Dienstag, 29. Mai 2012, 14:36

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Karriere

Serie: So arbeiten wir morgen (Teil 18)

Intuition kann man lernen

Erfolgreiche Führungskräfte können gute Entscheidungen "aus dem Bauch heraus" treffen.

Wenn Unternehmer vor einer wichtigen Entscheidung stehen, möchten sie auf Nummer sicher gehen. Darum studieren sie Berichte, beschäftigen sich mit Excel-Tabellen voller empirischer Daten und befragen Analysen - in der Regel. Es gibt jedoch auch Unternehmer, die kurz entschlossen handeln - und damit goldrichtig liegen. Sie handeln aus dem Bauch heraus. Auf Grund eines zufälligen Impulses vertrauen sie ihrer Intuition.

Aber ist es nur ihr Gefühl, das sich da meldet? Ja und nein, meinen die Experten. Eine intuitive Entscheidung habe immer viel mit Wissen zu tun. "Intuition ist eine hoch komplexe und hoch entwickelte Form des Schlussfolgerns, die auf langer Erfahrung und Lernen beruht und auf Fakten, Mustern, Konzepten, Techniken, Abstraktionen und allem, was wir als formales Wissen bezeichnen, in unserem Kopf abgespeichert haben", erklären Franz Bailom, Kurt Matzler und Dieter Tschemernjak. Die Autoren von "Was Top-Unternehmen anders machen" haben die Intuition als eine der Fähigkeiten identifiziert, die erfolgreiche Führungskräfte auszeichnet. "Sie besitzen die Fähigkeit, Glück zu haben. Sie haben das Talent, Zufälle zu nutzen", schreiben sie.

Zufall aber liege keineswegs vollkommen außerhalb des eigenen Einflussbereichs. "Es gibt Menschen, die besser in der Lage sind ,zufällige' Chancen zu erkennen und sie im richtigen Augenblick zu ergreifen. Was dann den meisten Außenstehenden als Zufall erscheint, war in Wirklichkeit die Intuition und Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Dinge zu tun." Trotzdem wurde dem Entscheidungshelfer "Intuition" lange Zeit heftig misstraut.

Inzwischen ändere sich das, betont Gerald Traufetter. Der Autor von "Intuition - Die Weisheit der Gefühle" meint: "Die Orte, an denen im Gehirn die Gefühle beheimatet sind, galten als Sperrgebiet für den aufgeklärten Geist. Das hat sich grundlegend geändert." Nun endlich erforschen Neurowissenschaftler die psychologischen, molekularbiologischen und neurologischen Grundlagen des Entscheidens. Sie fragen: "Wann ist der Verstand am Zuge, welchen Anteil hat das Unbewusste? Wie gut funktioniert die Intuition? Wann kann man ihr trauen, wann scheitert sie?" Der Grund für das Interesse am Phänomen Intuition liegt zum einen in der Tatsache, dass unserem Wissen Grenzen gesetzt sind. So erklärt Wissenschaftspublizist Michael Gleich in dem Buch "Living at Work": "Notwendigerweise bleibt in komplexen Situationen eine irgendwie nicht fassbare Grauzone übrig. Hier hilft eine bei eingefleischten Rationalisten verpönte Instanz weiter: die Intuition."

Zum anderen aber ist unsere schnelllebige Zeit schuld. "Der technische Fortschritt, die komplexe, computerisierte Wirtschaftswelt fordern unerbittlich in jeder Sekunde von neuem schnelle Entschlüsse von denen, die an den Schalthebeln dieser Maschinerie sitzen", erklärt Traufetter und nennt als ein Beispiel Investmentbanker: "Mehr als die Hälfte der jeweils 50 000 täglichen Transaktionen gehen in weniger als einer Sekunde über die Bühne. Typischerweise dauert es nur 485 Millisekunden, bis sich einer der Trader zu einem Deal entschlossen hat. Der Verstand hat in diesem Wimpernschlag gar keine Gelegenheit, nennenswert aktiv zu werden."

Dass ein Teil dieser Transaktionen tragisch fehlschlägt, weiß auch Traufetter. Aber das ändert nichts an der Realität, die sich kaum wieder entschleunigen dürfte. Doch das "raffinierte System" Intuition, basierend auf Wissen und Erfahrung, und dirigiert von Gefühlen, kann mit der zunehmenden Geschwindigkeit Schritt halten - und es lässt sich erlernen, verspricht Traufetter. Je mehr wir unsere Basis aus theoretischem und praktischem Wissen erweitern und unsere Wahrnehmung für diesen Prozess sensibilisieren, desto besser funktioniert die Intuition.


Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 19 - Wissen managen

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus