08.09.12

Berufswahl

Elternfrage: Was soll mein Kind bloß werden?

Beraten, nicht bevormunden: Eltern können ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen. Dabei ist vor allem konstruktive und moralische Hilfe gefragt.

Von Deike Uhtenwoldt
Foto: Heiner Köpcke
Sich gemeinsam informieren macht auch Spaß: Schüler Jannick Brockmann mit seinen Eltern Maren und Manfred und dem jüngeren Bruder Lennart
Sich gemeinsam informieren macht auch Spaß: Schüler Jannick Brockmann mit seinen Eltern Maren und Manfred und dem jüngeren Bruder Lennart

Amerikaner sprechen von "Helicopter Parents": Überfürsorgliche Eltern, die ihren Kindern ständig auf den Fersen kleben, damit zwischen Sandkiste und Berufswahl auch ja nichts passiert. Die Helikopter-Eltern gehen zum Tag der offenen Tür in die Unternehmen, besuchen die Professorensprechstunde und rufen in der Karriereberatung an. "Wir kommen mit unserer Bewerbung nicht weiter", meldet eine Mutter am Telefon der Karriereberatung Struss und Partner. Geschäftsführerin Ragnhild Struss hat darauf nur eine Antwort: "Ich helfe gern, aber Ihr Sohn sollte sich schon selbst bei mir melden."

Für die Karriereberaterin ist der Fall klar: Schulabgänger müssen in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Was für die Eltern aber nicht heißt, dass sie sich aus dem Prozess der Berufswahl ihre Kinder herauszuhalten haben. Im Gegenteil: "Eltern sollten ihre Kinder methodisch und moralisch unterstützen, indem sie dafür sorgen, dass ihre Kinder dranbleiben am Thema und selbst gestellte Aufgaben zu Ende bringen", sagt Struss. "Wer seinem Kind jedoch alles abnehmen will, ist kein guter Ratgeber!", mahnt die Diplom-Kauffrau.


+++Die eigene Zukunft fest im Blick haben+++

Dabei sind es keineswegs nur ehrgeizige Eltern, die sich mit dem Thema schwertun, beobachtet Raimund Kruse, Koordinator für die Berufsorientierung an der Sophie-Barat-Schule. "Die Orientierungslosigkeit nimmt zu", sagt er. In diesem Wintersemester drängten doppelte Abiturienten-Jahrgänge in vier Bundesländern an die Universitäten, die Zulassungsbeschränkungen der Hochschulen seien entsprechend hart und die Schüler in Sorge. "Die Eltern stehen hilflos daneben." Manche möchten sich da lieber ganz heraushalten und das Feld der Schule überlassen: Aber diese Vogel-Strauß-Politik sei ebenso abzulehnen wie der Helikopter, findet der Gymnasiallehrer.

Zur Gesprächsoffenheit, die Kruse von den Eltern fordert, gehört es, Fragen zu stellen, wenn das Kind sich bei der Berufswahl allzu sicher ist. Oder umgekehrt, Prozesse anzuschieben, wenn das Kind gar keine Orientierung hat. "Im Idealfall fängt man anderthalb Jahre vor dem Abschluss mit dem Thema an." Listet gemeinsam die Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale des Kindes auf und sammelt Informationen, besucht Veranstaltungen der Bundesarbeitsagentur und hinterfragt - ohne gleich die Schere im Kopf zu haben: "Eltern sollten nicht nur auf die materiellen Aspekte der Berufe ausgerichtet sein", mahnt der Lehrer.

+++"Social Media sind bei Qualifizierungen gefragt"+++

Wenn Eltern die Ambitionen ihres Kindes mit dem Schlagwort von der "brotlosen Kunst" abtun, dann ist das nicht nur verletzend, es ist auch überheblich: Der Arbeitsmarkt dreht sich sehr schnell, niemand kann mehr eine dauerhafte Berufssicherheit oder gar Verdienstgarantien abgeben, so die Ratgeberautorin Svenja Hofert. Gerade weil sich aber die Zeiten so rasant ändern, fordert die Beraterin von Eltern und Schülern, sich den neuen Fakten der Berufswelt zu stellen und daraus sein Fazit zu ziehen. "Berufsentscheidungen dürfen nicht aufgrund einer Illusion getroffen werden."

Eine Illusion ist es beispielsweise, amerikanische Fernsehserien mit der Realität zu verwechseln. Statt die Krankenhaus-Serie "Scrubs" oder "Grey's Anatomy" empfiehlt Ragnhild Struss das Original: "Henry Gray's Anatomy of the Human Body", ein Klassiker der Anatomie für angehende Medizinstudenten: "Etwas sein oder etwas werden, das ist ein Unterschied", betont die Karriereberaterin. Auch ein Nebenjob oder ein Praktikum seien eine gute Grundlage für den Realitätscheck.

+++Die Jugend von heute: Rebellion, nein danke+++

Wovor die Karriereberaterinnen warnen, sind internetbasierte Tests zu Berufseignung und den Interessen: "Die sind zu oberflächlich", sagt Struss. Und beeinflussen dennoch, so Hofert: "Man muss die Tests hinterfragen." Auch dies ein Part, zu dem Eltern beitragen können. Sie sind als kritische Antreiber gefragt, die ruhig etwas Druck aufbauen sollten, findet Hofert. In ihre Beratung kommen viele Jugendliche, die sich lieber bei YouTube und Facebook berieseln lassen, als sich bei der "Langen Nacht der Industrie" über Berufswege zu informieren. "Eltern können für Durchhaltevermögen sorgen, indem sie sich einmal die Woche mit ihren Kindern an einen Tisch setzen, sich austauschen und Termine setzen."

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Quelle: Manpower
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