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Karriere

Klartext: Heiko Schulz über den Sinn von Demografieberatung

"Mittelständler brauchen Hilfe"

Der Strategieberater rät Firmen dazu, ihre Altersstruktur zu analysieren.

Abendblatt:

Demografieberatung ist keine geschützte Dienstleistung. Sie steht ebenso für Arbeitsplatzanalysen wie für Nachwuchsförderung. Mit anderen Worten, das ist ein neuer, aufmerksamkeitsstarker Name für einen Bauchladen . . .

Heiko Schulz:

Wenn es so wäre, hätte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht jahrelang die Qualifizierung zum Demografieberater über die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördert. Demografie bleibt ein Megatrend, hat die Initiative gerade auf ihrem dritten Know-how-Kongress zusammen mit dem Demografie-Netzwerk (ddn) festgestellt. Damit vor allem der Mittelstand sowie Städte und Gemeinden sich angemessen auf diesen Trend einstellen können, benötigen sie Impulsgeber für geeignete Personalstrategien. Es geht beispielsweise um die Gewinnung der besten Fachkräfte, den Erhalt von Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter und Wettbewerbsvorteile durch langfristige Bindung von Leistungsträgern.



Abendblatt:

Wer das Bewusstsein für den Megatrend hat, benötigt Ihre Dienstleistung nicht. Die anderen erreichen Sie erst gar nicht - wie wollen Sie das Rekrutierungsproblem lösen?

Schulz:

Oft ahnen die Unternehmen nur, dass sie der demografische Wandel irgendwann betreffen wird. Wir konkretisieren das durch eine Analyse der Altersstruktur in der Gegenwart und in der Zukunft. Wenn dann die Unternehmen Schwarz auf Weiß sehen, dass sie in zehn Jahren praktisch nicht mehr existieren, weil ihnen die erfahrenen Kräfte fehlen, entwickeln sie sehr schnell Handlungsbereitschaft. Die Beratung und ihre Umsetzung sind für die Unternehmen bezahlbar: Es gibt Fördermöglichkeiten von bis zu 50 Prozent.



Abendblatt:

Wie gehen Sie bei einer Altersstrukturanalyse vor?

Schulz:

Wir nehmen alle verfügbaren Daten etwa zu Krankenstand, Qualifikation und Weiterbildungsmaßnahmen in eine Excel-Tabelle auf, schreiben diese auf die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre fort und gleichen sie mit regionalen Daten ab. Wo findet der Betrieb zukünftig noch Fachkräfte? Wie kann er die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten auch im Alter erhalten? Welche Auswirkungen hat die alternde Gesellschaft für die Absatzpolitik? Das sind zentrale Fragestellungen, die in Angriff zu nehmen sind.



Abendblatt:

Aber die Fragen sind nicht neu und die Daten liegen in den Betrieben schon lange vor. Wieso bedarf es da noch des Anstoßes von außen?

Schulz:

Viele Mittelständler sind so sehr in ihrem Tagesgeschäft gefangen und damit beschäftigt, sich das Finanzamt von der Pelle zu halten. Sie unterschätzen die Thematik und benötigen professionelle Hilfe von außen.



Abendblatt:

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Schulz:

Nehmen wir mal den klassischen Malermeister. Wo liegen seine Probleme? Er benötigt gute Fachkräfte, aber die guten machen sich selbstständig. Andere arbeiten schwarz nach Feierabend, womöglich noch mit dem Material der Firma. In unserem Fall sind drei von vier Beschäftigten um die 50 Jahre, eine weitere Honorarkraft ist 62 Jahre alt. Hier gilt es, Abläufe zu optimieren, den Chef vom Alltagsgeschäft zu entlasten und die Materialpflege und -verwaltung in die Hände der erfahrenen Kräfte zu legen.



Abendblatt:

Sie sind erst 33 Jahre alt. Wie kommen Sie auf die Themen Markt 50plus und Gesundheitsvorsorge?

Schulz:

Ich bin ja genauso betroffen vom demografischen Wandel - auch gerade, weil ich nicht am breiten Ende der Pyramide stehe.Interview: Deike Uhtenwoldt

 

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