05.07.08

Was macht eigentlich ein . . .

Küster

Von Christine Schrader

"Mein Job ist, dass das Haus St. Michaelis funktioniert", sagt Torsten Jahn (48), seit 1992 Küster an der Hauptkirche St. Michaelis. Er erledigt kleinere Reparaturen in der Kirche und sorgt vor allem für die Ausstattung von liturgischen Feiern, Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen. So müssen etwa die Abendmahlgeräte bereitgestellt und nach der Nutzung gereinigt werden. Kerzen zu pflegen, den Altar zu schmücken und die Bestuhlung zu prüfen gehört ebenso zu den Aufgaben des Küsters wie das Heizen und Belüften der Kirchenräume oder der Umgang mit Glocken-, Beschallungs- und Akustikanlagen.

Die Berufsbezeichnung leitet sich aus dem lateinischen Wort custos - auf Deutsch: Wächter - ab. Ein Wächter der Kirche ist er also, in verschiedenster Hinsicht ein Mann für alle Fälle, Ansprechpartner für Mitarbeiter und Besucher, wenn es um technische oder organisatorische Fragen geht. "Ich bin die rechte Hand der Pastoren", sagt Tobias Jahn.

Der Küsterberuf ist ein Anlernberuf, erwünscht ist ein handwerklicher Berufsabschluss. Der Arbeitsvertrag wird zwischen dem Arbeitnehmer, dem verantwortlichen Pastor und einem Vertreter des Kirchenvorstands als Arbeitgeber abgeschlossen. Seit drei Jahren bietet die Nordelbische Kirche eine Fortbildung mit Zertifikat vom Institut für berufliche Aus- und Fortbildung (IBAF) an. Die Berufsperspektiven sind nicht immer sicher. Denn infolge von Sparmaßnahmen und Gemeindefusionierungen werden Stellen gestrichen. So gab es 1992 im Kirchenkreis Alt-Hamburg noch 90 hauptamtliche Küster in 80 Gemeinden. Heute sind es 50 Küster in 60 Gemeinden. Davon arbeitet die Hälfte in Vollzeit, die anderen haben eine Dreiviertel-, Halbtags- oder Viertelstelle. Manche werden sogar nur für 2,5 Wochenstunden eingesetzt.

Zukunftsängste plagenTorsten Jahn jedoch nicht, denn am Michel wird immer ein Küster gebraucht: 50 Stunden pro Woche, Wochenendeinsatz inklusive. Für den gelernten Kfz-Mechaniker, der nach seiner Lehre acht Jahre Ausbilder bei der Bundeswehr war, ist dieser Beruf eine Berufung geworden. Die Arbeit mit Menschen gefalle ihm, aber auch die tägliche Abwechslung, die viel Raum für Eigeninitiative lasse, und die Teamarbeit. "Man selbst muss sich als Getrieberädchen sehen, um zum Gelingen der Institution Kirche beizutragen."

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