Klartext: Wilhelm Alms über kluge Bewerberansprache
Authentisch bleiben!
Der Wettbewerb "Hamburgs beste Arbeitgeber" hilft Teilnehmern dabei.
Abendblatt:
Was müssen Unternehmen bieten, um kluge Köpfe für sich zu gewinnen?
Wilhelm Alms:
Heutige Fachkräfte, vor allem die etwa 30-Jährigen, die erste Führungserfahrung mitbringen, erwarten eine intelligente Mischung verschiedener Kriterien. Gehalt und Titel sind immer noch relevante Faktoren, doch darüber hinaus sind ein interessantes Aufgabenfeld, ein "sicherer" Arbeitgeber und die Work-Life-Balance wesentliche Aspekte, die für ein Unternehmen sprechen. Heutige Arbeitnehmer gehen zwar mit viel Engagement an ihre Arbeit, wollen sich aber nicht mehr dauernd zum Sklaven machen lassen, sondern auch ihr Privatleben intensiv verfolgen.
Abendblatt:
Wenn diese Faktoren gegeben sind, haben Unternehmen gute Chancen?
Alms:
Ja und nein. Sie müssen ihre Attraktivität auch authentisch kommunizieren. Heutige Bewerber sind sehr sensibel, sie erspüren und prüfen unbewusst, inwieweit die nach außen transportierten Werte auch innerhalb des Unternehmens gelebt werden. Ist das nicht der Fall, führt das leicht zu einem langfristig negativen Eindruck. Zudem wird großer Wert auf eine wohl durchdachte Personalentwicklung gelegt, denn auch heutige Fachkräfte wissen, in zehn Jahren ist ihr aktuelles Know-how veraltet. Diese Aspekte müssen von Unternehmensseite glaubwürdig transportiert werden. Tatsächlich präsentieren sich hier noch viele Unternehmen sehr unprofessionell.
Abendblatt:
Wie kann der Wettbewerb "Hamburgs beste Arbeitgeber" helfen?
Alms:
Der Wettbewerb soll genau in dieser Hinsicht sensibilisieren. Gerade der Mittelstand braucht oft noch Hilfestellung. Ziel ist es, dass Unternehmen selbstverständlich und systematisch ihre Qualitäten Arbeitnehmern und Bewerbern gegenüber kommunizieren und hervorheben.
Abendblatt:
Das klingt nach "Employer Branding", dem gezielten Entwickeln eine Arbeitgebermarke. Nützt das wirklich bei der Bewerbersuche?
Alms:
Hinsichtlich der Inhalte bin ich sehr für Employer Branding. Problematisch wird es nur, wenn sich Unternehmen aus einigen schlauen Büchern die fünf wichtigsten Überschriften herauspicken, danach ihre Broschüren erstellen und meinen, damit Employer Branding betrieben zu haben. Das funktioniert nicht, denn ein kluger Bewerber kratzt an dieser Lackoberfläche und findet nichts darunter. Employer Branding muss solide und seriös betrieben werden, sonst richtet es mehr Schaden an, als es nützt. Genauso gehen wir auch an diesen Wettbewerb heran. Unsere Idee ist auf Langlebigkeit ausgerichtet, wir hoffen noch die nächsten zehn Jahre den Wettbewerb ausrufen zu können.
Abendblatt:
Was konkret erwarten Sie von dem Wettbewerb?
Alms:
Es gibt zwei Szenarien. Im schlimmsten Fall haben wir einen erstklassigen Wettbewerb entwickelt, und keiner nimmt daran teil. Die bisherige Teilnehmerzahl spricht allerdings gegen dieses Szenario. Im besten Falle hingegen haben wir einen Riesenzulauf und auf den ersten fünf Plätzen absolute Top-Unternehmen. Daraus ergibt sich dann eine öffentliche Aufmerksamkeit, die bei Unternehmen, die nicht teilgenommen haben, zu zwei Reaktionen führt. Erstens: Verdammt! Wir waren nicht dabei. Und zweitens: Nächstes Jahr machen wir mit. Das löst automatisch eine Kettenreaktion aus, denn die angestrebte Teilnahme führt zu Aktivitäten innerhalb des Unternehmens, um den Anforderungen des Wettbewerbs zu entsprechen - und damit zu fantastischen Ratings.



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