Dienstag, 29. Mai 2012, 14:37

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Karriere

Was macht eigentlich eine . . .

Krankenhausseelsorgerin

Ihre beruflichen Begegnungen leben im Augenblick. Oft sei es "nur dieses eine Gespräch, in dem es heißt, wach zu sein, da zu sein mit offenen...

Ihre beruflichen Begegnungen leben im Augenblick. Oft sei es "nur dieses eine Gespräch, in dem es heißt, wach zu sein, da zu sein mit offenen Sinnen", sagt Ute Gothmann-Kollath (60). Seit Juni 2002 ist die studierte Pastorin und Pastoralpsychologin als Krankenhausseelsorgerin in der Asklepios-Klinik Wandsbek tätig. Und damit Ansprechpartnerin für die Patienten, deren Angehörige und für das Personal. Das ist ihr wichtig, "denn wer selbst Stress hat, kann schlecht für andere sorgen". Immer wieder geraten Ärzte und Schwestern in Selbstzweifel: Sie wollen das Bestmögliche leisten, kommen aber auch an ihre persönlichen oder strukturellen Grenzen. Damit sind in der Regel auch ethische Fragen verbunden: Was ist wirklich das Beste im Sinne der Patienten?

In den Patientengesprächen geht es um andere Fragen: um Angst vor einer anstehenden Operation, vor einer schwerwiegenden Diagnose. Ein Dritter will nicht ins Pflegeheim. "Da fließen Tränen, da entlädt sich auch Wut." Wie reagiert Ute Gothmann-Kollath darauf? "Das hängt von der individuellen Situation ab. Manchmal ist es hilfreich zu schweigen und zuzuhören." Wichtig sei es, an der Seite der Patienten zu bleiben und im zweiten Schritt gemeinsam neue Perspektiven zu suchen.

"Ich begleite die Menschen da, wo sie innerlich sind", sagt Ute Gothmann-Kollath. Und welche religiös-spirituellen Fragen werden ihr gestellt? "Jeder Patient trägt ein sehr persönliches Glaubensbild in sich, das in der Frage mündet: Was passiert mit mir? Warum?" Hat sie auf das "Warum" eines Schwerkranken eine Antwort? "Ich versuche, mit dem Betroffenen die Bedeutung der Erkrankung im Lebenszusammenhang zu betrachten. Dabei entsteht ein deutlicheres Bewusstsein für erlebtes Glück, ein tiefes Empfinden für die Kostbarkeit, aber eben auch die Zerbrechlichkeit und Begrenztheit des Lebens. Dies anzunehmen benötigt einen Reifungsprozess, der achtsamer und bescheidener werden lässt, auch im moralischen Urteil über sich und andere - ein Weg, dem ich mich als Seelsorgerin mit auszusetzen habe."

Gelingt ihr die Abgrenzung? "Ich nehme Supervision in Anspruch und führe ein erfülltes Privatleben mit meinem Mann, mit Freunden und mit Kultur." Oft geht sie im Wald spazieren, um dann wieder da zu sein für die Menschen im Krankenhaus, mit offenen Sinnen.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus