Fiese: Kollegen Sie unterschlagen Informationen und lästern
So wehrt man sich gegen Intriganten
Grenzen zeigen: Sprechen Sie den Hinterhältigen an, gehen Sie notfalls zum Chef oder zum Betriebsrat.
Was für ein Intrigant: Erst bietet er großzügig Hilfe an, dann erzählt er herum, er habe der völlig überforderten Kollegin unter die Arme greifen müssen. Er übernimmt während der Mittagspause den Telefondienst, "vergisst" dann aber den Kollegen die Anrufe auszurichten. Und dann erläutert er auch noch stolz dem Chef seine neueste Idee. Nur dass es gar nicht seine ist . . .
Wenn hinter solchen Ärgernissen ein System erkennbar wird, ist es dringend Zeit zu handeln. Denn wer faule Tricks am Arbeitsplatz einsetzt, hört damit nicht einfach wieder auf. Die Situation muss zur Sprache gebracht werden. Im Falle des sich mit fremden Federn schmückenden Kollegen rät Professor Ulrich Kohler, Trainer und Konfliktmanager vom Weiterbildungsunternehmen Triple A: "Zum einen zum Chef gehen und die Situation klarstellen, zum anderen den Kollegen selbst ansprechen." Dabei sollte man aber nicht von geistigem Diebstahl oder Ähnlichem reden. "Solche Anklagen führen nur zur Eskalation der Situation. Besser ist, eine Ich-Botschaft auszusenden und zu sagen: Ich verstehe nicht, warum du meine Idee vorgetragen hast."
Der Konfliktmanager wird häufig von Unternehmen engagiert, die ihren Betriebsfrieden wiederherstellen müssen. Denn wo faule Tricks überhand nehmen, leidet schnell die Effektivität. "Der Konflikt vergiftet die Arbeitssituation, stört die Konzentration, das Engagement und die Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter", erklärt Kohler. Den "typischen Intriganten" gebe es allerdings nicht. "Aber ganz grob gesagt sind es eher die Extrovertierten oder Dominanten, die zu einem Weltbild von Gewinnern und Verlierern neigen. "
Die Bandbreite übler Tricks reicht vom Zurückhalten von Informationen, geistigem Diebstahl, dem Durchsuchen oder Verschwindenlassen von Unterlagen bis hin zum Lästern und zu bösartigem Flurfunk. Dieser sei oft Ausdruck eines bereits eskalierten Konflikts und einer gestörten Beziehung. "Das muss unbedingt bereinigt werden, sonst ist eine Zusammenarbeit kaum mehr möglich."
Denn was vergleichsweise harmlos beginnt, "kann sich zu einer systematischen Schikane auswachsen", weiß Psychologin Susanne Anhäuser. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, "passieren am Ende gerade die Fehler, die der übel wollende Kollege zuvor im Flurfunk angeprangert hat", sagt die Konflikt- und Mobbingberaterin. Schließlich verfügen nur wenige über ausreichend Souveränität, üble Nachrede vollständig ignorieren zu können.
Anhäuser plädiert dafür, das Verhalten möglichst sofort anzusprechen. Denn sonst erhalte der Intrigant das Signal, "Mit dem kann ich's ja machen". Warum also sollte er aufhören? Ist der unfaire Kollege uneinsichtig, muss der Chef einbezogen werden, meint Anhäuser. Sollte auch der involviert sein, wie manchmal in Mobbingfällen, dann der Betriebs- oder Personalrat, der Chef vom Chef oder die Gewerkschaft. "Auch Externe und Selbsthilfegruppen können helfen."
Doch so weit muss es nicht kommen, denn auch im Vorwege lässt sich einiges tun, um es dem Intriganten schwer zu machen. "Räumen Sie Ihren Schreibtisch abends auf und verschließen Sie vertrauliche Informationen, leiten Sie Telefonate auf Ihr Handy um oder checken Sie nach einer Abwesenheit das Display, um zu sehen, wer angerufen hat", rät Anhäuser.
Trotzdem helfen Vorsichtsmaßnahmen nur bedingt. Ein zu allem entschlossener Kollege wird auf seine Chance lauern. Zudem kosten die ständigen Vorsichtsmaßnahmen sowie das diffuse Gefühl, unlauteren Machenschaften ausgesetzt zu sein, viel Energie. Genau das sei das perfide an der Situation, sagt Anhäuser: "Es ist ein subtiles Vorgehen, schwer greifbar, das aber schnell zu Unsicherheit führt."
Ist er bösartig oder nur eine Klatschbase? Doch wie unterscheidet man einen wirklich Hinterhältigen vom Vergesslichen oder einer Klatschbase? Auftrittscoach Meike Müller zählt in ihrem Buch "Nervensägen im Griff" einige Merkmale auf: Intriganten sind Meister im Gerüchte verbreiten; neigen zum Übertreiben, Lügen, Andeuten und Tratschen; spielen Menschen gegeneinander aus; horchen sie aus. Müller: "Und spricht man sie auf ihr Verhalten an, spielen sie die Unschuld in Person." Hat man sich schließlich durchgerungen zu glauben, dass der Kollege hinter der Fassade ganz und gar nicht nett ist, trifft man in der Konfrontation meist auf einen ausgefuchsten "Sich-Rauswinder". Sätze wie "Das war doch ganz anders gemeint" oder "Ich hätte nicht gedacht, dass Sie mir so etwas unterstellen, wo wir doch immer so gut zusammengearbeitet haben" seien ganz typisch, betont Müller.
Die Beraterin empfiehlt, sich mit anderen zu verbünden, wenn ein erstes Vieraugengespräch nicht gefruchtet hat. Denn häufig sägen Intriganten nicht nur am Stuhl einer Person. "Es ist also meist möglich, sich Verbündete zu suchen und ihn gemeinsam erneut zur Rede zu stellen. Dann ist er schon mal mit einer zahlenmäßigen Übermacht konfrontiert und bekommt das Gefühl, so nicht weitermachen zu können."
Doch warum es dem fiesen Kollegen nicht gleichtun? "Auf keinen Fall", sagt Meike Müller entschieden. "Kurzfristig mag Gleiches mit Gleichem zu vergelten, vielleicht eine gewisse Befriedigung bieten." Langfristig sei es aber ganz sicher keine gute Strategie: "So schaukelt sich die Situation nur unnötig hoch."



Hartmann
Dr. Borsay
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