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Verbrauchertipps

Freiluftsaison

Baumärkte kämpfen mit „Dauertiefpreisen"

Der Kampf um die Kunden ist eröffnet - mit einem Wettstreit um die nervigsten Werbeaktionen: Obi sucht den "Strebergarten", Hornbach warnt vor ewiger Reue und bei Praktiker "spricht der Preis".

Baumarkt in Moers.
Foto: dpa

Berlin. „Obi sucht den Strebergarten“ und verspricht 1000- Euro-Gutscheine. „Es gibt immer was zu tun. Wenn Du zuviel bezahlst, nervt es Dich ewig“, hämmert Hornbach dagegen. Zum Auftakt der Freiluft- und Renoviersaison kämpfen die Bau- und Gartenmärkte wieder gnadenlos um Kunden.

Zwar spürt die Do-it-yourself-Branche im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftszweigen die Krise bislang wenig. Das Geschäft mit Rasenmähern, Bohrmaschinen und Kettensägen läuft noch recht gut. Doch der schon lange tobende Verdrängungswettbewerb bekommt eine neue Qualität. Auf Expansion mit neuen Märkten wird mehr im Ausland gesetzt. Im Inland dagegen mit ständig neuen Aktionen und „garantierten Dauertiefpreisen“ geworben.

Ins Straucheln kam im Frühjahr bereits der Branchenzweite Praktiker („Hier spricht der Preis.“). In den ersten drei Monaten ging der Umsatz deutlich zurück, das Unternehmen mit seinen 241 deutschen Märkten (ohne Max Bahr) rutschte tiefer in die roten Zahlen und rechnet auch für das Gesamtjahr mit rückläufigen Umsätzen. Mit Sparmaßnahmen versucht die Kette nun dagegen zu steuern: In den Konzernzentralen wurde ein Einstellungsstopp verhängt, im März in 81 Märkten vorübergehend Kurzarbeit verhängt, die weitere Expansion im Ausland auf Eis gelegt und bei den Gehältern der Führungskräfte eine Nullrunde verordnet.

„Ärmel hoch!“

Brancheninsider führen den Einbruch bei Praktiker auch auf strukturelle Probleme zurück. „Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden in Krisenzeiten mehr denn je auf den Preis achten“, heißt es dagegen aus der Konzernzentrale in Kirkel. Unter dem Motto „Ärmel hoch!“ habe das Unternehmen daher für dieses Jahr ein ganzes Paket von „Vorteils- und Schnäppchenaktionen geschnürt, das die Kauflust stimulieren soll“. Zudem wurde eine Kooperation mit dem Online- Marktplatz für Handwerkerleistungen „MyHammer“ geschlossen.

Die zu Tengelmann gehörende Obi-Baumarktkette – mit 330 Märkten Primus unter den deutschen Top 20 – bekam schon im Geschäftsjahr 2007/2008 Jahr die Grenzen des Wachstums zu spüren, als der Umsatz in Deutschland um 9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurückging. Jüngsten diy-Erhebungen zufolge konzentriert Obi nun seine Expansion mehr auf Russland, Polen, Italien, Tschechien, Ungarn oder den Balkan. Auch Hornbach will sein Wachstum deutlich drosseln, um sich für die Krise zu wappnen. So werde in diesem Jahr in Deutschland kein neuer Markt mehr öffnen und im Ausland nur in der Schweiz, heißt es.

2460 Bau- und Gartenmärkte gibt es derzeit in Deutschland, die mit mehr als 17 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein halbes Prozent weniger umsetzten als 2007. Auch die Zahl der Märkte ging laut Branchenverband BHB im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurück. Die Verkaufsfläche nahm dagegen weiter zu – allein 2008 um rund 200 000 auf insgesamt fast 14 Millionen Quadratmeter. Im Inland werden die Märkte eher erneuert oder um Garten- und Baustoffabteilungen erweitert, erläutert der BHB.

„Live-Schulungen mit Profis“

Um bei den Kunden im harten Wettbewerb zu punkten, probieren die Konzerne neue Konzepte aus. So bieten viele Ketten Praxiskurse, Projektschauen oder „Live-Schulungen mit Profis“ an. Auch kann der komplette Ausbau einer neuen Küche oder Badezimmers im Baumarkt entwickelt werden. Die Handwerker werden dazu vermittelt. „Die Unternehmen verkaufen nicht mehr nur Produkte sondern auch Projekte“, berichtet Branchensprecher Stefan Michell. „Alles-aus-einer-Hand- Angebote“ würden sehr geschätzt.

Auch wenn für dieses Jahr eine Prognose schwierig ist, gibt sich die Branche dennoch recht optimistisch. Nach einem schlechten Start im ersten Quartal mit einem Umsatzminus von fast fünf Prozent beflügelte das gute Wetter im April die Geschäfte. Und auch der Mai sei schon gut angelaufen. Im April wurde laut BHB ein Zuwachs von 14 Prozent verzeichnet. Gefragt waren vor allem Pflanzen oder Gartenmöbel, aber auch neue Farben und Tapeten wurden gekauft.

„Die Konsumkrise geht an den Baumärkten noch vorbei“, beobachtet auch Branchenexpertin Helena Oswald vom Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK. Sie profitierten derzeit davon, dass die Menschen in schlechten Zeiten mehr in ihre eigenen vier Wände investieren. Es werde weiterhin gestrichen und renoviert. Nur größere Projekte stünden jetzt eher hinten an. „Für den Umsatz ist das Wetter immer noch ein wichtigerer Faktor als die Krise“, betont Oswald. Maren Martell, dpa

 

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