauf in den Geschäften liegen.
Damit beim Entladen alles wie am Schnürchen klappt, muss jeder Handgriff sitzen. Denn bereits ein geringer Zeitverzug kostet im Logistikgeschäft viel Geld. Ebenso spielt der Sicherheitsaspekt bei allen Arbeiten im Hafen eine wichtige Rolle. Wenn beispielsweise die Gabelstapler zum Entladen der Ware an Bord gebracht werden müssen oder mit Gefahrgütern umgegangen wird. Zu beachten sind deshalb spezielle Schutzvorschriften sowie das Tragen einer Schutzkleidung.
Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, müssen die Hafenarbeiter entsprechende Kenntnisse mitbringen. Aber gut ausgebildeter Nachwuchs ist jetzt schon Mangelware. Den Kernbereich in der Logistik machen die Lager- und Umschlagberufe aus. Hier gehen in den nächsten 15 Jahren mehr als 30 000 Mitarbeiter in den Ruhestand. Das sind 26,8 Prozent der Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund hat die TÜV Süd Akademie eine neue Fortbildung entwickelt, die am 4. Oktober beginnt.
"Die Arbeit im Hafen wird immer komplexer und vielschichtiger. Grund ist die wachsende Arbeitsteilung durch die Globalisierung", sagt Björn Koßmann, Projektleiter der TÜV Süd Akademie. "Die vielfältigen logistischen Prozesse in den Hafenanlagen setzen bei den Hafenmitarbeitern ein besonders hohes Maß an Verantwortung und qualifiziertes Wissen voraus. Dabei haben die Sicherheit aller Beteiligten sowie der richtige Umgang mit den unterschiedlichen Fahrzeugen und der wertvollen Ladung Priorität."
Deshalb gehört zum Kern der neuen praxisorientierten Ausbildung, die insgesamt 400 Unterrichtseinheiten an 50 Tagen umfasst, das Basispaket für Sicherheitsmaßnahmen. Hier werden der Umgang mit Schutzausrüstung, die Kennzeichnung von Gefahrstoffen, das sichere Festmachen der Ladung gelehrt sowie Brand- und Feuerlöschübungen durchgeführt. Ebenso enthalten sind der Basiskurs zum Gefahrgutfahrer sowie die Nachweise für das Fahren von Kranen und Flurförderzeugen.
Der praktische Teil, der die Hälfte der Zeit in Anspruch nimmt, findet im Hafen an eigenen Geräten der Akademie statt. "Wir führen die Teilnehmer an unterschiedliche Fahrzeuge heran", sagt Koßmann. Angefangen beim Elektrohandhubwagen geht es weiter mit dem 1,5-Tonnen-Frontstapler bis zu den Containerstaplern, die 45 bis 50 Tonnen schwer sind. Aber auch Schubmaststapler, die vor allem in Hochregallagern eingesetzt werden, sind darunter, mit denen Waren bis auf acht Meter Höhe gelagert und gestapelt werden.
"Wir bilden für die Anforderungen des Arbeitsmarktes aus. Mit der Qualifizierung, die auch Packrichtlinien schult, sind die Teilnehmer auch für Arbeiten in den zahlreichen Speditionen und Lagern im Speckgürtel der Hansestadt gut gerüstet. Diese lagern die unterschiedlichsten Waren für Baumärkte, Modeketten oder Reifenhersteller ein und aus", sagt Koßmann, der die Qualifizierung mitentwickelt hat.
Voraussetzung für die Teilnahme an der Fortbildung ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Aber auch ältere Interessenten haben eine Chance. "Wir führen zunächst einstündige Gespräche mit den Bewerbern, die uns auch von der Agentur für Arbeit vermittelt werden", sagt Koßmann. Die Agenturen für Arbeit fördern die Teilnahme mit einem Bildungsgutschein.




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