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Karriere

Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Teil 12)

"Mehr Deutsch lernen"

Afrotheti Ferentinos leitet die Geschäftsstelle Bergedorf von Saga GWG. Der Vater der Hamburgerin stammt aus Griechenland.


Foto: Zapf

Als Kind hat sie sich oft über ihren Namen geärgert: Afrotheti Ferentinos. "Damit bin ich in der Schule immer aufgefallen", sagt die 36-Jährige. "Und gerade das will man als Kind ja nicht unbedingt." Heute kann sie darüber lachen, dass Mitschüler ihren Namen so oft falsch ausgesprochen oder sie mit ungeliebten Kurzformen gerufen haben. Es seien ja keine Hänseleien gewesen. Sie war eben die Einzige in der Klasse "mit einem komischen Namen".

Den klangvollen Namen verdankt Afrotheti Ferentinos ihrem Vater: Er war in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter aus Athen gekommen, hatte hier eine Hamburgerin kennengelernt und eine Familie gegründet. "In Griechenland ist es Tradition, dass Enkel so genannt werden wie die Großeltern", erklärt sie. In ihrem Fall sei die Namensgeberin eben die Großmutter Afrotheti gewesen.

Als "Migrantenkind" benachteiligt hat sich Ferentinos nie gefühlt. Integration war kein Thema, das sie persönlich betraf. Vielleicht weil es in ihrer Familie normal war, woanders zu leben, als man geboren worden war: Ein Großteil ihrer Verwandtschaft hatte sich schon damals in England angesiedelt. Griechenland hat sie erst als junge Erwachsene richtig kennengelernt. "Seitdem bin ich oft in Athen gewesen", erzählt Afrotheti Ferentinos. "Eine tolle Stadt. Und von Piräus aus kann man wunderbare Schiffstouren machen." Mit den beiden Tanten, die heute noch auf dem Peloponnes leben, hält sie lockeren Kontakt. "Familientreffen finden aber meist in England statt." Perfekt ist ihr Griechisch nicht, aber sie kann sich unterhalten. Eigentlich hatten die vier Geschwister zweisprachig aufwachsen sollen, aber der Vater verstarb schon 1976.

Wo ihre Faszination für Gebäude herrührt, kann Afrotheti Ferentinos gar nicht genau erklären. "Ich fand Häuser schon immer einfach spannend", sagt sie. Hinzu kam, dass die Abiturientin gern einen Job machen wollte, in dem sie viel mit Menschen zu tun hat. Da lag es nahe, sich eine Ausbildung wie die zur Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft auszusuchen. Also bewarb sie sich 1994 bei der Gesellschaft für Wohnen und Bauen (GWG). Zweieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung, während der sie in verschiedenen Niederlassungen tätig war und sich mit allen Unternehmensbereichen vertraut machte.

Ihren Wunsch, anschließend BWL zu studieren, stellte Afrotheti Ferentinos erst einmal hintenan, als die GWG ihr einen Job im Controlling anbot. "Ich dachte, das kann ich ja immer noch nachholen", sagt sie. Fast sieben Jahre blieb sie im Controlling und baute nach dem Zusammenschluss von GWG und Saga ab 1999 "nebenbei" die sogenannte virtuelle Geschäftsstelle, eine Vermietungs-Hotline, auf. 2002 kam der Vorstand auf sie zu und bot der damals 31-Jährigen die erste Geschäftsstellenleitung an. Sie übernahm die Niederlassung in Mümmelmannsberg. Seit 2004, nachdem ihr Sohn Konstantin zur Welt gekommen war, führt sie die Bergedorfer Filiale. Vielleicht will sie doch noch studieren, nebenbei an einer Fernhochschule. Inzwischen würde sie sich aber wohl für Architektur einschreiben. "Das wäre dann nur zu meinem eigenen Vergnügen."

Was sie an ihrer Arbeit besonders schätzt? "Jeden Tag gibt es Überraschungen. Oft weiß ich morgens noch überhaupt nicht, was mich erwartet." Wenn es bunt und lebhaft zugeht, gefällt ihr das. "Nicht selten bringen Kunden ihre Kinder mit hierher", erzählt sie. "Und die veranstalten dann einen Rundlauf." Der kreisförmige Flur der Geschäftsstelle ist wie dafür gemacht.

Ihr ausländischer Name wird heute selten zum Thema. "Nur manchmal sind Kunden neugierig und fragen danach." Mitunter macht sie dann ein Ratespiel aus der Herkunft. "Und viele tippen erst einmal darauf, dass ich Spanierin bin", sagt sie lachend. Dass manche ihrer ausländischen Kunden - auch wenn sie schon jahrelang in Deutschland leben - immer noch ihre Kinder zum Dolmetschen mitbringen, findet sie schade. "Es werden doch viele Kurse angeboten, da muss man ein bisschen Eigeninitiative zeigen und mehr Deutsch lernen." Vielleicht werde aber auch zu viel Rücksicht genommen, etwa wenn Broschüren und Hinweisschilder in alle möglichen Sprachen übersetzt würden. "Dann fehlt ja oft auch die Notwendigkeit, die deutsche Sprache zu lernen."

 

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