Serie: So arbeiten wir morgen (Teil 20)
Freiraum fürs Denken
Googles 80:20-Prinzip: Die Beschäftigten sollen ein Fünftel ihrer Zeit für neue Ideen verwenden.
Hewlett-Packard (HP) startete 1939 in einer Garage in Palo Alto. Dort entwickelten William Hewlett und David Packard ihren ersten Tonfrequenzgenerator. Apple wiederum konnte nur entstehen, weil Steve Wozniak seinen HP-Taschenrechner und Steve Jobs seinen VW-Bus verkaufte, um mit dem Startkapital ihren ersten Rechner zu bauen - in einer Garage natürlich. Weitere berühmte Garagenfirmen sind Google, Microsoft, YouTube. Ihnen gemeinsam ist eine richtig gute Idee, die sie ungeachtet der Umstände auch in einfachster Umgebung umsetzten - und die sie reich gemacht hat. YouTube, 2005 von Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim online gestellt, brachte bereits anderthalb Jahre später beim Verkauf an Google rund 1,65 Milliarden Dollar.
Außer der Bereitschaft, für eine bahnbrechende Innovation tief in die Tasche zu greifen, setzt Google vor allem auf eigene Visionen und hat dafür das "80:20- Prinzip" etabliert, ein Angebot an die Mitarbeiter, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit auf die Entwicklung neuer Ideen zu verwenden. So bleibt das Unternehmen gedanklich rege und offen. Keine Selbstverständlichkeit, weiß Professor Cornelius Herstatt. Der Gründer des Instituts für Technologie- und Innovationsmanagement (TIM) an der Technischen Universität Hamburg-Harburg weiß, wie wichtig, aber wie schwer es oft auch für große Unternehmen ist, schnell und flexibel auf Neuausrichtungen des Marktes oder technologische Entwicklungen zu reagieren. Er sagt: "Erfolg ist kein guter Berater, wenn es darum geht, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Denn Erfolg bestätigt die Vergangenheit und erschwert damit die Bereitschaft, offen für neue Entwicklungen zu sein."
Dazu kommen oft gravierende sachliche Gründe, die der Innovationsbereitschaft entgegenstehen. "Wenn massiv in eine bestimmte Technologie und die Etablierung dieser als Standard investiert wurde, ist es sehr schwer, einen gänzlich neuen Weg zu beschreiten und die Altinvestitionen abzuschreiben", erklärt Herstatt. Den Weg für Innovationen zu bereiten, ist eines der Ziele von TIM. "Wir sind aktiv an der Forschung und Marktforschung für Innovationen beteiligt. Das heißt, wir forschen etwa nach Ansatzpunkten für Innovationen, versuchen auch schwache Signale am Markt zu identifizieren und zu analysieren, ob sie für ein Unternehmen relevant sind. Daneben geht es um die Frage: Wie kann ich Mitarbeiter motivieren, sich aktiv mit Innovationen zu beschäftigen?"
Hat sich eine viel versprechende Idee herauskristallisiert und geht es um die Umsetzung in eine konkrete Marktlösung, ist Innovationsmanagement gefragt. Zwar scheint für eine innovative Entwicklung ein gewisses Maß an kreativem Chaos sinnvoll, "doch um die Idee ins Geschäft zu überführen, bedarf es der Systematik". Dazu müssen im Unternehmen entsprechende Strategien, Strukturen und ein passendes Projektmanagement etabliert werden. Stimmen diese Rahmenbedingungen erst einmal, ergibt sich daraus auch eine fruchtbare Innovationskultur, davon ist Herstatt überzeugt.
Mit der hiesigen Innovationskultur ist er durchaus zufrieden. "In Deutschland wird nach wie vor viel erfunden, entwickelt und patentiert - vielleicht hapert es noch manchmal an der Umsetzung in Marktlösungen, aber an einer Innovationskultur fehlt es nicht." Zudem sei Deutschland als Standort für Forschung und Entwicklung international sehr gefragt. "Viele ausländische Unternehmen forschen, entwickeln und patentieren gern in Deutschland und bauen hier ihre F+E-Abteilungen aus." Das spricht sowohl für die gute Innovationskultur als auch für den Fundus gut ausgebildeter Fachkräfte, aus dem geschöpft werden kann. Ein wichtiges Zukunfts-Kapital Deutschlands, denn auch Herstatt bestätigt: "Innovationen sind der Motor und das Rückgrat unserer Wirtschaft."
Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 21 - Virtuelle Teams




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