Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Teil 2)
Bosnisch oder deutsch? Beides!
Als Deutsche fühlt sie sich vor allem in ihrer alten Heimat: Isidora Jovanovic, Azubi bei TNT Post.
Isidora Jovanovic sitzt am Empfang bei TNT Post Regioservice in Poppenbüttel. Das ist ihr zweitliebster Platz im Unternehmen. Sie begrüßt Kunden, telefoniert und organisiert das Büro. Noch besser hat der Auszubildenden nur der Außendienst gefallen. "Ich gehe einfach gern mit Menschen um. Es ist mir wichtig, viel Kundenkontakt zu haben", sagt sie. Die 19-Jährige ist im zweiten Lehrjahr zur Kauffrau für Bürokommunikation. Sechs Vorstellungsgespräche hatte die Absolventin der Höheren Handelsschule in Othmarschen, danach konnte sie sogar zwischen zwei Arbeitgebern wählen.
Isidora Jovanovic lebt seit 15 Jahren in Hamburg. Als sie vier Jahre war flüchteten ihre Eltern mit ihr aus Brcko, einer Kleinstadt im Norden von Bosnien und Herzegowina, nach Österreich zu den Großeltern. Dann kamen sie nach Hamburg, weil ihr Vater, Priester in der serbisch-orthodoxen Kirche, sich für eine Anstellung in der Hansestadt beworben hatte. An den Krieg kann sich die 19-Jährige nicht erinnern. Auch aus Erzählungen weiß sie nicht viel: "Nachdem wir geflüchtet waren, haben meine Eltern kaum mehr darüber gesprochen", sagt sie.
In Hamburg fühlt sie sich schon irgendwie zu Hause. "Aber wirklich Hamburgerin bin ich dann doch nicht", sagt Isidora Jovanovic. "Ich bin Ausländerin." Die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen, sei ihr zwar in den Sinn gekommen. "Denn ich möchte hier bleiben, ich lebe gern in Hamburg." Die Einbürgerung wäre also ein logischer Schritt. Dennoch zögert sie.
Während ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz hat sie allerdings schon intensiv darüber nachgedacht, die bosnische Staatsangehörigkeit aufzugeben. "Ich habe eine Zeit lang geglaubt, ich würde mit deutschem Pass bessere Chancen haben." Heute denkt sie das nicht mehr. Allerdings hatte die angehende Kauffrau auch das Glück, mit TNT Post einen Ausbildungsbetrieb zu finden, in dem ohnehin zahlreiche Nationalitäten vertreten sind. Auch darum liegen ihre Überlegungen, den Pass zu wechseln, jetzt erst einmal wieder auf Eis. Vielleicht denkt sie noch einmal darüber nach, wenn sie, wie sie es sich für die Zeit nach der Ausbildung vorgenommen hat, für ein Jahr beruflich ins Ausland geht. Als Deutsche könnte sie es mit dem Visum einfacher haben.
Bosnien kennt Isidora Jovanovic nur aus dem Urlaub, wenn sie Verwandte besucht. Da gibt es schon mal zwiespältige Momente, in denen sie nicht mehr so klar sagen kann, "was" sie denn eigentlich ist - Bosnierin oder Deutsche. "Denn wenn ich in Brcko bin, würde ich doch sagen, dass ich mich als Hamburgerin fühle." Sie kann sich vorstellen, irgendwann wieder nach Bosnien zurückzukehren. "Aber erst, wenn ich alt bin."
Zurzeit wäre das noch nichts für sie. "Man hat einfach nicht so viele Möglichkeiten", sagt die 19-Jährige. "Die Schulausbildung ist anders, es gibt weniger Produkte zu kaufen und wahrscheinlich auch keine Arbeit für eine Kauffrau für Bürokommunikation." Dabei ist ihr doch ein "guter und sichererer Arbeitsplatz" sehr wichtig. An ihren Sprachkenntnissen würde es nicht hapern. "Isi", so heißt sie bei ihren Freunden, spricht akzentfrei Serbisch. Denn das ist die Sprache, in der sie sich auch heute noch mit ihren Eltern unterhält. Dafür, dass sie ihre Wurzeln nicht vergisst, sorgt auch Mutters Küche: Dort wird nämlich ausschließlich serbisch gekocht.





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