Praktikum, Prüfung, fester Job: Die russische Ärztin Natalia Knorr hat einen klaren Karriereplan.

Foto: Bodig
Natalia Knorr hat es fast geschafft: Wenn nichts mehr schiefgeht, wird die russische Medizinerin ab März 2009 als Assistenzärztin in der schleswig-holsteinischen Fachklinik Aukrug tätig. Und schiefgehen kann nicht mehr viel. Um in Deutschland wieder in ihren Beruf einzusteigen, braucht die 37-Jährige nur noch die Gleichwertigkeitsprüfung vor der Ärztekammer zu bestehen - Voraussetzung für Ärzte, die außerhalb der EU studiert haben. Angst vor der Prüfung hat Natalia Knorr nicht. Sie hat sich in einem Kursus der Rackow Schule vorbereitet und fühlt sich fit in ihrem Fach. "Außerdem gibt es in der Medizin keinen großen Unterschied zwischen Russland und Deutschland", findet sie.
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Sie hat sich hier schnell heimisch gefühlt - auch wenn sie 2004, als sie mit Ehemann Oleg, der damals neunjährigen Tochter Valeria und den Schwiegereltern im Grenzdurchgangslager Friedland ankam, kein Wort Deutsch sprechen konnte. Doch sie hat gleich einen Sprachkursus belegt und begonnen, ihre neue Umgebung zu erkunden - den Kreis Pinneberg und Hamburg. Schon wenige Tage nach der Ankunft war die Familie nach Elmshorn gezogen. Dort lebten Verwandte.
"Ich bin in Samara geboren", erzählt Natalia Knorr, "einer Großstadt an der Wolga mit 1,2 Millionen Einwohnern." Auch darum mag sie Hamburg, weil es sie aufgrund der Größe und der Lage am Wasser an Samara erinnert. Besonders gut gefällt ihr der Hafen. "Natürlich", sagt sie lachend. "Und die Kirchen und Museen." Vor allem die historischen Ausstellungen interessieren sie.
"Außerdem bietet die Stadt viele Möglichkeiten für Migranten. Man kann sich schnell integrieren." Was Migranten auch möglichst schnell tun sollten, meint die Medizinerin. "Sie sollten keine Angst vor einem Umzug haben und dann alles probieren, um sich schnell in der Gesellschaft zurechtzufinden." Sie bedauert, dass es Einwanderer gibt, die sich nach fünf oder gar zehn Jahren noch immer nur in ihrer Muttersprache unterhalten können. "Das geht einfach nicht", findet sie. "Man muss doch den Willen und die Motivation haben, voranzukommen!"
Sie selbst hat diesen Antrieb - und so absolvierte sie schon bald ihr erstes Praktikum in einer deutschen Klinik - wo sie sehr nett und hilfsbereit empfangen worden sei, wie sie betont. Tolle Unterstützung habe die Familie auch von einem Rentnerpaar aus der Elmshorner Nachbarschaft erhalten. Sie waren die Ersten, die die Knorrs nach dem Umzug näher kennenlernten. Heute setzt sich ihr Freundeskreis aus verschiedenen Nationalitäten zusammen.
Warum sie Ärztin geworden ist? "Es macht mich froh, wenn jemand dank meiner Hilfe sein Leben wieder genießen kann", sagt Natalia Knorr. Ganz unschuldig an ihrer Berufsentscheidung sind familiäre Einflüsse aber nicht: Auch ihre Zwillingsschwester in Samara praktiziert als Ärztin. Und die Tradition setzt sich vielleicht fort: Tochter Valeria, inzwischen 13 Jahre alt und Gymnasiastin, hat ebenfalls ein Medizinstudium ins Auge gefasst.
Oleg Knorr hat aufgrund seiner Vorfahren einen deutschen Pass, Natalia nur ein befristetes Visum. "Erst wenn ich einen unbefristeten Job habe, bekomme ich auch ein unbefristetes Visum", erklärt sie. Und wenn sie sieben Jahre in Deutschland sei, könne sie einen deutschen Ausweis beantragen. "Den Fragebogen für Einwanderer habe ich schon erfolgreich ausgefüllt." Die Einbürgerung werde also reine Formsache.
Dass sie den Test so früh absolviert hat, ist typisch für die 37-Jährige. "Ich bin sehr gut organisiert und kann hervorragend planen", sagt sie. "Ich lege die Betonung immer auf die wichtigen Sachen." Wichtig ist für sie jetzt erst einmal das Praktikum, das sie im Januar in der Rehaklinik Aukrug beginnt, ihre Arztprüfung im März und die anschließende Festanstellung. Und natürlich Weihnachten, das die Familie - entgegen der russischen Tradition - schon am 24. Dezember feiert. Und da ihre Zukunft jetzt auf ziemlich sicheren Füßen steht, bleibt Natalia Knorr vielleicht auch wieder Zeit für ihr Lieblingshobby: Eiskunstlaufen.







