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Karriere

Serie: So arbeiten wir morgen (Teil 23)

Schluss mit 67? Von wegen!

Die Grenze zwischen Arbeit und Rente wird variabel. Das passt zum Lebensstil der "Best Ager".

"Senioren" heißen heute "Generation plus" und stehen noch mit deutlich über 60 mitten im (Arbeits-)Leben. Vielleicht wird es bald sogar ganz normal sein, dreistellige Geburtstage zu feiern. Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski jedenfalls entwickelt diese Vision. In seinem Buch "Deutschland 2020" schreibt er: "Wie nie zuvor in der menschlichen Geschichte kommt es zu einer beispiellosen Zunahme der Langlebigkeit" und "Selbst ein Leben über 100 könnte mit Hilfe der Genforschung Wirklichkeit werden".

Fantastische Aussichten - wäre da nicht der drohende Kollaps unseres Rentensystems. Die Rente wird nach Ansicht Opaschowskis zur reinen Basisabsicherung. Somit zwinge die Angst vor Wohlstandsverlust dazu, die Lebensarbeitszeit zu überdenken. Oder vielmehr sich rückzubesinnen: "Früher arbeiteten die meisten Menschen ganz selbstverständlich bis ans Ende ihres Lebens", bringt er in Erinnerung. Entsprechend fordert Opaschowski: "Eine flexible Öffnung der Altersgrenze nach beiden Seiten - nach unten mit Rentenkürzungen und nach oben mit Rentenerhöhungen - muss zum Lebensarbeitszeitmodell des 21. Jahrhunderts werden." Die Notwendigkeit, zusätzlich Geld zu verdienen, könne ein "zweites Arbeitsleben" erfordern.

Nun ist es keineswegs so, dass sich wegen sinkender Renten Scharen von Senioren widerwillig von ihren Parkbänken erheben müssten. Denn parallel zum demografischen Wandel hat sich längst auch ein gesellschaftlicher vollzogen. Die heutigen Senioren unterscheiden sich gravierend von denen von vor zwanzig Jahren. Sowohl optisch als auch in ihrem Lebensstil haben sie sich drastisch verjüngt. Mit "Generation 50 plus"oder "Best Ager" haben sich passende Begriffe durchgesetzt. Längst bringt diese Gruppe ihr Wissen in Institutionen wie den Senior-Experten-Service (SES) oder, als Wirtschaftssenioren, bei der Handelskammer ein. Parallel dazu steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften in Unternehmen. "Wir beobachten bei Hamburger Unternehmen ein steigendes Interesse an älteren Mitarbeitern", sagt Ragna Sekora, Projektleiterin im Centrum Bildung und Beruf (CeBB), das sich auf die Beratung, Qualifizierung und Vermittlung von Menschen ab 45 Jahren spezialisiert hat.

"Ein Grund mag der wachsende Druck des Fachkräftemangels sein", vermutet sie. Doch zunehmend werde auch der Erfahrungsschatz Älterer gewürdigt. "Lebensbegleitende Weiterbildung muss das Motto lauten", sagt sie. Und das nicht nur, um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben, sondern auch flexibel im Kopf. Zwar gebe es unter Älteren noch gewisse Berührungsängste beim Umgang mit Computern, hat Sekora beobachtet. "Doch auch da vollzieht sich ein Wandel."

So dürfte die "Generation 50 plus" in Zukunft bis weit in die 60er und darüber hinaus in der Wirtschaft aktiv sein und gleichzeitig verstärkt in den Fokus von Industrie und Werbewirtschaft rücken. Opaschowski spricht von einem "prognostizierten Milliarden-Markt der Neuen Senioren". Wer daran partizipieren wolle, müsse sich den speziellen Bedürfnissen der älteren Generation anpassen. Diese solvente Zielgruppe hat Andreas Reidl mit seiner "A.GE - Agentur für Generationen-Marketing" in Nürnberg im Blick. Laut Reidl gelte es, deren besondere körperliche Befindlichkeiten zu berücksichtigen - etwa indem man eine größere Schrift für Verpackungen wähle -, ohne diese als Ausdruck von Gebrechlichkeit zu begreifen. Vielmehr solle die beachtliche Lebenslust der Gruppe angesprochen werden. "Zum Beispiel ist der Porsche Cayenne für mich das perfekte Senioren-Auto", sagt Reidl. "Jeder dritte Porsche wird heute von einem über 50-Jährigen gekauft." Der Vorteil: die Höhe von 1,69 Meter. Dadurch könnten auch Ältere bequem einsteigen und elegant wieder hinausgleiten.

Lesen sie am nächsten Wochenende: Teil 24 - Die neue Ethik

 

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