Raue Zeiten für Berater
Entlassungen: Die Consulting-Branche schrumpft sich wieder gesund.
Die Beraterzunft hat einiges von ihrem Zauber verloren - zum einen wegen der öffentlichen Diskussion um die Auftragsvergabe, zum anderen hat ihre Attraktivität als Arbeitgeber deutliche Schrammen bekommen. Tausende von Mitarbeitern wurden in den vergangenen zwei Jahren entlassen. Damit hat mancher Berater ein Schicksal am eigenen Leib erfahren, mit dem er sich in seiner beruflichen Praxis oft genug auseinander setzen musste - allerdings meist auf der Seite der Entscheider, und nicht der Betroffenen.
"Viele machen sich nicht klar, dass auch Unternehmensberatungen konjunkturabhängig sind", sagt die Betriebswirtschaftlerin Sarah Gatter. "In guten Zeiten sind Unternehmensberatungen tolle Arbeitgeber. Aber in schlechten Zeiten wird auch massiv entlassen." Die 31-Jährige arbeitete als Consultant bei PricewaterhouseCoopers und bei Kienbaum, wo sie gekündigt wurde. Inzwischen hat sie in einem Industrieunternehmen einen neuen Job.
Die Statistik des Arbeitsamtes verrät nichts über Entlassungen von Consultants. Denn hinter der Rubrik Dienstleistung, die regelmäßig erfasst wird, verbergen sich unterschiedliche Branchen und Berufszweige. Die Unternehmensberatungen selbst üben sich beim Thema Entlassungen in ihrer größten Tugend: Diskretion. Die Öffentlichkeit erfährt nur selten Zahlen. So musste Bearing Point, die ehemalige Beratersparte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, mehrere hundert Mitarbeiter entlassen. Auch durch den Verkauf der Unternehmensberatung von PricewaterhouseCoopers an IBM gingen hunderte von Arbeitsplätzen verloren.
Jörg Forthmann von Mummert Consulting in Hamburg macht kein Geheimnis aus dem Personalabbau seiner Firma. Das Beratungsunternehmen musste 200 Leute entlassen. "Da die Kunden ihre Budgets gekürzt haben, wissen sie auch, dass wir weniger Mandate haben. Sie können unsere Entlassungen nachvollziehen und schätzen unsere Ehrlichkeit."
Ein Viertel bis ein Drittel der Mitarbeiter in den großen Beratungsgesellschaften Hamburgs seien entlassen worden, schätzt Guido Leyh, Personal- und Outplacementberater in Hamburg. Viele hätten aus Imagegründen auf Kündigungen verzichtet. Bevorzugte Trennungsart sei der Auflösungsvertrag. Einen solchen Vertrag unterschrieb auch Sven Meyer von PricewaterhouseCoopers. Die Arbeit findet er nach wie vor sehr interessant; sie biete schnell Einblick in viele Unternehmen und spannende Projekte. Aber der 34-jährige Wirtschaftswissenschaftler sieht auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein: "Nach außen ist die Fassade der Beratungsunternehmen perfekt, aber hinter den Kulissen sieht es nicht anders aus als in den Unternehmen, die beraten werden."
Die Situation hat auch Vorteile für der Beratungsunternehmen. Früher erwarteten und bekamen Einsteiger ein sechsstelliges Jahresgehalt. So entstand in den Boom-Zeiten ein falsches Bild der Branche. Guido Leyh: "Attraktiv ist der Arbeitplatz Beratung noch immer und ein gutes Sprungbrett für die Karriere, da man viele Erfahrungen sammeln kann und herausfordernden Projekten begegnet." Das Gehaltsniveau habe sich normalisiert, so der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.
Entlassene Berater, die jetzt eine neue Stelle suchen, orientieren sich gern in Richtung Industrie. Ein häufiger Wechsel zwischen Beratungsunternehmen und der freien Wirtschaft ist allerdings nicht möglich. Herbert Mühlenhoff, Outplacementberater in Hamburg: "Die Berater müssen strategisch planen, wo sie sich auf Dauer platzieren wollen. Das Anforderungsprofil eines Beraters und einer Führungskraft in anderen Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Während von den einen Querschnittsdenken verlangt wird, müssen die anderen Mitarbeiterführung beherrschen."



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