Teilzeitausbildung: Zwei Modelle mit 25 oder mit 30 Wochenstunden
Eine Perspektive für junge Eltern
Um Schule, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, bringt eine Initiative Firmen und Bewerber zusammen.
Janine Vorwerk kann gut verkaufen - nicht zuletzt auch ihren Wunsch nach einer Teilzeitausbildung als Verkäuferin. Ausbildungsleiterin Luisa Urbschat hat die 23 Jahre alte Mutter jedenfalls auf Anhieb überzeugt. "Das ist für Lindner Feinkost die erste vertragliche Teilzeitausbildung. Ganz einfach, weil die Bewerbung von Frau Vorwerk so überzeugend war."
Dennoch war es für die Hauptschülerin ein steiniger Weg bis zum abgeschlossenen Teilzeitvertrag. An die 70 Bewerbungen hat sie geschrieben, nicht wenige Einzelhändler haben von vornherein abgelehnt: "Viele denken, Teilzeit lässt sich nicht mit den Arbeitszeiten vereinbaren", so Janines Erfahrung. Mancher Arbeitgeber befürchtet zudem Fehlzeiten durch die Kinderbetreuung, weiß Heike Rumpel. Die Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur bedient das Info-Netzwerk "Teilzeitausbildung in Hamburg", zu dem sich Kammern, Behörden und Arbeitsagentur Ende letzten Jahres zusammengeschlossen haben.150 überwiegend weibliche Interessenten unter 30 Jahren haben die Hotline bereits angewählt. Ein Drittel, darunter auch zwei Väter, wurde in die Bewerberliste aufgenommen: "Viele scheitern an den Vorgaben der Kammern", erklärt Heike Rumpel.
Im neuen Berufsbildungsgesetz von 2005 ist das Recht auf eine Teilzeitausbildung gesetzlich verankert. Praktisch gibt es zwei Modelle - die verkürzte Ausbildung mit einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden und die um ein Jahr verlängerte Ausbildung mit einer Wochenarbeitszeit von rund 25 Stunden. Allerdings muss der Berufsschulunterricht bei beiden Modellen in vollem Umfang besucht werden: "Die Schulen können ja nicht für ein, zwei Teilzeitauszubildende eigene Klassen einrichten", erklärt Sachbearbeiterin Rumpel. In der Praxis überwiege eindeutig das erste Modell. Es werde auch von den Auszubildenden bevorzugt, fordere diese aber auch: "Sie müssen gleichzeitig Schule, Beruf und Familie unter einen Hut bringen." Und das erfordert viel Anstrengung. Ganz besonders, wenn außergewöhnliche Situationen wie Krankheit dazwischenkommen. Heike Rumpel zieht den Hut vor so viel Einsatzbereitschaft: "Ich erlebe die jungen Frauen als sehr verantwortungsvoll. Sie wollen nicht nur die Familie durch eine gute Ausbildung absichern, sondern auch Vorbild für den Nachwuchs sein."
Das bestätigt auch Eike-Maria Gerke. Die Geschäftsführerin des Internet-Fachhandels esska.de hat bereits zwei Teilzeitausbildungsverträge unterschrieben und will das auch zukünftig tun, weil sie darin Vorteile für beide Seiten sieht und bisher gute Erfahrungen gemacht hat: "Die Alleinerziehenden sind enorm diszipliniert und gut organisiert."
So wie Janine Vorwerk: "Wenn ich Spätschicht habe, ist Leonie bei einer Tagesmutter, sonst im Kindergarten." Um 19 Uhr endet bei Feinkost Lindner die Spätschicht. Mit Aufräumen und Saubermachen kann es schon mal 21 Uhr werden, bis die Alleinerziehende nach Hause kommt. So lange hat kein Kindergarten auf und hält kein Kleinkind durch. Teilzeitausbildung verlangt Flexibilität und Disziplin von allen Beteiligten.



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