Serie: Das will ich wirklich! (Teil 2)
Werde, der du bist!
Sie haben einen Beruf. Entspricht er aber auch Ihrer wahren Berufung?
Er hatte einfach "den Kaffee auf". Schluss, keine Lust mehr auf seine Tätigkeit. Knut R. kündigte seinen Arbeitsvertrag als Leasingexperte bei einer norddeutschen Großbank. Mehr als 20 Jahre hatte der 47-Jährige in der Kreditbranche gearbeitet. "Lern etwas Anständiges, Junge. Geh zu einer Bank", erinnert er sich an die Worte seiner Eltern. Solides Gehalt, sicherer Arbeitsplatz. Knut R. war gut in seinem Beruf. Und dann kündigte er. Einfach so, ohne einen neuen Job zu haben.
"Ich war seit Jahren unzufrieden mit meinen Aufgaben. Es war alles Routine." Sein Beruf langweilte ihn: "Die Arbeit füllte nur die Zeit aus und diente dem Broterwerb, aber sie gab mir persönlich keine Befriedigung mehr."
So wie Knut R. empfinden viele ihren Arbeitsalltag. Geht es Ihnen auch so? Der Job macht Ihnen keinen Spaß? Sie haben nicht die Position, die Sie eigentlich verdienen? Sie freuen sich nur noch auf den Feierabend, aber nicht mehr auf Ihre Arbeit? "Dann ist es allerhöchste Zeit, dieses Muster zu durchbrechen. Suchen Sie sich einen Beruf, der Sie nicht nur ernährt, sondern auch erfüllt!", sagt die Karriereberaterin Angelika Gulder.
Vielen erscheint diese Forderung als Utopie. Denn in Deutschland ist der Begriff "Beruf" traditionell mit der Vorstellung eines festen Arbeitsplatzes verknüpft. Damit stehen die Aspekte Sicherheit und Geldverdienen im Vordergrund. Die etymologische Wurzel jedoch, wonach jemand berufen ist, eine bestimmte Tätigkeit auszuüben, spielt eine nachrangige Rolle.
Angelika Gulder allerdings geht davon aus, "dass unsere Lebensaufgabe darin besteht, die Berufung zu finden und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu leben". Dieser Gedanke ist nicht modern. Schon Nietzsche forderte: "Werde, der du bist." Theodor Storm schrieb: "Eine Arbeit, die uns Befriedigung gewährt, ist gewiss das beste und solideste Glück." Und Kant verkündete: "Sein eigenes Glück zu sichern ist eine Pflicht."
Der Gedanke der Selbstverwirklichung spielt also nicht erst in der Postmoderne eine Rolle. Aber er wird umso moderner, je unsicherer feste Arbeitsverhältnisse werden. Glaubt man Management-Vordenkern wie Tom Peters, so sind die Berufskarrieren alter Prägung endgültig passe: "Der durchschnittliche Berufsweg wird zwei oder drei ,Berufe' und ein halbes Dutzend oder mehr Arbeitgeber umfassen."
Sie werden sich künftig von Job zu Job, von Projekt zu Projekt oder Auftrag zu Auftrag bewegen. Dafür müssen Sie kreativ sein, unternehmerisch denken und Netzwerke aufbauen und pflegen. Mit Karrieregeilheit und Ellenbogenmentalität hat diese Art der Selbstverwirklichung nichts zu tun. Dieser Herausforderung begegnen Sie am besten, wenn Sie Ihre Stärken und Ihre Berufung kennen.
Dabei helfen Ihnen kompetente Ratgeber . Sie müssen Fragen beantworten wie:
Was verleiht Ihnen das Gefühl von Sinn?
Was ist Ihnen wichtig?
Wo liegen Ihre Stärken?
Bereits nach kurzem Nachdenken stellen Sie selbst fest: Mal eben schnell zwischendurch können Sie solche Fragen nicht beantworten. "Ich habe mich mehrere Wochen lang, Tag für Tag acht Stunden lang durch das Buch von Richard Bolles gearbeitet", erzählt Ex-Banker Knut R. Er hat seinen Traumjob jetzt gefunden und arbeitet als Finanzplaner in der Entwicklungshilfe.
Wie er ein neues Berufsleben zu starten können sich nur wenige finanziell leisten. Aber, so Angelika Gulder: "Es geht nicht darum, Ihr Leben radikal zu verändern, sondern es mehr und mehr um das zu ergänzen und zu bereichern, was Ihnen wichtig ist."



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