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Karriere

Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Teil 8)

"Ich bin eben norddeutsch"

Can Suat Simsek, Sohn türkischer Eltern, hat seinen Traumjob gefunden: Er ist Brandmeister.


Foto: Bodig

"Das hat mich damals ganz schön mitgenommen", erinnert sich Can Suat Simsek. Im Sommer 2007 war er noch in der Ausbildung zum Brandmeister und absolvierte gerade sein Wachpraktikum auf einem Löschzug der Feuerwehr Billstedt. "Eine Person war vom Zug überfahren worden. Wir kamen als erste zum Unglücksort", erzählt der 25-Jährige. "Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten, die Gefahrenzone absperren - darum geht es dann", erklärt er. "In der Situation ist man hoch konzentriert. Man reagiert einfach und hat keine Zeit, viel nachzudenken." Das Nachdenken über die Zerbrechlichkeit des Lebens kam später. Denn dem Mann auf den Gleisen hatten sie nicht mehr helfen können. Aber auch das müssen die Retter wegstecken.

"Wer kein Blut sehen kann, für den ist der Job sowieso nichts", sagt der Neu-Hamburger, der in Lübeck als Sohn türkischer Eltern geboren wurde. Am schlimmsten findet er es, wenn Kinder verletzt werden. "Man muss versuchen, so etwas nach der Schicht auf der Wache zu lassen." Er hofft, dass er das auf Dauer schafft - und dabei dennoch nicht abstumpft. Dass die Arbeit bei der Feuerwehr nicht immer leicht sein würde, war ihm ohnehin schon vorher klar: Während seines Zivildienstes arbeitete er bei einer Hilfsorganisation im Behindertenfahrdienst - und bekam viel vom benachbarten Rettungsdienst mit.

Trotz manch peinigender Bilder sagt Simsek: "Bei der Feuerwehr zu arbeiten ist mein Traumjob. Ich kann mir nichts anderes vorstellen." Seit einem halben Jahr ist der Brandmeister bei der Feuer- und Rettungswache Barmbek im Einsatz. Ihm gefällt, dass der Beruf abwechslungsreich und anspruchsvoll ist. Alltag gibt es nicht. In Zwölf-Stunden-Schichten ist Simsek im Einsatz, mal auf dem Löschzug, mal im Rettungswagen. "Sieben bis neun Einsätze fahren wir am Tag, manchmal mehr", erzählt er. Werden die Barmbeker alarmiert, hallen bestimmte Tonfolgen durch die Wache - der Code für die Kameraden. So weiß jeder, ob er bei diesem Einsatz gebraucht wird. Die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen findet Simsek großartig: "Das läuft alles sehr harmonisch." In seiner Lehre zum Kfz-Mechatroniker, die er nach dem Abi in Lübeck absolviert hat, sei das anders gewesen. "Ich glaube, die Leute da waren einfach unzufriedener. Hier dagegen ist keiner schlecht drauf."

Simsek selbst schon mal gar nicht: "Beruflich und privat bin ich rundum glücklich", sagt er und strahlt dabei. Seine Freundin lebt in Timmendorf. Wann immer er Zeit hat, fährt er hoch an die Küste. Vor einem Jahr hat er auch endlich eine Wohnung in Hamburg gefunden, die ihm richtig gut gefällt. Seitdem lebt er in Hamm. Warum die Ausbildung an der Alster? "Sie hat einfach einen sehr guten Ruf", sagt Simsek. "Und außerdem wollte ich mal weg von Zuhause."

Der Brandmeister türkischer Herkunft ist im Norden verwurzelt - das hört man schon an seinem breiten norddeutschen Akzent. "Die Türkei ist eher Urlaubsland für mich", sagt er. Er spricht zwar fließend Türkisch, hat durch seine Eltern viel von der Kultur mitbekommen und fährt alle ein, zwei Jahre zum Verwandtenbesuch in die Nähe des Schwarzen Meeres. Aber auf Dauer zieht ihn nichts ins Ausland, weder in die Türkei noch sonst wohin. "Ich bin eben norddeutsch", stellt er lakonisch fest.

Seine Laufbahn im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst ist vorgezeichnet: "Nach neun Jahren wird man Oberbrandmeister, nach weiteren sechs Jahren Hauptbrandmeister", erklärt Simsek. "Wenn man gute Leistungen zeigt und engagiert ist, gibt es die Möglichkeit, beides um je zwei Jahre zu verkürzen." Er könnte auch in den gehobenen Dienst wechseln. Dann müsste er noch mal auf die Landesfeuerwehrschule. Ob er das möchte, wird die Zukunft zeigen. "Im Moment mache ich mir über meine weitere Entwicklung noch keinen Kopf. Ich habe doch gerade erst ausgelernt."

 

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