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Karriere

Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Letzter Teil)

"Für uns ist es einfach schwieriger"

Ausländische Berufsabschlüsse müssten endlich voll anerkannt werden, findet Fernanda Gil.

"In Deutschland ist man sehr auf Abschlüsse und Zertifikate fixiert", sagt Fernanda Gil. "Wenn man die entsprechenden deutschen Papiere nicht hat, glaubt einem keiner, dass man dennoch über die Qualifikation verfügt." Ein Problem vieler Ausländer in Deutschland - unter dem auch die 47-jährige Spanierin jahrelang zu leiden hatte: Ihr an der Universität von Santiago de Compostela erworbener Psychologie-Abschluss wurde in Deutschland nicht anerkannt. Nach langem Warten auf einen Studienplatz und dank hilfsbereiter Kollegen, die ihr ein nebenberufliches Studium ermöglichten, gelangte sie 2008 endlich ans Ziel.

Seit vergangenem Jahr ist Fernanda Gil nun Diplom-Psychologin nach deutschem Muster, ausgebildet an der Uni Hamburg. Doch ob sie jemals als Therapeutin arbeiten wird, weiß sie noch nicht. Sie mag ihren Job als Beraterin für Migrantinnen beim Projekt "Wege in den Beruf" der gemeinnützigen Gesellschaft passage. "Doch im Weiterbildungsbereich gibt es ja zurzeit kaum unbefristete Projekte." Darum war es ihr wichtig, sich alle Optionen offenzuhalten.

Fernanda Gil arbeitet seit 2001 bei passage. Sie hat die Beratungsstelle am Nagelsweg mit aufgebaut. Ursprünglich hat sie mit Migrantinnen deren berufliche Möglichkeiten ausgelotet und Bewerbungstrainings gemacht. Doch die Beratung auf breiter Basis habe inzwischen aus Mangel an Fördergeldern eingestellt werden müssen. Nach sieben Jahren übernahm Fernanda Gil darum 2008 die Verantwortung für das Projekt MiKe, in dem Ausländer auf die Kenntnisprüfung als Krankenpfleger oder -pflegerin vorbereitet wurden. Auch das ist mittlerweile beendet. Seit Anfang 2009 arbeitet sie im bis 2010 laufenden Projekt MiA ebenfalls mit Kandidaten aus der Pflege (s. Kasten). Dass die Teilnehmer oft große Berufserfahrung haben, aber trotz des in Deutschland herrschenden Fachkräftemangels nicht in Kliniken und Heimen eingesetzt werden können, findet Fernanda Gil alles andere als logisch. "Stattdessen sind sie auf öffentliche Hilfsleistungen angewiesen oder müssen in nicht qualifizierten Tätigkeiten arbeiten - das ist Verschwendung!"

Die 47-Jährige ist in der Kleinstadt Betanzos in Galicien aufgewachsen. "Als Einzelkind", sagt sie lachend. "Ich habe keine große Familie, ganz anders als man sich das bei Spaniern vorstellt." Nach ihrem Studium in der Regionshauptstadt Santiago, dem Wallfahrtsort am Ende des Jakobswegs, ging sie zurück in ihre Heimatstadt Betanzos und arbeitete dort als Psychologin in einer Praxisgemeinschaft. "In Spanien muss man neben der ärztlichen auch eine psychologische Untersuchung machen lassen, um zur Führerscheinprüfung zugelassen zu werden", erklärt sie. Das war ihre Aufgabe. "Ein bisschen einseitig." Sie hatte therapeutisch mit Menschen arbeiten wollen - und war jetzt damit beschäftigt, Führerscheinanwärter zu testen und die Ergebnisse auszuwerten. Darum war Fernanda Gil auch nicht so richtig enttäuscht, als sie nach fünf Jahren ihre Stelle in der Praxis verlor - auch wenn die Zeit für einen Jobwechsel nicht die beste war: "Anfang der 90er-Jahre war die Arbeitslosigkeit in ganz Spanien groß."

Die Einladung eines Hamburgers, den sie in Portugal kennengelernt hatte, kam ihr gerade recht. "Ich war bis dahin noch nie in Deutschland gewesen und hatte einfach Lust, mal über den Tellerrand zu gucken und eine neue Sprache zu lernen." Im Januar 1992 flog die damals 30-Jährige nach Hamburg. Und war erst einmal enttäuscht. "Ich hatte Schnee erwartet", erinnert sie sich. Stattdessen empfing sie graues Regenwetter. "Aber die Stadt hat mir von Anfang an gut gefallen. Man hat in Hamburg viele Möglichkeiten, aber dennoch nicht das Gefühl, verloren zu gehen, wie etwa in Berlin."

Die Urlaubsbekanntschaft entpuppte sich unterdessen als große Liebe - und so lag auf der Hand, dass Fernanda Gil hierbleiben würde. "Damals war es einfach, auch ohne Deutschkenntnisse einen Job zu finden." Zuerst arbeitete sie bei der Post. "Postleitzahlen kann man auch ohne Deutsch sortieren." Parallel besuchte sie Sprachkurse und ging mit ihrem Freund in Hamburgs Kultur auf Entdeckungsreise. Filme, besonders kleine Produktionen, hinter denen kein großes Budget steckt, begeistern sie noch heute. Ebenso wie die Tatsache, dass sich auch in Hamburg das Draußen-Sitzen vor Restaurants und Cafes in den vergangenen zehn Jahren etabliert hat. Den "sehr blauen Himmel" Spaniens und das besondere Licht dort vermisst sie allerdings weiter. Da helfen auch die ein bis zwei jährlichen Besuche in der Heimat nichts.

Doch trotz des guten Starts stand Fernanda Gil noch eine Enttäuschung bevor: "Ich war in der Überzeugung gekommen, dass mein beruflicher Abschluss anerkannt werden würde und ich nur noch Deutsch lernen müsste, um als Psychologin zu arbeiten", erinnert sie sich. Stattdessen jobbte sie in der Gastronomie und im Warenlager, gab Spanischunterricht. Darum kann sie auch so gut verstehen, dass viele ausländische Fachkräfte, die hier nicht in ihrem Beruf arbeiten dürfen, frustriert sind.

Manchmal sei es leider einfach Glückssache, den richtigen Arbeitgeber zu finden, der auch ohne Zertifikat Vertrauen zu einem habe, sagt Fernanda Gil. "Für uns Migranten ist es einfach schwieriger, im Berufsleben anzukommen, als für Deutsche. Fördermaßnahmen sind darum natürlich interessant, aber es ist noch wichtiger, dass die Benachteiligung mindestens bei den Berufsabschlüssen endlich aufhört."

 

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