Was macht eigentlich ein... Oenologe
Für Liebhaber des edlen Rebensafts klingt das nach einem Traumjob: Oenologen (vom Griechischen oenos = Wein, logos = Lehre) sind Weinwissenschaftler. Sie studieren acht Semester Weinbau, Kellerwirtschaft und Betriebswirtschaft am Fachbereich Geisenheim der Fachhochschule Wiesbaden und schließen mit dem Master ab. Nach vier Semestern Aufbaustudium an der Universität Gießen sind sie dann Diplom-Oenologen. Nur zehn Weinfachleute pro Jahr bilden den Nachwuchs für die Leitung der Weingüter, finden sich in Spitzenpositionen der deutschen Weinwirtschaft, in Großbetrieben, Industrie, Verbänden und Behörden.
"Weinbau ist ein sehr vielseitiger Zweig", sagt Ernst Büscher, Leiter der Pressestelle am Deutschen Weininstitut und zugleich Oenologe. "Es gibt kein anderes Produkt, bei dem ein Hersteller seine Einflußnahme von Anfang bis Ende selbst in der Hand hat." Beim Wein heißt dies: vom Pflanzen des Rebstockes, Ernten der Trauben, Vergären, Verarbeiten, Verkaufen ist die Produktion komplett in einer Hand. "Das ist ein sehr vielseitiger Beruf, der Kenntnisse in vielen verschiedenen Bereichen fordert." So gehören zum Studium beispielsweise Biologie, Chemie, Botanik, Bodenkunde, Rebenzüchtung, Marketing sowie Filtrations- und Abfülltechnik. "Der Beruf macht sehr viel Freude. Man hat mit netten Menschen zu tun, denn Weinfreunde sind Genußmenschen", so Büscher. Außerdem habe das Thema Wein viele Facetten und auch immer einen kulturellen und geschichtlichen Bezug.
Dennoch: "Falsche Romantik ist in diesem Job völlig fehl am Platz", sagt Professor Otmar Löhnertz, Dekan am Fachbereich Geisenheim. Der Konkurrenzdruck sei enorm. "Der Wettbewerb national wie international ist knallhart." Mehr als die Hälfte des Weines, der in Deutschland getrunken werde, stamme aus Importen. "In Deutschland wird über den Preis gekauft, die Verbraucher sparen auch beim Wein."
Dem Oenologen stehen zahlreiche Berufswege offen, beispielsweise in Vertrieb, Marketing, Verwaltung, als Kellermeister, im Ausland oder als Lehrer und in der Beratung - trotzdem bleibt es ein Nischenberuf.













