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Karriere

Betriebspraktika: Kooperation zwischen Schulen und Wirtschaft

Lehrer lernen, wie Firmen ticken

Bessere Berufsvorbereitung: Schüler profitieren von den Erfahrungen.

Auch Lehrer machen Praktika. Carsten Griese zählt Geld in der Bank und ist bei Kunden- und Teamgesprächen mit dabei. Der 37-Jährige unterrichtet sonst Sport und Englisch am Gymnasium Dörpsweg und ist einer von fünf Teilnehmern, die beim Projekt "Innenansichten - Lehrer erleben Wirtschaft" ihr einwöchiges Betriebspraktikum bei der Dresdner Bank absolvieren.

"Wir haben als Lehrer eine Fortbildungspflicht von 30 Stunden pro Jahr", sagt der gelernte Schifffahrtskaufmann. "Das Thema Berufsorientierung ist mir eine Herzensangelegenheit. Deshalb habe ich auch die Dresdner Bank ausgesucht." Diese habe sich das Thema auf die Fahnen geschrieben. Ziel sei es, möglichst viele nützliche Erkenntnisse für die Schüler mitzunehmen und diese konkreter an Praktika und Vorstellungen aus der Wirtschaft heranzuführen. "Die Lehrer sind bei uns von Anfang an in den Auswahlprozess integriert", sagt Susanne Adam, Leiterin der Ausbildungsabteilung bei der Dresdner Bank. So diskutiert Carsten Griese die Bewerbungsschreiben mit, nimmt am schriftlichen Einstellungstest teil und ist bei den Gruppengesprächen der jungen Bewerber im Beobachtergremium. "Ich möchte erfahren, was Schüler als Bewerbung abliefern und was Firmen heutzutage von den jungen Bewerbern erwarten."

An einem Tag erhalten die Lehrer Einblick in den Filialalltag, sind bei Teambesprechungen und Kundengesprächen dabei. Außerdem können sie mit den Azubis Gespräche führen. "Es geht darum, unbürokratisch Verbesserungen für beide Seiten zu erzielen", erklärt Susanne Adam das Ziel des Projekts. So entstehe für die Bank eine Kooperation, ein Netzwerk mit Hamburger Schulen.

Innenansichten läuft seit 1997 und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Handelskammer und der Behörde für Bildung und Sport. In diesem Jahr standen insgesamt 140 Praktikumsplätze in 60 Unternehmen zur Verfügung. Darunter sind Airbus, Axel Springer, Beiersdorf, Blohm + Voss, Max Bahr, Metro und Shell. "Ein breiter Branchenmix ist im Projekt vertreten", sagt Christoph Herting von der Handelskammer.

Seit Beginn des Projekts haben 700 Lehrer die Gelegenheit genutzt, zu erfahren, wie Wirtschaft in Betrieben funktioniert. Mit Vorteilen für alle Beteiligten: Die Jugendlichen haben einen besseren Start ins Berufsleben, die Schulen werden attraktiver und die Unternehmen bekommen besser vorbereitete Auszubildende. Herting: "Wir wollen den Dialog zwischen Schule und Wirtschaft voranbringen, die Sensibilität für die Belange der Firmen erhöhen und die Beratungskompetenz der Lehrkräfte steigern."

Für Christian Buzuk, Lehrer am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, steht nach dem Praktikum bei der Bank weiterhin fest: "Lehrer ist und bleibt mein Traumberuf."Er sei jedoch neugierig gewesen, was von Bankkaufleuten heute verlangt werde. Fazit des 31-Jährigen: "Noten sind nicht alles. Ich dachte nicht, dass so viel Wert auf soziale Kompetenz gelegt wird." Die Personaler der Bank schauen besonders auf Fähigkeiten wie Kommunikation und Verkaufen. Buzuk: "Ich habe mich über das moderne Berufsbild des Bankers getäuscht und kann für meine Schüler viel aus dem Praktikum mitnehmen." So auch die Erkenntnis, dass Firmen außerschulisches Engagement sehr hoch bewerten. "Das beginnt schon beim Nachhilfe geben oder ehrenamtlichen Tätigkeiten und Aktivitäten für Vereine", sagt der Lehrer.

Auch im nächsten Jahr wird Innenansichten fortgesetzt. "Wir sprechen jedes Jahr alle Hamburger Schulen an und wollen noch mehr Lehrer für das Betriebspraktikum gewinnen", sagt Christoph Herting. Carsten Griese möchte im nächsten Jahr in jedem Fall wieder mitmachen: "Vielleicht diesmal bei Ikea oder Otto."

 

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