26.02.13

Pferdefleischskandal

Ikeas Köttbullar-Stopp gilt jetzt europaweit

In 23 Ländern, darunter Deutschland, streicht die schwedische Möbelkette ihre populären Hackbällchen aus dem Angebot. Nur Ikea-Filialen in Norwegen, der Schweiz und Russland werden weiter beliefert.

Foto: dpa

Auf Hackfleischbällchen schwedischer Art müssen Ikea-Kunden in Deutschland vorerst verzichten
Auf Hackfleischbällchen schwedischer Art müssen Ikea-Kunden in Deutschland vorerst verzichten

Stockholm/Wiesbaden. Ikea zieht im Pferdefleischskandal auch in Deutschland die Notbremse. Am Dienstag hat die schwedische Möbelkette den Verkaufsstopp für seine populären Hackfleischklöße "Köttbullar" auf Deutschland und insgesamt 23 weitere Länder ausgeweitet. Vorausgegangen war ein Bericht aus Tschechien über Spuren von Pferdefleisch in den Ikea-Klopsen. Die deutsche Ikea-Tochter versichert ihren Kunden im Internet weiter, dass die Klöße hier nach "aktuellen Analysen" frei von Pferdefleisch seien.

Wie Unternehmenssprecherin Ylva Magnusson am Dienstag sagte, haben die deutschen Ikea-Häuser nicht dieselbe beanstandete Lieferung wie die tschechischen bekommen, in der sich Pferdefleisch fand. In Tschechien hatten die Behörden am Vortag nach entsprechenden Testergebnissen Alarm geschlagen. Grundsätzlich werden laut Magnusson die "Köttbullar" aber auch für die deutschen Filialen vom selben Unternehmen im schwedischen Lidköping hergestellt.

Verkaufsstopp gilt europaweit

Die deutsche Ikea-Sprecherin Sabine Nold sagte, es sei ein europaweiter Verkaufsstopp für die Hackfleischbällchen verhängt worden. Das gelte sowohl für die Ware, die im Shop verkauft wird, als auch für die Restaurants in den 46 deutschen Ikea-Häusern.

In Deutschland sei eine Charge Klöße untersucht worden. Darin hätten sich keine Spuren gefunden. Sie bestehen vornehmlich aus Schweine- und Rindfleisch. Unternehmenssprecherin Magnusson sagte zur Einbeziehung Deutschlands in den Verkaufsstopp: "Die Maßnahme soll sicherstellen, dass kein Kunde sich Sorgen machen muss."

Der schwedische Hersteller Dafgård erklärte, man wolle vor einer endgültigen Klärung keine Kommentare abgeben. Ikea hatte die sowohl in Restaurants als auch zur Mitnahme angebotenen "Köttbullar" zunächst in 14 Ländern aus dem Verkehr gezogen.

In Europa nicht vom Stopp betroffen sind Norwegen, die Schweiz und Russland. Außerhalb Europas hat Ikea seine Klöße auch in Thailand, Hongkong sowie der Dominikanischen Republik aus dem Verkehr gezogen. Ikea will mit seinem Lieferanten Dafgård umfassende eigene Tests über einen möglichen Anteil von Pferdefleisch durchführen.

(dpa)
Lebensmittelskandale
  • 2013: Pferdefleisch

    Nachdem in Supermarktprodukten in mehreren europäischen Ländern neben dem angegebenen Rindfleisch auch Pferdefleisch gefunden wurde, tauchen Mitte Februar auch in Deutschland Fertiggerichte mit falsch deklariertem Fleisch auf.

  • 2011: EHEC

    In Deutschland sterben rund 40 Menschen an den Folgen des gefährlichen EHEC-Darmkeims. Die Behörden warnen vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Später stellt sich heraus: EHEC war von belasteten Sprossen aus Ägypten ausgelöst worden.

  • Ende 2010/Anfang 2011: Dioxin

    Nach dem Fund von dioxinverunreinigten Futtermitteln werden in Niedersachsen und anderen Bundesländern mehrere Tausend Bauernhöfe vorübergehend gesperrt. Legehennen werden getötet, der Verkauf von Eiern aus betroffenen Betrieben wird gestoppt. Auch Schweinefleisch soll belastet sein. Bereits im Frühjahr 2010 waren Ökohöfe gesperrt worden, an die vermutlich mit Dioxin belastetes Bio-Futtermittel geliefert worden war.

  • 2008: Mozzarella

    Vergammelter Mozzarella aus Italien landet auch auf deutschen Käsetheken. Insgesamt sollen rund 11 000 Tonnen des mit Würmern und Mäusekot verunreinigten Käses europaweit als frische Ware in Supermärkten angeboten worden sein.

  • 2005: Verdorbenes Fleisch

    Mindestens 50 Betriebe und Lager in mehreren Bundesländern sind in Geschäfte mit verdorbenem Fleisch verwickelt. Große Mengen wurden zu Döner, Bratwurst und Geflügelnuggets verarbeitet.

  • 2005: Falsches Verfallsdatum

    In zwei Filialen einer Supermarktkette werden bei Hannover Mitarbeiter beim Manipulieren von Fleischverpackungen ertappt. Sie hatten Hackfleisch mit abgelaufenem Verbrauchsdatum neu verpackt und so das Verfallsdatum verlängert. Mitarbeiter und Kunden anderer Supermärkte melden sich mit ähnlichen Vorwürfen.

  • 1997: BSE

    Ein Skandal um illegale Rindfleisch-Importe aus Großbritannien verunsichert die Verbraucher. Aus Angst vor der Rinderseuche BSE werden in Deutschland Tausende Tiere getötet, der Konsum von Rindfleisch geht drastisch zurück. Als Auslöser der Krankheit gilt die Verfütterung von Tiermehl und Tierfett, die 2001 europaweit verboten wird. (dpa)

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