In der Krise legen Weiterbildungsanbieter zu
Hamburger investieren in ihre Karriere
Stark gefragt sind Fortbildungen, die den Job sichern helfen. Kommunikationsthemen weniger gebucht.
Insolvenz, Kurzarbeit, drohende Entlassung - sind Arbeitnehmer in der momentanen Lage für Fortbildungen motiviert? Das Abendblatt wollte wissen, welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise auf die Weiterbildungsanbieter in Hamburg hatte.
Handelskammer
"Für uns war 2009 trotz der Befürchtungen, die man haben konnte, ein gutes Jahr", sagt Bernd Glodek, Leiter des Bildungs-Service der Handelskammer (HKBiS). Glodek beziffert das Umsatzwachstum auf acht Prozent. "Und zwar ohne Förderung durch die Arbeitsagentur." Wenn etwas von Krise zu spüren sei, dann höchstens in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres, in denen die Anmeldungen weniger wurden im Vergleich zu 2008. Besonders gefragt seien berufliche Aufstiegsfortbildungen wie der Wirtschaftsfachwirt, Handelsfachwirt, Personalfachkaufmann und der Industriemeister Metall. "Hier gibt es einen regelrechten Run", sagt Glodek. Statt früher einmal pro Jahr laufen diese Fortbildungen jetzt dreimal. Demgegenüber sei das Seminargeschäft um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Themen wie Moderation, Rhetorik und Präsentation zeigen eher längerfristige Wirkung und haben keinen konkreten Effekt auf den Arbeitsplatz, sagt Glodek. Denn: "Die Arbeitnehmer sind daran interessiert, ihren Job zu sichern. Deshalb investieren sie in Qualifikation." Weitere Motive, so Glodek, sind mehr Gehalt, ein Aufstieg in der Firma oder auch ein Jobwechsel.
ILS/Fernhochschule
"Wir haben 2009 ein Wachstum von zehn Prozent bei den Studierenden in der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Das ist angesichts der Wirtschaftslage beeindruckend", sagt Ingo Karsten, Geschäftsführer der Euro-FH und des ILS. Insgesamt betreut das ILS jährlich über 75 000 Studienteilnehmer und bietet 250 Lehrgänge an. Die Zahl der Neuanmeldungen liegt ähnlich wie 2008 bei rund 25 000. Leichte Rückgänge gab es laut Karsten bei Fernlehrgängen, die eher im Hobby-Bereich angesiedelt sind. Zugelegt haben dagegen Fernlehrgänge mit öffentlich-rechtlichen Abschlüssen. Damit wurden Weiterbildungsmaßnahmen, die der Sicherung des Arbeitsplatzes dienen oder den nächsten Karriereschritt ermöglichen, 2009 stärker als im Vorjahr gebucht. Karsten: "Fortbildungen ohne direkten beruflichen Bezug wurden dagegen zunächst aufgeschoben."
Ebenso wie beim HKBiS zählten zu den gefragtesten ILS-Fernlehrgängen alle, die betriebswirtschaftliches Know-how vermitteln wie Betriebswirte, Fachwirte und Fachkaufleute. Außerdem sind die Schulabschlüsse, insbesondere das Abitur, unter den Top Ten, darüber hinaus die Techniker-Lehrgänge sowie Ernährungsberater, Logistikmanagement, Bilanzbuchhalter (IHK), Qualitätsbeauftragte (TÜV) und Webdesigner. Bei den Fortbildungsmaßnahmen werden IHK-Abschlüsse verstärkt nachgefragt. Karsten: "Wir erhalten täglich über 200 Anmeldungen. Der erkennbare Trend für 2010 ist die Konzentration der Menschen auf die Verbesserung ihrer beruflichen Qualifizierung."
Grone
Bei Grone waren besonders die kaufmännischen Qualifikationen gefragt. "Die Anmeldungen sind entgegen der Erwartungen sogar gestiegen, gerade auch wegen Kurzarbeit. Wir haben einen zweistelligen Zuwachs", sagt Martin Vorhauer, Leiter der Grone-Wirtschaftsakademie. Viele Firmen meldeten ihre Mitarbeiter an - überwiegend für Sachthemen wie Arbeitsrecht, Umsatzsteuer, EDV oder Debitorenbuchhaltung. Dagegen seien Kommunikationsthemen eher schwach nachgefragt worden. Unternehmen erkennen zunehmend, so Vorhauer, dass eine gezielte Personalentwicklung sinnvoll ist und Zukunft hat. "Es ist ein Trend festzustellen, dass bestehende Mitarbeiter vermehrt gefördert werden statt neue einzustellen."
Euro-Business-College
Auch das Euro-Business-College vermeldet Positives. "Wir haben trotz Bedenken und Wirtschaftskrise positiv abgeschnitten und hatten 2009 insgesamt 130 Einschreibungen", sagt EBC-Direktor Johann Stooß. "Das bedeutet ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr." Da der Arbeitsmarkt schwieriger geworden sei, schließen viele Absolventen nach ihrem ersten Abschluss gleich ein zweites Studium an. Statt früher 20 Prozent wollen jetzt bis zu 50 Prozent weiterstudieren. Außerdem sei der Studienstandort Hamburg sehr attraktiv. Für dieses Jahr mit dem doppelten Abitur-Jahrgang hofft Stooß erneut auf einen zehnprozentigen Zuwachs.
















