Der erste Job
So schreiben Sie gute Bewerbungen
Was gehört ins Anschreiben? Wie lang darf es sein? Welche Floskeln sind tabu? Mitunter entscheiden Kleinigkeiten über den Erfolg einer Bewerbung.
Vor dem Abschicken alle Unterlagen sorgfältig auf Vollständigkeit, Anschreiben und Lebenslauf auf Rechtschreibfehler prüfen.
Foto: dpa Themendienst
Die erste Stelle oder einen Ausbildungsplatz zu finden – das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht leicht. Denn dann können die Betriebe meist zwischen vielen guten Bewerbern auswählen – und ein 1A-Abschlusszeugnis allein noch kein Job-Garant. Auch die Bewerbung muss einen Top-Eindruck hinterlassen, damit überhaupt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder Auswahlverfahren erfolgt.
Doch was unterscheidet eine Spitzen-Bewerbung von einer eher mittelprächtigen? „Oft entscheiden Kleinigkeiten darüber, ob die Unterlagen eines Bewerbers auf dem Stapel ‚zurückschicken’ oder ‚einladen’ landen“, weiß Daniela Apel, Leiterin Personalbetreuung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Online oder per Post bewerben?
Am Anfang jeder Bewerbung steht die Frage: Soll ich mich klassisch oder online bewerben? „Große Unternehmen bevorzugen – speziell bei Initiativbewerbungen – zunehmend Online-Bewerbungen, kleinere Betriebe hingegen das Zusenden der Unterlagen per Post“, sagt Regina Jekel-Drewelies, geschäftsführende Gesellschafterin bei der Personalberatung Adensam, Ludwigshafen. „Informieren Sie sich vorab hierüber.“
Verzichten sollten Bewerber möglichst auf die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“. „Am Besten schreiben Sie den verantwortlichen Mitarbeiter direkt an“, rät Daniela Apel von Schwäbisch Hall. Und wenn Bewerber dessen Namen nicht kennen – zum Beispiel, weil sie sich initiativ bewerben? „Dann rufen Sie einfach kurz beim Unternehmen an oder schauen Sie auf dessen Homepage nach.“
Aussagekräftige Anschreiben verfassen
Generell gilt: Bewerber sollten sich auf das Verfassen des Anschreibens gut vorbreiten. Denn damit wollen sie sich verkaufen – mit ihren Stärken. Deshalb sollten sie vorab zum Beispiel Bekannte fragen: „Was sind meine Stärken? Was zeichnet mich aus?“ Dann fällt es ihnen leichter, im Anschreiben ihre realen Vorzüge zu schildern. Denn Schummeln und Allzu-dickes-Auftragen bringt beim Bewerben wenig, weiß Regina Jekel-Drewelies. „Die Gesprächpartner merken in den Vorstellungsgesprächen schnell, ob jemand zum Beispiel wirklich ein kommunikativer Typ ist oder nicht.“
Ein Anschreiben sollte „aussagekräftig“ sein, betont Guido Wambold, Personalleiter beim Pumpen- und Armaturenhersteller KSB in Frankenthal – „damit der Empfänger ihm entnehmen kann, ob der Bewerber ein interessanter Kandidat ist“. Es sollte aber nicht zu lang sein. Speziell bei (Hoch-)Schulabgängern, die ihren ersten Job suchen, sollte es nicht länger als eine Seite sein. „Packen Sie alles, was Sie sonst noch zu sagen haben, in die Anlagen“, rät Wambold.
Keine Standard-Eröffnung!
Bewerber sollten das Anschreiben nicht mit einer Floskel beginnen wie „Mit Interesse las ich Ihre Anzeige ...“. Solche Formulierungen haben Personalprofis schon 1000-fach gelesen. Also fangen sie bei ihnen innerlich an zu gähnen. „Wählen Sie einen individuellen Einstieg“, empfiehlt Personalexpertin Daniela Apel. „Zum Beispiel: ‚2008 absolvierte ich ein Praktikum bei einer Bank. Der Umgang mit Kunden hat mir gefallen. Deshalb ...’ Oder: ‚Während meines Studiums befasste ich mich auch intensiv mit dem Thema Wirtschaftsinformatik für Finanzdienstleistungen. Daher möchte ich ...’“
Floskeln vermeiden
Nach dem Einstieg sollten Stellensucher kurz darlegen, warum sie sich gerade beim angeschriebenen Unternehmen bewerben und was sie an der Stelle oder Ausbildung reizt. Danach sollten sie erläutern, warum sie aus ihrer Warte der richtige Kandidat sind. „Am einfachsten gelingt ihnen dies, wenn sie vorab auf einem separaten Blatt Papier notieren: Welche Anforderungen werden in der Stellenanzeige gestellt?“, rät Heike Töllner, zuständig für die Ausbildungskoordination beim Hard- und Softwareunternehmen Höft & Wessel, Hannover.
Anschließend sollten die Bewerber darlegen, warum sie diese Anforderungen erfüllen – „jedoch ohne solche Floskeln wie teamfähig und dynamisch zu verwenden“, empfiehlt Geschäftsführerin Regina Jekel-Drewelies. „Schreiben Sie lieber: ‚Mir macht die Zusammenarbeit mit anderen Menschen Spaß.’ Oder: ‚Ich arbeite mich gerne in neue Aufgaben ein.’ Das vermittelt dem Leser ein klareres Bild davon, was für ein Typ Sie sind.“
Mit einem so individuellen Anschreiben haben Bewerber größere Chancen, eingeladen zu werden, als mit einem Standardschreiben. Erfahrene Personaler erkennen meist sofort: Bei diesem Anschreiben hat der Absender nur den Adressaten ausgetauscht und ein, zwei Sätze angepasst. Außerdem schleichen sich gerade in solche Schreiben oft Flüchtigkeitsfehler ein. So sind die Unternehmen zum Beispiel immer wieder überrascht darüber, wie oft in der Anrede ein falscher Name steht.
Rechtschreibung und Vollständigkeit checken
Manche Bewerbungen strotzen zudem von Rechtschreib- und Grammatikfehlern. „Lassen Sie den Entwurf Ihres Anschreiben nochmals Korrektur lesen“, rät deshalb Guido Wambold. Ein weiteres Manko: „Oft sind die Unterlagen unvollständig“, bemängelt Heike Töllner. „Bewerber sollten ihrer Bewerbung auf alle Fälle außer dem Lebenslauf Kopien des letzten Schulzeugnisses oder des Diplomzeugnisses beilegen und, sofern vorhanden, der Arbeitszeugnisse und Praktikumsbescheinigungen.“ Hinzufügen können sie auch Zertifikate, die ihnen spezielle Kenntnisse und Erfahrungen bescheinigen. Doch Vorsicht! Auf keinen Fall sollten Stellen- und Ausbildungsplatzsuchende ihrer Bewerbung alle möglichen Testate beilegen. Auswahlkriterium sollte sein: Was hilft dem Unternehmen bei seiner Entscheidung, mich einzuladen?





Branchenbuch Hamburg



