Serie: So arbeiten wir morgen (Teil 22)
Wer offline bleibt, verliert
Im Internet handeln, Kunden pflegen und netzwerken - die digitale Revolution fordert jeden.
Der Boom des Internets liegt kaum zehn Jahre zurück und hat unsere Gesellschaft doch bereits dramatisch verändert. "Im Zusammenhang mit dem Internet wird zu Recht von einer digitalen Revolution gesprochen", sagt Professor Werner Beba. Bis vor kurzem war Beba noch stellvertretender Verlagsgeschäftsführer von Gruner + Jahr Living, heute lehrt der Medienexperte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). "Die Entwicklungen gehen rasant vor sich", betont er. Heute könne keiner wissen, wer von den Unternehmen in fünf Jahren zu den Big Playern gehören werde.
Die Auswirkungen dieser Revolution sind weitreichend. Zu beobachten seien etwa enorme Veränderungsprozesse bei der Mediennutzung, die Entwicklung immer neuer medialer Angebote und damit einhergehend neuer Geschäftsmodelle sowie eine verstärkte Internationalisierung durch das Internet. Anzeichen dafür, dass der Siegeszug des Internets einmal gestoppt werden könnte, sieht Beba hingegen keine. Bewerber ohne Online-Erfahrung werden es immer schwerer haben - fast egal, in welchem Bereich.
Entsprechend scheint auch der Trend zum E-Commerce unumkehrbar. Der Handel über das Internet verzeichnet einen rasanten Aufschwung und ist dabei doch "im Grunde nur ein weiterer Verkaufskanal", erklärt Kirstin Schmidt, Country Managerin Deutschland des Online-Fotodienstleisters "PhotoBox". "Wenn auch ein ausgesprochen dynamischer Kanal."
Wann er im Internet aktiv wird, entscheidet allein der Kunde. Schließlich sind Online-Shops 24 Stunden, 365 Tage im Jahr geöffnet. Zeit- und ortsunabhängiges Handeln ist das markanteste Merkmal des Internets - neben der Transparenz. Dadurch verliert die geschliffene Rhetorik im Verkaufsgespräch zunehmend an Bedeutung, denn immer mehr Kunden informieren sich vor dem heimischen PC. Die Fähigkeit, effektiv und kundenfreundlich per E-Mail agieren zu können indes wird immer mehr Bedeutung erlangen.
Die Vor- und Nachteile von Produkten und Dienstleistungen werden heute ausführlich in Foren und Plattformen diskutiert. Dank der Anonymität des Netzes können die Marketing-Experten der Unternehmen zwar mitdiskutieren, doch wirken markige Werbeslogans in Blogs oder Social Communities wenig überzeugend. Dort müssen Unternehmen inhaltlich und authentisch reagieren können.
Damit führt E-Commerce sowohl zu einer Zunahme von Bildschirmarbeitsplätzen als auch zum Umdenken in der Unternehmenskommunikation. Denn die Kundenansprache erfolgt immer öfter online - "und sie muss schnell und aktuell sein", betont Kirstin Schmidt von "PhotoBox". "Das Internet ist ein schnelles Medium. Produktpräsentationen etwa sollten stets eingebunden sein in den Kontext aktueller Geschehnisse oder saisonaler Themen", rät sie.
Wer also bei der digitalen Revolution mithalten will, muss außer einer gewissen Technikaffinität stets einen Blick für das Geschehen im realen wie im virtuellen Leben haben. "Dafür verfügt E-Commerce über Werkzeuge, die es im klassischen Handel nicht gibt", erklärt Schmidt. Hierzu gehöre beispielsweise auch die Möglichkeit, sogenannte Tracking-Tools einzusetzen. Mit diesen kann ein Unternehmen seinen eigenen Online-Auftritt analysieren, indem es nachvollzieht, wo Kunden bei ihrem Besuch auf der Website länger verweilen und an welcher Stelle sie die Seite wieder verlassen. Persönliche Daten des Kunden bleiben unerkannt.
Anders ist das bei persönlichen Einträgen in Foren und anderen Online-Veröffentlichungen, mit denen viele Internetnutzer allzu freigiebig sind. Dies könnte ihnen bei der Jobsuche unter Umständen Nachteile bringen. Nicht nur Bewerber, auch Personalchefs surfen gern.
Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 23 - Schluss mit 67?




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