Dienstag, 29. Mai 2012, 14:37

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Karriere

Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Teil 3)

"Perspektiven für mein Kind"

Lagerist Schaker Newrozzadeh kommt aus Afghanistan. Hamburg ist sein Zuhause geworden.

"Wenn ich sage, ich bin Deutscher, nimmt mir das hier erst mal keiner richtig ab", sagt Schaker Nawrozzadeh. Dabei stimmt es: Seit 2005 hat der 30-Jährige aus Kabul einen deutschen Pass. "In den USA oder den Niederlanden haben sich die Nationalitäten schon viel mehr vermischt. Da fragt man nicht mehr, wo jemand herkommt." Er hofft darauf, dass Deutschland auch irgendwann soweit sein wird. Denn heimisch fühlt er sich hier: "Wenn ich verreist war und nach Hamburg zurückkomme, dann habe ich das Gefühl, ich bin wieder zu Hause."

Der gebürtige Afghane lebt seit 1986 in Deutschland. Er ist mit seinen Eltern und drei Geschwistern geflüchtet. Die Eltern kehrten zurück, nachdem die Taliban gestürzt worden waren. Sie hatten sich hier nicht integrieren können. Eingeschult wurde Schaker Nawrozzadeh in Bad Homburg. Anderthalb Jahre später zog die Familie nach Hamburg. Schaker Nawrozzadeh absolvierte die Höhere Handelsschule und wollte Geschichte studieren. Ein schwerer Unfall durchkreuzte seine Pläne. "Ich bin auf der Autobahn eingeschlafen und in einen Lkw gerast", erzählt er. Zwei Jahre seien vergangen, bis er wieder ins Leben zurückgefunden habe. "Das Erlebnis hat mich verändert", sagt er. "Heute spreche ich andere Autofahrer darauf an, wenn ich sehe, dass sie sich und andere gefährden könnten."

Über eine Maßnahme des Arbeitsamts fand Schaker Nawrozzadeh einen Platz in der überbetrieblichen Ausbildung an der Grone Schule. Im Jahr 2002, nach dem Abschluss bekam er einen Job als Lagerarbeiter bei Globetrotter. Er fühlt sich wohl dort. "Eigentlich sind wir hier fast wie eine Familie, es geht sehr menschlich zu." Vor allem werde auf die Leistung geschaut und nicht auf Nationalität oder Hautfarbe. "Wer gut ist, kriegt den Job, egal, wo er herkommt." Vor acht Monaten konnte er eine von seinem Arbeitgeber finanzierte Fortbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik abschließen. "Das kann für meine Zukunft nur von Vorteil sein."

Für seine Zukunft und die seiner Familie, die er vor drei Jahren in Afghanistan gegründet hat. Damals wollte er seine alte Heimat verstehen lernen. "Ich kannte ja nichts außer der Sprache." Er kündigte seinen Job bei Globetrotter - wo ihm versichert wurde, er könne nach seiner Rückkehr problemlos wieder einsteigen - und reiste 2005 nach Kabul. Damals sei es dort noch nicht so unsicher wie heute gewesen. Zwei Jahre blieb er dort, machte sich mit Land und Leuten vertraut und arbeitete als Dolmetscher. "Ich habe die Armut und vor allem die Not der Kinder in Afghanistan gesehen", sagt Schaker Nawrozzadeh. "Heute kann ich darum noch besser beurteilen, wie gut es uns hier in Deutschland geht." Darum möchte er auch so schnell wie möglich seine Familie nachholen. "Ich will eine Perspektive für mein Kind - und in Afghanistan gibt es keine Perspektiven." Er glaubt nicht, dass die Mission der Nato erfolgreich enden wird.

Doch mit der Familienzusammenführung ist es schwierig. "Ich erfülle alle Auflagen, aber die Genehmigung haben wir immer noch nicht erhalten." Langsam hat der 30-Jährige Angst, dass die Beziehung zu seiner Tochter dauerhaft unter der Trennung leidet. "Sie ist jetzt fast zwei Jahre alt und ich habe sie erst dreimal gesehen." Statt zu ihm sage sie zu ihrem Opa "Vater". Das tut Schaker Nawrozzadeh weh.

Seine berufliche Zukunft sieht er ganz klar bei seinem jetzigen Arbeitgeber. "Globetrotter expandiert. Ich hoffe, noch ein paar Stufen aufsteigen zu können." Dass ihm das auch gelingt, da ist er ganz zuversichtlich. "Hier bekommt man immer eine Chance, wenn man sich beweisen will."

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus