Serie: Gesund am Arbeitsplatz (Teil 8)
Einfach bewusster essen
Ideal: Vollkorn und fünf kleine Mahlzeiten am Tag.
Sie fühlen sich schnell abgespannt, müde und unkonzentriert? Das muss nicht immer an Überarbeitung oder Schlafmangel liegen. Werfen Sie doch mal einen kritischen Blick auf Ihren Speiseplan. "Denn wer sich falsch ernährt, schränkt damit die Leistungsfähigkeit seines Gehirns ein", sagt Norbert Struck, Personaltrainer und Coach aus Norderstedt. Und nicht nur das: Auf lange Sicht machen nicht nur Stress und mangelnde Bewegung krank - auch falsche Ernährung tut ihr Übriges. "Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthrose, Gicht oder Rheuma sind zu einem großen Teil ernährungsbedingt", erklärt Struck. Fertignahrungsmittel, sogenanntes Convenience Food, zu viel tierisches Eiweiß, Zucker und Auszugsmehl zermürben den Körper. "Doch die große Bedeutung der Ernährung ist vielen nicht klar." Obwohl die meisten Menschen - theoretisch - wissen, dass Vollkornprodukte, frisches Obst und Gemüse am häufigsten auf ihrem Speiseplan stehen sollten, Fleisch dagegen nur manchmal und Süßigkeiten noch viel seltener.
"Fehlende Bewegung, Stress und eben auch falsche Ernährung sind die Hauptursachen für Krankheiten am Arbeitsplatz", sagt Andreas Loos, Diplom-Ökotrophologe und Gesundheitsberater in Hamburg. Neben dem mangelnden Bewusstsein vieler Beschäftigter sei das starre Zeitkonzept in Unternehmen ein großes Hindernis für eine bessere Ernährung. "Wenn ich nur eine halbe Stunde Mittagspause habe und davon schon die Hälfte auf dem Weg zur Kantine und in der Essensschlange verbringe, bleibt mir kaum noch Zeit, um in Ruhe zu essen." Dabei müsse man sich zur Nahrungsaufnahme entspannen. "Sonst habe ich den Stress im Bauch, denn er ist ganz eng ans Verdauungssystem gekoppelt", sagt Loos. Verdauungsbeschwerden oder ein "nervöser Magen" können die Folgen sein. Über die generelle Qualität von Kantinen-Essen sind sich die Experten allerdings uneins. Andreas Loos meint, der Anspruch, schnell und preiswert viele Menschen zu versorgen, müsse auf Kosten der Frische gehen. Norbert Struck ist allerdings überzeugt, dass moderne Großküchen auch physiologisch wertvolles Essen bieten können.
Um den Körper leistungsfähig zu halten, sollte der Blutzuckerspiegel über den Tag hinweg auf möglichst gleichem Niveau bleiben. Zum Beispiel mit Hilfe von fünf bis sechs kleinen Mahlzeiten. So werden Gehirn und Organe kontinuierlich mit Energie versorgt. "Wichtig ist dabei, dass man komplexe Kohlenhydrate, wie sie zum Beispiel in Vollkornbrot, Gemüse und Nüssen vorkommen, zu sich nimmt", erklärt Struck. Sie werden vom Körper langsamer aufgeschlossen als einfache Kohlenhydrate, wie sie etwa in Süßigkeiten vorkommen. Bei der Umwandlung von komplexen Kohlenhydraten steigt der Blutzuckerspiegel langsamer an, bleibt länger auf einem leistungsfördernden Niveau und sinkt auch langsamer. Anders beim Verzehr einfacher Kohlenhydrate: "Durch sie hat man zwar ganz schnell Energie zur Verfügung, der Zuckerspiegel sinkt aber auch schnell wieder", betont Struck. "Anschließend ist man schlapp und unkonzentriert."
Oder man greift zum nächsten Schokoriegel. Die Schale mit Süßigkeiten, die in vielen Büros auf dem Tisch steht, ist verführerisch. "Da könnte man stattdessen Obst reinlegen", sagt Ökotrophologe Loos. Auch von pseudogesunden Snacks wie Müsliriegeln mit angeblich vielen "guten Zutaten" hält er nichts und warnt: "Man sollte nicht auf die Gesundheitsaussagen der Industrie vertrauen." Jedoch dürfe man auch nicht zu asketisch werden. "Natürlich darf man schon mal einen Schokoriegel oder eine Currywurst essen." Entscheidend seien die Hauptnahrungsmittel.
"Allmählich erkennen Unternehmen die Notwendigkeit einer guten Ernährung", sagt Struck. Bei einigen seien Seminare zu dem Thema bereits fester Bestandteil der Weiterbildung. Die beste Methode ist, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln. "In der Hektik des Berufsalltags vergisst man einfach oft, auf seine Körpersignale zu hören."




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