Elternzeit
Berufsleben: Neustart nach der Babypause
Wer bietet Hilfe beim beruflichen Wiedereinstieg? Wie Mütter wieder zurück in den Job finden
Die Speditionskauffrau Bianca Pagel, 29, mit ihrer Tochter Joy, 5, arbeitet 25 Stunden die Woche als Assistentin der Geschäftsleitung.
Foto: HA / A.Laible
Wie lange darf ich mich meinem Kind widmen ohne Gefahr zu laufen, den Anschluss an das Berufsleben zu verlieren? Diese Frage stellte sich auch die Speditionskauffrau Bianca Pagel, Mutter einer fünfjährigen Tochter. Ihr Freundes- und Bekanntenkreis riet ihr zu einer möglichst raschen Rückkehr in den Beruf. Ein Rat, den auch Experten geben.
Die 29-Jährige war unsicher. "Darum bin ich schon nach einem Jahr auf Teilzeitbasis zurückgekehrt. Doch inzwischen weiß ich, es gibt zahlreiche Möglichkeiten auch von zu Hause aus am Ball zu bleiben." Bianca Pagel arbeitet heute als Assistentin der Geschäftsleitung bei Aviso Solutions - 25 Stunden die Woche. Sie rät jungen Müttern, sich sachkundig beraten zu lassen. "Es gibt Unterstützung."
Pagel fand diese bei "Worklife". Die Koordinierungsstelle Familie und Beruf` unterstützt einerseits Berufsrückkehrer und berät andererseits Unternehmen bei der Umsetzung einer familienfreundlichen Personalpolitik. Als Pagel erneut auf Stellensuche ging - der Weg zur Arbeit verschlang zu viel Zeit - stellte sie fest, "Teilzeit-Stellen sind rar, doch über Worklife hatte ich innerhalb weniger Tage ein attraktives Angebot."
Quelle: www.berufe.tv
"Unsere Verbundunternehmen melden uns ihre freien Teilzeitstellen, so reicht unser Service bis hin zur Stellenvermittlung", erläutert Worklife-Beraterin Lene Fidorra. Tatsächlich setzt der Service schon wesentlich früher an. "Die Frauen kommen vor, während oder nach der Elternzeit zu uns und erhalten eine individuelle, kostenlose Beratung. Oft ist eine Umorientierung nötig, denn mit Kind sind Schichtdienste, Reisetätigkeiten oder 60-Stunden-Wochen meist nicht mehr zu vereinbaren."
Zur Begleitung der Umorientierung gehört dann zum Beispiel die Organisation einer bedarfsgerechten Weiterbildung wie auch die Vermittlung von Wiedereingliederungspraktika. Ist jedoch die Rückkehr zum ursprünglichen Arbeitgeber geplant, rät Fidorra zum aktiven Kontakthalten. "Führen Sie Rückkehrgespräche schon vor der Elternzeit. Lassen Sie sich auf Verteiler für Betriebsfeste und Ähnliches setzen, und signalisieren Sie Interesse." Etwa durch eine Weiterbildung noch während der Elternzeit.
Worklife unterstützt Rückkehrwillige nach einer Elternzeit bis zu drei Jahre. Wer auf eine längere Familienpause zurückblickt, ist bei dem Programm "Comeback" richtig - ein von der Bundesagentur für Arbeit gefördertes Projekt aus dem Aktionsprogramm Perspektive Wiedereinstieg. "Manche Frauen waren bis zu 20 Jahre nicht berufstätig, der Durchschnitt liegt etwa bei acht bis zehn Jahren. Nach einer solchen Zeitspanne ist alles komplett neu - vom Bewerbungsverfahren per E-Mail über die aktuelle EDV bis hin zum veränderten Arbeits- und Leistungstempo", sagt Eva Straetmans von Comeback. Die Folge sei oftmals eine große Unsicherheit.
In einem halbjährigen Wiedereinstiegstraining werden die Frauen sowohl in ihrem Selbstbewusstsein aufgebaut als auch fachlich qualifiziert. Das modulare Training beinhaltet Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung und Karriereplanung, Selbstmarketing sowie Bewerbungs- und Kommunikationstraining, aber auch Basiswissen BWL und eine Vielzahl verschiedener EDV-Module. Anschließend folgt eine zweimonatige Praxisphase. Neben dem Programm mit seinen festen Bestandteilen unterstützt Comeback auch bei der Auswahl einer individuell passenden Qualifizierung.





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